Ursprung, Verlauf und Ausgang des Kulturkampfs. 657 wicklung bereits!: von den staatlichen Gewalten erniedrigt und ausgenützt besaßen die protestantischen Kirchen im Anfang der siebziger Jahre nicht mehr die Kraft, im Kampfe gegen den Klerikalismus überhaupt selbständig aufzutreten; und soweit sie sich in diesen Kampf einmischten, geschah es in der ihnen während der fünfziger Jahre eingeimpften reaktionären Weise und somit zugunsten des allgemeinen mittelalterlichen Stand⸗ punktes des Papsttums. Unter diesen Umständen sah sich der Staat in dem Kampfe gegen den Klerikalismus von den kirchlichen und religiösen Geistesmächten der Nation verlassen; nur die geistigen Kräfte des politischen Liberalismus — schon nicht mehr die des prinzipienbewußten Demokratismus —, allenfalls auch noch die sonst von ihm scheel angesehenen Kräfte des religiösen Liberalis— mus, wie sie sich im Protestantenverein und in gewissem Sinne im Altkatholizismus konzentrierten, konnten für ihn in Betracht kommen. Nichtsdestoweniger mußte der Staat in dieser un⸗ günstigen Position den Kampf aufnehmen. Denn schon hatte die jesuitisch-papale Bewegung in Deutschland umfassend mobil gemacht. Die große Zeit des Krieges hatte die Kreise dieser Be⸗ wegung in Deutschland natürlich weniger gestört als die emphatisch nationalen, wenn sie den deutschen Siegen nicht etwa gar mit verhohlenem Grimm gefolgt waren. Zudem war man um so eher zu raschem eigenem Zusammenschluß bereit gewesen, als politische Parteibildungen auf katholischer Grundlage schon längst versucht waren. Die Organisation der kirchlichen Vereine hatte da die vorzüglichsten Agitationskörper zur Vorbereitung auch klerikaler Wahlen geliefert. Damit war der Boden gegeben gewesen, aus dem fich schon 1832 im preußischen Landtage eine katholische Fraktion erhoben hatte, nachdem bereits 1848 einzelne Abgeordnete gewählt worden waren, denen die Vertretung der katholischen Interessen zur besonderen Pflicht gemacht worden war. Und schon 1854 waren die Dinge so S. oben S. 809 ff. auch 629 f.