Tonkunst. den baltischen Landen, in Riga, gestrandet war und von dort aus die Aufführung seines „Rienzi“ in Paris ersehnte, an der Stelle, die ihm damals als erste und würdigste erschien, — und als ihm auf der Seereise nach London in Sturm und Wogenprall die Poesie des nordischen Meeres aufging: da tauchte, wohl auch im Anschluß an die Lektüre der mächtigen Meeresbilder Heinrich Heines, des ersten Seedichters der modernen europäischen Völker, vor seiner regen Einbildung die Gespenstergestalt des uferlosen Seefahrers auf und ließ ihm nicht Ruhe, bevor sie nicht dichterisch umfaßt, lieb gewonnen, bewältigt war. So ist der „Fliegende Holländer“ Wagners erste wirklich ganz erlebte Oper; darum ist ihr Text kein Opernlibretto im alten Sinne mehr, sondern, trotz noch beibehaltener alter Scenenordnung, eine Dichtung: ein Werk, das von einheitlicher Stimmung getragen und durchhaucht ist. Und darum ist auch schon die Musik, trotz teilweis festgehaltener früherer Formen, nicht mehr eine alte, in der sich die musika— lischen Empfindungen in ruckweisen, unter sich so gut wie un— verbundenen Ergüssen auf einzelne herkömmliche architektonische Formen, auf Arien und Duette, auf Anfangs- und Schluß-— chöre und dergleichen verteilen: — neu ist sie vielmehr, wenigstens bereits der Absicht nach, in der Tendenz, den ganzen Verlauf der Handlung mit einem musikalisch zusammenhängenden sympho— nischen Gewebe zu begleiten, ja ihn in ein solches Gewebe aufzulösen: aus der Ballade der Senta im zweiten Akt ent— sprossen nach Wagners eigener Angabe die thematischen Keime zur ganzen Musik der Oper. Aber freilich: war die Absicht schon erreicht, das ganze Werk musikalisch zu einer einzigen großzügigen Symphonie zu gestalten? Wagner hat auch hier den Abstand zwischen Wollen und Vollbringen selbst deutlich bezeichnet: er sah später im „Fliegenden Holländer“ nur noch ein Übergangswerk; er fand nun alles nur „in weitesten, oagesten Umrissen gezeichnet“, und ihm erschien „vieles noch unentschieden, das Gefüge der Situationen meist noch ver— ichwimmend“. Die Meisterwerke der ersten Periode sind ,Tannhäuser“ und