2 Tonkunst. Gedrungenheit und klarer Verlauf war? Hier treten die Zu— sammenhänge zwischen der Kunst Wagners und den allgemeinen zeitgenössischen Fortschritten des musischen Sinnes zu Tage; Wagners Oper ward darum zum Musikdrama einer ihm immer enthusiastischer zufallenden Zeit, weil es vom dramaturgischen Standpunkt her dem seelischen Drängen der musikalischen Ent— wicklung entgegenkam, ja vorauseilte. In diesem Zusammentreffen beruht zunächst die technische Einheit des musikalischen Dramas: es konnte bei vereinfachter Behandlung der Fabel ein volles Kunstwerk sein, weil es symphonische Dichtung werden konnte. Symphonische Dichtung: — die Worte bezeichnen das musi— kalische Wesen des Wagnerschen Kunstwerkes. Nicht als ob das Drama ganz zur Musik im Sinne der symphonischen Dichtung geworden wäre. Aber die Annäherung, und damit das schöpferische Eingreifen Wagners in die Entwicklung der neuen Musik, war beträchtlich. Er gestaltete vor allem, dem greifbareren Charakter der dramatischen Dichtung gemäß, die Themen und Gegenthemen des symphonischen Kunstwerks fester aus, indem er nur eine begrenzte Anzahl immer wiederholter Motive zuließ, die zugleich die einzelnen Personen des Dramas und ihr Auftreten charakterisierten. So entstanden — nicht ohne Voranfänge bei Weber und auch Meyerbeer — die be— kannten Leitmotive, Auslösungen der höchsten, den ganzen Empfindungskreis des dramatischen Vorwurfs umfassenden und abschließenden Begeisterung: zugeflüstert seien sie ihm von den Gestalten einer bereits bis zur höchsten Lebhaftigkeit ge— reiften künstlerischen Empfängnis, behauptete der Meister. — schlag in den Zettel der musikalischen Begleitung. Und dadurch entsteht jenes symphonische Gewebe, auf dessen breitem Plan die Gestalten des Dramas leben, leiden und handeln. Gewiß ist damit die Musik nicht mehr rein symphonische Dichtung. Denn neben den Ton tritt immer wieder gleich— berechtigt das Wort, und beide ergänzen sich. Wie der Rhyth— mus des Versbaus, die Art des Reims und der Allitteration, die Häufung dunkler und heller Vokale den dichterischen