Tonkunst. 45 findungen neuer Klangwirkung bedurften neuer Instrumente und zahlreicherer Instrumente schon bekannter Gattung: so wurden neben den Streichinstrumenten namentlich die Blasinstrumente verstärkt; schon im „Lohengrin“ tritt Elsa fast ausschließlich von Blasinstrumenten gefolgt auf, und König Heinrich wird von Posaunen und Trompeten begleitet. Wer aber wüßte nicht von den Änderungen, welche die Kunst Wagners im Ge— sang hervorgerufen hat: der bel canto verschwand, die musi— kalische Deklamation gewann das Feld, der spezifisch „deutsche Stil“ des Gesanges, wie die Wagnerianer wohl sagen, kam zur Entwicklung. Wie sehr das alles in das praktische Dasein der Musik ein— griff, zeigt die Thatsache, daß Wagner seit den sechziger Jahren immer und immer wieder bestrebt war, eine eigene Schule der ausführenden Musik zu begründen. Und doch, wir werden es nicht verkennen, spiegelten sich in den Veränderungen des Orchesters und des Gesangs nur ungleich einschneidendere und tiefere Veränderungen des inneren Wesens der Musik wieder, — trat hier nur besonders deutlich das Werden einer neuen musischen Kunst zu Tage. Und diese musische Kunst war nicht auf stille Wirkungen beschränkt; sie suchte nicht bloß die Heimlichkeit der Kammermusik auf, und auch die Hallen der Orchesteraufführungen genügten ihr nicht. Sie war verschwistert mit der Dichtung und innig verschmolzen mit der volkstümlichsten und füx das Zeitalter charakteristischsten aller poetischen Gattungen, mit dem Drama: das Theater suchte sie auf, ja schuf es um und sprach von der Bühne her laut zu den lauschenden Massen. Und indem sie so zu einer Macht der Zeit ward, förderte sie den neuen Geist der musischen Bewegung gerade an der Stelle, an der er am ehesten durch— zudringen vermochte: in der Wiedergabe der durch Worte be— stimmt gekennzeichneten und doch auch orchestraler Wirkung zustrebenden musischen Begeisterung, in der vokalen und zu— gleich instrumentalen Kunst der Oper. So ist denn das vor allem für Wagner das Charak— teristische, daß er, mag er auch den Ruhm des Begründers der