Bildende KUunst. 71 Zweig der bildenden Kunst. Dazu kommt, und zwar für die Auffassung der geschichtlichen Forschung ausschlaggebend, noch ein anderer Punkt. Malerei und Bildnerei sind im Verhältnis zur Baukunst nachahmende Künste: sie schaffen in innigster An— lehnung des Auges an die Formen der Erscheinungswelt. Darin liegt es begründet, daß diese Erscheinungswelt an sich geradezu einen ständigen, weil der Hauptsache nach in sich un— — wicklung: das so schwer zu findende Moment außerhalb der Flucht der historischen Erscheinungen, das zu deren Erkenntnis und entwicklungsgeschichtlicher Bewertung doch so nötig ist, hier ist es gegeben. Die Baukunst dagegen bietet schlechtweg nichts, was diesem eigenartigen Verhältnis entspräche, so wenig wie die Musik, — während die Dichtung hier wieder auf die Seite von Bildnerei und Malerei tritt: — und darum sind Baukunst und Musik an sich weit weniger geeignet, unmittelbar in die elementaren Vorgänge der künstlerischen Entfaltung menschlichen Gemeinschaftslebens einzuführen, als die anderen Zweige der Phantasiethätigkeit. Übersieht man die Entwicklung der deutschen Malerei nach ihren einfachsten und gröbsten komponierenden Elementen, nach Umriß und Farbe, so ergiebt sich in den elementarsten Zügen, die auf die scharf gefaßten Urerscheinungen zurückgeführt sind, etwa folgendes. Wir sehen in den ältesten Funden die Reste einer Zeit vor uns, in der die Farbe überhaupt noch keine Rolle spielte oder wenigstens nur für roheste Flächenfüllung in ein paar hunten Tönen in Betracht kam: so in den Verzierungen der Töpferwaren der Steinzeit. Im übrigen beschränkt sich die Kunst auf lineare Elemente und Wiedergabe einzelner kleiner Teile der Erscheinungswelt (Blätter u. a. m.), die so allgemein amrissen sind, daß man kaum die Form wiedererkennt: so daß das künstlerische Gebilde fast nur noch als Symbol der natür— lichen Vorlage erscheint. Man kann also von einer symbolistischen Kunst reden. Eine jüngere Periode der Urzeit geht über diese einfachste