Bildende Kunst. 148 der Frau des Rossetti zu verweisen, hier auf die edle Kunst Millets und — ziehen wir neben der Malerei auch die Bildnerei mit heran und rechnen wir Belgien zu Frankreich — auf des Maler⸗-Bildners Meunier wunderbare Idealisierungen des vierten Standes. Und gewiß ist es kein Zufall, daß überall in dieser Übergangszeit eine idealistische Kunst einsetzte; wir werden die besonderen Ursachen dieser Erscheinung noch später betrachten. Aber in Deutschland war diese Übergangszeit besonders lang, so daß sich dieser Idealismus, durch bedeutende Meister ver— treten, ganz anders ausleben konnte als bei den Nachbarn des Westens; hier ist der Punkt, wo uns die bei uns so besonders schwierige und verzögerte Entwicklung des technischen Impressio— nismus zu gute kam. Denn so konnte es geschehen, daß Werke dieses Idealismus noch heute entstehen, während der erste Meister dieser Richtung, Feuerbach, schon Ende der fünfziger und während der sechziger Jahre die für ihn entscheidenden Werke schuf: — länger als ein Menschenalter hat in unseren raschlebigen Zeiten im Grunde ein und dieselbe Erscheinung, wenn auch in gewissen Abwandlungen, die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen gefesselt. 2. Feuerbach, 1829 geboren, in Umriß und Komposition anfangs vornehmlich durch Couture bestimmt, den französischen Historienmaler, der zu gleichen Teilen etwa aus der Romantik seit Delacroix und aus dem Klassizismus des Ingres herkam, in der Farbe von seinem venetianischen Aufenthalt ab im besten Sinne Schüler Tizians, steht, wie man sieht, der äußeren Form nach am Ausgang des technischen Historismus. Und hat er diesen später in der Farbe zu Gunsten eines überaus ver— minderten Kolorismus, in Umriß und Komposition zu Gunsten einer viel stärkeren Betonung des Zeichnerischen verlassen, so war das gewiß ein Schritt über das Gebiet des Historismus hinaus, aber keineswegs so ohne weiteres zu Gunsten irgend eines Impressionismus. Was seine Werke dennoch an die Spitze der Übergangsidealisten setzt, sind Eigenschaften der inneren Form. Wie sein tieftragisches „Vermächtnis“ in so