164 Bildende Kunst. in dem schon jetzt häufiger anklingenden Motiv des Dorf— geigers oder des Pflügers und des Sämanns, und so nicht am wenigsten in der Landschaft. Denn in ihr zunächst, und allenfalls noch im Bildnis, liegt in dieser frühesten Zeit seine Stärke. Dabei ist er im Landschaftlichen vor allem im Schwarzwald, am Oberrhein und am Main — kurz in seiner Heimat und in Gebieten, die dieser Heimat verwandt sind, zu Hause; und besonders haben es ihm wiederum Berg und Thal und Fluß dieser Mittelgebirgslandschaften angethan. Da malt er mit Vorliebe deren langhinstreichende Züge, teils aus einem Winkel des Thals, teils von beherrschender Höhe aus; aber auch stille Plätzchen im Garten, am Bach, auf der Wiese behagen ihm. Und all diese Landschaften sind Frühlingslandschaften oder solche noch kornbewegten Sommers; der Herbst ist selten, und den Winter kennt Thoma fast nicht: denn den hat er während seiner Lehrjahre nicht auf dem Lande beobachtet. Aber allmählich wendet sich seine Phantasie. Leise, leise kann man die Übergänge in der Landschaft verfolgen. Es sind noch die blumigen Wiesen von ehedem und die einsamen Wald— weiden, die Winkel im schweigenden Tann und die lauschigen Eckchen am Bach; aber die Menschen werden auf ihnen allmählich bedeutsamer. Sie spielen, sie lustwandeln, sie brechen Blumen: sie beginnen auszusprechen, was die Natur sie empfinden läßt. Es ist noch nicht das Figurenbild; am allerwenigsten sind die Gestalten schon reliefmäßig behandelt und die Landschaft zum Hintergrund gemacht. Aber Mensch und Natur sind nicht bloß gleichsinnig, sondern auch schon gleichwertig nebeneinander gestellt. Dementsprechend wird die Landschaft doch mehr Dol— metsch von Stimmungen und deshalb vereinfacht; ein breiter Pinsel streicht lange Berghalden hin und blanke Wasser— spiegel, der Vordergrund wird im großen Zug gehalten: das Ganze geht etwas nach dem Panorama zu und beginnt monumental zu werden. Und das unbeschadet aller Innigkeit und Gemütstiefe, — fern bleibt alles eigentlich architektonische Empfinden, sogar die italienischen Landschaften dieser Zeit haben es nicht.