— —* Bildende Kunst. Verstählung erlaubt, und auch der Hintergrund, alles Land— schaftliche unterliegt der erhöhten Technik. Diese Landschaft aber kennt jetzt nur noch eine allgemeine idealistische Belichtung ind wird ihren Formen nach gleichsam zum Gobelin der vor ihr und um sie spielenden Scene, — nicht bloß ihre geologischen Elemente, auch die atmosphärischen und pflanzlichen unterliegen der Stilisierung, und nicht selten verschwinden ihre Tiefen in Abtönungen, die den Raum fast nur noch wie einen Schleier, eine bloße Andeutung des Räumlichen hinter der figürlichen Scene erscheinen lassen. Es versteht sich, daß diese Entwicklung den Künstler zur Plastik hindrängte — daß daher seine Malerei in Ol nur noch eine Übergangsstufe zu dieser sein und daß sie deshalb in einem Zeitalter des Impressionismus von vornherein idea— listischen Charakter haben mußte. Klingers erstes großes Gemälde, das „Urteil des Paris“, 1884-87 in Paris entstanden, zeigt sofort diesen persönlichen Idealstil. Auf einem hochgelegenen Mosaikboden, von dem eine weite Umschau auf blühende Landschaften des Hinter— grundes gewonnen wird, erscheinen die Göttinnen vor Paris, dem Hermes zur Seite steht, in weiter Entfernung voneinander stehend, die eine völlig nackt, die andern in verschiedenen Stufen der Entkleidung. Die Anordnung der Gestalten ist friesartig: kein reicher Kontrapost, keine wirksame Überschneidung oder Ver— deckung der Figuren; und sie ist reliefmäßig: scharf und deutlich umrissen heben sich die Körper vom Hintergrunde ab. Trotz— dem ist die Raumwirkung bedeutend. Denn die Landschaft im Hintergrunde ist mit ihrem tief liegenden Horizont durch reiche Gliederung und lebensfrohes Licht weit hinausgerückt, und der Vordergrund ist durch einen Rahmen stark architektonischen und plastischen Charakters schon seinerseits raumtief gestaltet. Und das Licht? Die Probleme des fortgeschrittenen Impressionis— mus? Klinger ist nicht eigentlich Kolorist; ihm fehlt der Sinn für das Blühende der Farbe. So steht er den kolo— ristischen Versuchen der Idealkunst Böcklins fern. Die Farben sind bei ihm kühl behandelt, und eine allgemeine idealische