170 Bildende Kunst. nicht ganz einheitlich; wo, etwas gegen das Prinzip der bloßen Reihung, die Figuren überschneiden, gehen sie noch nicht recht voneinander los. Die „pPietaà“ ist viel gleichmäßiger durch— gearbeitet und von größter Feinheit der Lichtwerte, doch versagt der Himmel mit seinen gelblich-rosa⸗-blau-grünen Tönen. Am höchsten steht „Christus im Olymp“, auch inhaltlich ein Ge— mälde, das dem Stoffe im großen Sinne und ergreifend ge— recht wird. Den Künstler aber hatte es während der Jahre, die diesen Werken angehörten, immer unwiderstehlicher zu der Technik gezogen, auf die ihn doch schließlich alles hinführte, zur Plastik. Allerdings war er damals in bildnerischen Versuchen nicht mehr Neuling; ja er hatte schon Bedeutendes zu schaffen be— gonnen: die Anfänge der „Salome“ führen noch in den Pariser Aufenthalt, der erste Entwurf zum „Beethoven“ stammt aus dem Jahre 1887. Aber diese Werke, deren eines auch heute noch nicht völlig abgeschlossen ist, tragen oder trugen doch wenigstens noch etwas vom Charakter des Malerischen; ja bei der Kon— zeption der „Salome“ kann man an Einflüsse der Radierung denken: oder sind die am Fuße der Halbfigur angebrachten Köpfe eines verzweifelnden, zu Grunde gerichteten Jünglings und eines lüstern aufblickenden Alten wirklich künstlerische Empfängnisse eines Bildners? Und weiter wurde in den An— fängen dieser Zeit die Frage nach der Farbigkeit der Plastik, wie die erste Bearbeitung des „Beethoven“ zeigt, zu sehr im malerischen Sinne gelöst. Später hat dann Klinger eine viel diskretere Farbigkeit des Bildwerks bevorzugt, wie sie namentlich die Arbeit in buntem Gestein ermöglicht, und er hat diese Be— vorzugung mit dem Ideal eines durchweg und seiner Natur nach farbigen architektonischen Gesamtkunstwerks in Verbindung gebracht. Vor allem aber entspricht es diesem im Grunde noch malerischen und innerhalb der Malerei wieder idealistischen Zuge, daß die ersten plastischen Werke noch einen bestimmten inhaltlichen Charakter zeigen: gewisse Stimmungen, gewisse seelische Haltungen sollen zum Ausdruck gelangen. So ist die