BSildende KRunst. 183 nur die organische Schwingung übrig geblieben, die heute — ähnlich einer verwandten pflanzlich-ornamentalen Schwingung des romanischen Stils — unser ganzes Kunstgewerbe, vom Buch— druck in seinen ornamentalen Teilen bis zur Möbelindustrie, durchsetzt. Es ist ein Vorgang von großem entwicklungsgeschichtlichen Interesse. Denn wie diese neue Pflanzenornamentik der alten der Urzeit und, ihrem Formgehalt nach, auch der Tierorna⸗ mentik der Urzeit so überaus ähnlich ist — es ist davon schon die Rede gewesen — so hat auch die urzeitliche Ornamentik die gleiche Auflösung ihres organischen Ornaments in einzelne Teile und das selbständige Fortleben dieser Teile erlebt. Nur daß der Vorgang, der sich zu unserer Zeit in wenigen Jahren vollzog, dort zur Vollendung mehrerer Jahrhunderte bedurfte. Um so viel leben wir rascher, als unsere Ahnen! Neben dem Formenidealismus in Ornament und Plakat— stil — die ja beide schließlich nur durch den Stoff der Dar— stellung getrennte Entwicklungen von gleicher Grundlage her sind — hat sich im psychologischen Impressionismus aber auch ein Gehaltsidealismus entwickelt. Und dieser Vorgang ist von mindestens gleich hohem Interesse. Der primitive Gehaltsidealismus wird immer Stimmungs— idealismus sein. Fraglich bleibt dabei bloß, woher die Stimmung genommen wird, die das Kunstwerk erfüllen soll. Sie kann persönlich sein im höchsten Sinne des Wortes: so war es bei den großen Idealisten der Übergangszeit der Fall. Darum sind sie alle anfangs nicht verstanden worden, haben alle anfangs leiden und kämpfen müssen. Sie kann aber auch all— zemeiner einer gewissen Zeit, einer gewissen Umwelt entspringen, wobei dem einzelnen Künstler der persönliche Anteil an seinen Schöpfungen dennoch gewahrt wird, wenn er auch in diesem Falle weit mehr als Vertreter seiner Zeit, denn als Vorläufer der Formkunst auftritt. Dieser zweite Fall trifft nun im all— gemeinen für die Stimmunaskunst des psychologischen Im— pressionismus zu. Nicht als ob sie deshalb nicht an die allgemeinen Stim—