184 Bildende Kunst. mungselemente des Übergangsidealismus in vielem Betracht anschlösse. Im Gegenteil. Denn das eben war für diese Über— gangskunst das Charakteristische, daß sie um die Mitte der achtziger Jahre anfing verstanden zu werden, und daß sie in den neunziger Jahren populär ward. In den Kreisen der Nation, welche nicht bloß der vergangenen, sondern auch der zeitgenössischen Kunst leben wollten, entwickelte sich um diese Zeit und mit den Jahren immer breiter ein Verständnis für die Stimmungen des Übergangsidealismus, und auf der breiten Grundlage dieser Empfindungen ist dann die Stimmungskunst des psychologischen Impressionismus erwachsen. Woher kam nun dies Verständnis? Es kam, um es mit einem Worte zu sagen, aus dem raschen Erwachsen der modernen Psyche in weiten Kreisen: aus der Zunahme der Reizsamkeit. Es ist ein Moment, das wir etwas eingehender verfolgen müssen, denn nur aus seinem besonderen Charakter erklären sich gewisse Eigenschaften des modernsten malerischen Idealismus. Die Reizsamkeit ist im allgemeinen eine Folge unserer modernen Lebensverhältnisse: sie ist das psychische Gesamt— erzeugnis der Entwicklung unserer heutigen sozialen und wirt— schaftlichen Kultur auf dem Boden desjenigen Menschen⸗ materials, das die Vergangenheit der Gegenwart zur Durch⸗ bildung dieser Kultur überlieferte. Besonders stark und be— zeichnend ersteht daher die Reizsamkeit in den Mittelpunkten des modernen Gesellschafts- und Wirtschaftslebens, in den großen Städten. Wie aber bilden sich nun auf dieser Grundlage besondere ästhetische Bedürfnisse? Das moderne Leben ist insofern be— sonders unästhetisch, als es zu beständigen Störungen der geistigen Konzentration führt. Das ewige Hasten, der Pfiff der Lokomotive, das Klingeln der Straßenbahn, die ständige lüberschwemmung mit Postsachen, der zudringliche Nachrichten- dienst der Zeitungen, die steigende Zahl von persönlichen Be— rührungen bei ständig erhöhter Leichtigkeit des Personenverkehrs, dies und vieles andere legt vor allem den Wunsch nahe, dem Sklaventum des Augenblicks zu entfliehen: den Wunsch nach