Bildende Kunst. 189 Stoffe gemalt als erotische; ob er aber je eine Landschaft nicht erotisch oder wenigstens sinnlich erregend gemalt hat, scheint zu bezweifeln. Und doch eignete sich gerade das Landschaftliche an sich, von nur mitsingender, mittönender, gleichsam mitduftender, mäßig betonter Staffage belebt, für diese Künste eines psycho— logischen Stimmungsimpressionismus: und auf ihrem Gebiete hat diese neueste Kunst in der That bisher die reinsten Triumphe gefeiert. Hier treten uns die Namen Julius Exters (geb. 1868) und Ludwig von Hofmanns (geb. 1861) entgegen. Exter ist an Besnard gebildet; seine „Welle“ und sein, Verlorenes Paradies“ geben von ihm die beste Vorstellung. Hofmann steht mehr auf eigenen, deutschen Füßen; er ist unser größter Farbenschwelger; er versteht es thatsächlich, Landschaften märchenhaften Wesens in die Eindrücke seiner Farbenpsyche aufzulösen und landschaftliche Symphonien ertönen zu lassen, deren Themen unvergeßlich sind. Mehr nach der Gebundenheit der ornamentierten Land⸗ schaft des Licht-Farbeneindrucks strebt dagegen schon die Kunst Schultze-Kaumburgs (geb. 1869); diese Gebundenheit in ein— drucksvollen Formen, bis zu landschaftlich-ornamentalen Vor— lagen für Wandteppiche, erreicht zu haben, ist die Eigenart Leistikows (geb. 1865). Doch wer wird hier die Namen aller derer finden wollen, die auf diesem Felde noch heute oder erst heute thätig sind? Ein Gang durch die Säle des großen malerischen Wettstreits der Nationen auf der Pariser Weltausstellung zeigte, daß es sich hier der spezielleren Phantasiedurchbildung dieser Meister nach um eine Kunst recht eigentlich germanischen Charakters handelt; daß hier neben uns Schweden und Norweger mehr phantastisch, Dänen sinniger und Vlamen gegenständlicher malen, daß die Bewegung erst im vollen Ansatz ist, und daß ihr Ausklingen noch nicht so bald zu erwarten scheint. Freilich: in dem Idealismus des künstlerischen Gehalts steht noch über der Stimmungskunst die Kunst der Idee, der religiösen, ethischen Gemeinempfindung. Sollte nicht auch sie von der idea— listisch gewandten Technik einer Malerei aufgesucht werden, die am