18ß8 Bildende Kunst. gegenseitige Befruchtung der Kunstgattungen eingetreten, wie sie sonst in der deutschen Entwicklung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht ihresgleichen hat, und gewiß hat in ihr die Plastik zu einer Zeit, da die Entwicklung des malerischen Impressionismus jedes anschauliche Verständnis der Form zu zerstören drohte, in einem Momente stärkster Gefährdung dem malerischen Idealismus wirksam Hilfe geleistet. Die Bildnerei des physiologischen und psychologischen Impressionismus ist in Deutschland erst in Anfängen vertreten. Auch das beleuchtet wieder das Verhältnis zur Malerei: die plastische Entwicklung folgt im allgemeinen der malerischen nach. In Blüte dagegen steht diese neue Plastik schon in Frankreich und in den vlamisch-holländischen Gebieten. Und dieser Umstand mag es bei den engen ideellen Beziehungen zwischen der niederländischen und der binnendeutschen Kunst rechtfertigen, wenn sie hier nicht an der Hand der deutschen An— fänge, sondern an den Meistern Belgiens und Hollands, teilweis auch Frankreichs mit zwei Worten charakterisiert werden soll. Der große Meister der physiologisch-impressionistischen Ideal— plastik ist da der Belgier Meunier (geb. 1831); wir kennen ihn schon als Maler und in der Malerei als den belgischen Millet. In der That ist es die Richtung etwa Millets, nur noch in etwas stärker betonter Eindruckskunst, die Meunier auf das Erz überträgt, das er seiner malerischen Eigenschaften wegen be— sonders liebt: und was er in dieser Kunst schafft, das ist das Ideal des modernen Heros der mechanischen Arbeit, des Mannes des vierten Standes. Das Kraftgefühl des Sklaven, das Brutale der Thätigkeit, die bei aller physischen Gewalt ge— beugte Energie, das stumme Dienen unter der Herrschaft über— legener Mächte schildert er mit ergreifender Wahrhaftigkeit: und weiß er es auch im gewöhnlichen Sinne des Wortes zu idealisieren, ihm das Abschreckende zu nehmen, so ist das nicht die Folge der Beschönigung, sondern der Komposition in einer Geschlossenheit des Umrisses und einer Einheit des Raumbildes, die unmittelbar an die von dem Meister verehrte Antike erinnern. Die psychologisch-impressionistische Bildnerei hat ihren