Dichtung. 227 Und wie des Dunkels leiser Atemzug Den Duft des Gartens um die Stirn mir trug, Da schien es mir wie das Vorüberschweifen Von einem weichen, wogenden Gewand Und die Berührung einer warmen Hand. In weißen, seidig weißen Mondesstreifen War liebestoller Mücken dichter Tanz, Und auf dem Teiche lag ein weicher Glanz Und plätscherte und blinkte auf und nieder. Ich weiß es heut nicht, ob's die Schwäne waren, Ob badender Najaden weiße Glieder, Und wie ein süßer Duft von Frauenhaaren Vermischte sich dem Duft der Aloë.. Das rosenrote Tönen wie von Geigen, Bewoben aus der Sehnsucht und dem Schweigen, Der Brunnen Plätschern und der Blüten Schnee, Den die Akazien leise niedergossen, Und was da war, ist mir in Eins verflossen: In eine überstarke, schwere Pracht, Die Sinne stumm und Worte sinnlos macht. 4. Nun ist klar, daß auf diesem Wege kaum noch weiter zu gelangen ist, wenigstens innerhalb der Grenzen der seelischen Grundlage der Gegenwart; die naturalistische Entwicklung des psychologischen, ja des neurologischen Impressionismus erscheint mit der Aufnahme dichterischer Formen wie der geschilderten erschöpft. Aber inzwischen war längst, ja fast gleichzeitig und Schlag auf Schlag den naturalistischen Errungenschaften dieses Impressionismus folgend ein neuer Idealismus emporgeblüht. Der Blick. der farbendürstend in sich selbst gesenkt Nach immer neuer Wunder unerwachtem Spiele späht (Ludwig Klages) hatte den Reizvorgang nicht mehr als Objekt aufgesucht; viel— mehr umgekehrt schuf der Dichter aus sich heraus die Sensa— tionen, sprachen diese subjektip aus ihm in neuen Zungen: ibermächtig und breiten Stromes trat in den Formen neuro— 15*