Dichtung. 288 der starke und sinnliche Kult des Weibes, das Aufsuchen über— feiner Narkosen von der Art etwa, wie diese durch gewisse Litaneien des romanischen Katholizismus hervorgerufen werden, und Verwandtes. Nein, die Gruppe von George und Hofmanns⸗ thal ist deutsch; und pflegt sie bei ihrer Vorliebe für das Selt— same, Prunkende, halb Perverse vielfache Beziehungen zu ex—⸗ tremen Richtungen auswärtiger Kulturen, so z. B. auch zum englischen Prärafaelitentum, so ist sie dennoch in ihrem Innersten sogar ausgesprochen national, ja es fehlt ihr nicht einmal die offensichtliche vaterländische Wallung: Schon lockt nicht mehr das Wunder der Lagunen, Das allumworbene, trümmergroße Rom, Wie herber Eichenduft und Rebenblüten, Wie sie, die deines Volkes Hort behüten, Wie deine Wogen, lebengrüner Strom. GEtephan George.) Dieser psychologisch-impressionistische Idealismus ist aber zugleich bisher die letzte völlig abgeschlossene Errungenschaft unserer dichterischen Kultur; mit ihm endet einstweilen der Lauf der modernen Entwicklung. Und wie der Parallelismus der ganzen Bewegung zu den Vorgängen auf dem Gebiete der bildenden Künste, so läßt sich auch die innere entwicklungs— geschichtliche Geschlossenheit dieses Verlaufes nicht verkennen: der physiologische Impressionismus mußte in einen psychologischen, ja, bei stärkster Vertiefung, in einen neurologischen Impressionis— mus auslaufen, und auf dem Gebiete jeder dieser Entwicklungen mußte einer Zeit naturalistischer Eroberung der neuen Kunst— mittel eine Zeit idealistischen Ausbaues parallel gehen und nachfolgen.