Dichtung. 285 Eine früheste Vorstufe führt hier auf märkischen Boden und insbesondere nach Berlin: in das Land und die Stadt des scharfen Realismus und der Beobachtung in diesem Sinne. Heinrich von Kleist (1777 -1811) ist als Erzähler etwa, was Philipp Otto Runge als Porträtist war: er hat schon eine an Maupassant erinnernde Technik, indem er die Erzählung damit beginnt, daß er unmittelbar in eine gespannte Situation ver⸗ setzt und diese dann eingehend und energisch ausmalt. In der Erfindung ist dann freilich Vieles noch romantisch. Aber doch wird man schon an Willibald Alexis, einen der ersten größeren Realisten, und an Theodor Fontane, fast einen der ersten Im— pressionisten, genahnt: und beide waren Märker. An den frühen Realismus des Berliner Kriegs- und Paradebildes wie die Verdienste Friedrich Wilhelms III. um eine realistischere Denkmalsplastik gemahnt es weiter, wenn einer der frühesten scharfen Schilderer moderner deutscher Gesellschaft, ein kleiner Stendhal, Julius von Voß (1768 - 1838), bis 1798 preußischer Leutnant war: wir verdanken ihm, bei all seiner Frivolität in der Art der gleichzeitigen deutschen und französischen rationa— listischen Litteratur, außerordentlich treue Schilderungen des preußischen Heeres von 1806 und namentlich seines Offiziercorps. Von Königsberg gebürtig, aber nach vielen Seiten hin Berliner geworden, war ferner Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776 bis 1822), bei allen romantischen Schrullen und Schauergefühlen ein außerordentlich scharfer Beobachter der Wirklichkeit, im Grunde vielleicht der erste wirklich ganz Berlinische Dichter!: jedenfalls ein Dichter ganz auf eigenem Postament, mit einer Fülle von Zukunftssensationen, ein Mann der Weltlitteratur, — reich. Und mit Hoffmann brach der stetige Fluß des Berliner Realismus keineswegs ab. Wird man auch bei Willibald Alexis und selbst bei Gutzkow, als Schilderer des aristokratischen Berlins, keine durchaus sicheren und unmittelbaren Vorahnungen des modernen Impressionismus suchen wollen, so steht diesem dafür der Baron Alexander von Ungern-Sternberg (1806 —1868) S. Mielke 3, 69.