248 Dichtung. Kein rückwärts schauender Prophet, Geblendet durch unfaßliche Idole; Modern sei der Poet, Modern vom Scheitel bis zur Sohle. (Arno Holz.) Und da begann sich denn das Bild zu runden, das Bahr ge⸗ legentlich der Beschreibung der spanischen ,Moderne“ so anmutig gezeichnet hat: „Der Hochmut gegen alles, was vorher geschah, und der einsame Stolz, der alle Hoffnungen der Menschheit erst von sich selbst datiert, verächtlich gegen die Narren und Schurken ringsum in Vergangenheit und Gegenwart; der kühne, weltüberfliegende Schwung, der sich immer gleich an ganz Europa adressiert; das üppige Pathos, das die nüchternen Gründe des Verstandes verschmäht und durch das kämpferische Säbelrasseln des Pronunciamentos ersetzt; jene wunderliche Mischung von Arme-Leute-Geruch und einer gymnasiasten— haften Grandezza, und eine unerschöpfliche Lust am ewigen Reformieren, die nichts in der ganzen Welt in Ruhe lassen will; natürlich auch ein unerbittlicher Pessimismus, der kein Mitleid kennt: alles ist schlecht, ohne Ausnahme, wohin immer man sich wenden mag.“ Und mancher hoffnungsvolle Mutter— sohn ging an dieser Stimmung zu Grunde. Denn mit der Nervosität, die sich bei der scharfen Aufnahme impressionistischer Momente namentlich anfangs fast ausnahmslos einstellte, ver⸗ band sich nur zu häufig ein Cynismus, der nichts für rein hielt und darum auch sich selbst besudelte. Im übrigen prägte sich für den oberflächlichen Beobachter der neue Zustand namentlich in zwei Richtungen aus: die Jungen waren antiklassisch, und sie waren antibürgerlich. Sie waren antiklassisch, weil sie um jeden Preis national sein wollten, und weil sie die Antike als durch sich überwunden betrachteten. Sie waren antibürgerlich, weil sie durch die Stoffwahl zu ihren Dichtungen auf das impressionistisch zunächst am leichtesten zu Bewältigende, auf das Leben der unteren Stände, hingewiesen waren, weil sie zumeist arm waren, wie einst die Pariser antibourgeoise Boheẽme und die