268 Dichtung. macht vereinigt. Aber auch bei Held erwacht in seinen „Gor— gonenhäuptern“ (1887) eine Art hellenischer Romantik, und Bleibtreu, der hochbegabte, aber überaus wandelbare Vertreter eines frühesten Impressionismus, hat nicht nur 1884 einen Roman „Der Nibelungen Not“ veröffentlicht, sondern auch in seinem „Tiroler Liederbuch“ (1885) begeistert ausgerufen: Du dunkles nicht, du helles Mittelalter, Ich höre deiner Vogelweide Chor, Ich fühle deinen Minneernst, o Walther, Und sieh, die Morgensonne flammt empor. Leise mitklingende Elemente einer selbständig idealistischen und speziell romantisch charakterisierten Richtung wurden dann in den achtziger Jahren auch von Otto Brahm, dem Schüler Scherers, litterarisch und dramaturgisch als neben dem Natura— lismus notwendig erwünscht und vertreten. Früher indes und in gewissem Sinne organischer begann zu dem impressionistischen Idealismus eine Reihe von Dichtern überzuleiten, deren älteste noch vielfach Beziehungen zum Klassizismus hatten. Ihr wichtigster und frühester Vertreter ist der Graf Schack, der nicht umsonst von den ersten Herolden und Vorkämpfern der impressionistischen Revolution, den Ge— brüdern Hart, so innig verehrt wurde. Schack hat etwas von der Maréesschen Auffassung der Natur wie ja auch ein wenig von seinen Schicksalen: die Nation ist ihm gegenüber un— dankbar geblieben und wird ihn besser wohl erst verstehen, wenn sie, zunächst rein inhaltlich, in den universalen, die weitesten Grenzen der Welt seiner Zeit umfassenden Horizont — hat bei scharfer psychologischer Beobachtungsgabe namentlich etwas von der Gegenständlichkeit des späteren vollen Impressio— nismus; nur daß er dabei, im Gegensatz zu dem oft hastig— nervösen Wesen der Späteren, in ruhiger Monumentalauffassung verharrt: ein idealistisches Element, das ihm den Vorwurf der Kälte eingetragen hat. Nach Schack steht den Neueren schon um ein ganz Er— —VV