Dichtung. 271 meinen zeigt sich dieser Mangel doch nicht so häufig, daß es gerecht wäre, den Dichter darnach entscheidend zu beurteilen. Falkes beste Art zeigt etwa das Gedicht „Sommerglück“: Blütenschwere Tage In Düften und Gluten rings, Mein Herz tanzt wie auf Flügeln Fines trunkenen Schmetterlings. Die Rosen über den Mauern, Der Birnbaum drüber her, Alles so reich und schwer In sehnenden Sommerschauern. Das juligelbe Land Mit dem träumenden Wälderschweigen, Fern am duftigen Rand Darüber die Wolken steigen. — D, wie sag ich nur, Was alles mein Wünschen ins Weite führt! Mich hat des Glücks eine leuchtende Spur Mit zitternder Schwinge berührt. Von den jüngeren Dichtern, deren hier noch eine Anzahl genannt werden könnten, mögen Schaukal („Verse“, 1892 -96; Meine Gärten, einsame Verse“, 1897; „Tristia“, 1898) und von Scheffer („Seltene Stunden“, 1898; „Die Eleusinien“, 1898) herausgegriffen werden, um bestimmte Richtungen zu harakterisieren. Schaukal huldigt noch sehr deutlich einem physiologischen Impressionismus. Aber doch unter stärkstem Uberwiegen der Stimmung, so daß diese schon die härtere Form zu beugen beginnt: etwas Weiches, Musikalisches, Nebel, Dämmerung werden charakteristisch, und gelegentlich befindet man sich schon in dem Lande rein nervöser Stimmungen. Scheffer dagegen ist zwar auch musikalisch gewandter physio— logischer Impressionist, wie Schaukal, aber er bleibt dabei kälter, reflektierender, und eine kühle Gedankenlyrik trägt ihn gelegentlich schon ganz ins Philosophische hinein, wie ihn andrer⸗ seits seine festeren Formen zu Ausflügen in das Gebiet der Ballade oder wenigstens dessen Grenzlande verlocken.