1. Die kurze Erzählung der Entwicklung der Lyrik, wie sie soeben gegeben worden ist, läßt noch eine Welt von litterar⸗ historischen Fragen offen. Denn es war hier keineswegs die Aufgabe, eine Litteraturgeschichte der Gegenwart in der Nuß zu geben: nur gewisse Hauptrichtungen sollten gekennzeichnet, nur der Zusammenhang derselben mit der allgemeinen Ent— wicklung des Seelenlebens sollte nachgewiesen werden. Daß dabei an dem gezeichneten Bilde von litterarhistorischer Seite her vieles zu ändern und zu bessern sein wird, unterliegt keinem Zweifel: aber der Nachweis einer engen und allgemeinen Verbindung unserer modernen Lyrik mit dem weiten Bereich der nationalen Phantasiethätigkeit und der Bewegung der nationalen Psyche wird dadurch nicht aufgehoben werden, sondern nur noch verstärkt zum Ausdruck gelangen. Gehen wir jetzt daran, uns die Entwicklung der Kunst⸗ erzählung in den jüngsten Zeiten zu vergegenwärtigen, so gelten da dieselben Gesichtspunkte: nur daß sich die Übersicht bei der geringeren Bedeutung der Erzählung für die Entfaltung der Phantasiethätigkeit noch verhältnismäßig kürzer wird fassen lassen. Unter den Werken der Kunsterzählung wird man zunächst zwei große Gruppen zu bilden haben: eine höherer Idealisierung umd gebundener Rede, und eine mehr unmittelbarer Wieder— gabe der Wirklichkeit und der Sprache der Prosa. In der Gruppe der Prosaerzählungen aber kann man wieder mit den Brüdern Hart (Kritische Waffengänge 6, 53) am besten drei