Dichtung. 281 welche diese an sich aus Motiven ihrer Eigenbewegung heraus, erlitten. Schon die Skizze der dreißiger bis siebziger Jahre, das Grundelement des Romans dieser Zeit wie der damals fast noch mehr blühenden Novelle, war stark durch den Journalismus bestimmt worden. Und Journalismus hieß doch auch damals —DD in dieser oder jener Form — nicht immer in der heute berufs— mäßig und technisch ausgesprochenen — sind doch schon die meisten Romanschreiber des jungen Deutschlands zu irgend einer Zeit ihres Lebens gewesen. Aber ihre Rapporte, ihre Skizzen waren noch breit angelegt, ließen die Persönlichkeit des Reporters durchschauen, waren reflexionsreich und verliefen dementsprechend in langgezogener Darstellung. Mit dem Untergang des Romans des jungen Deutschlands, seit den fünfziger Jahren, wurde das anders. Jetzt kam uns, schließlich erst nach französischem Vorbild ganz durchgebildet und in den sechziger und siebziger Jahren blühend, die Skizze der Paul Lindau und Genossen, der Rapport des Feuilleton⸗ stils, die preziöse, geistreichelnde, witzelnde Darstellung ab— gerundeter kleiner Wirklichkeitsstoffe. Das ist die Art, gegen die dann die Brüder Hart in ihren „Kritischen Waffengängen“ so unsanft loszogen: mit dem Beginn der neuen litterarischen Bewegung der achtziger Jahre war ihre Zeit dahin. Und nun entfaltete sich langsam die Reportage der Gegenwart. Zwar war man noch nicht alsbald so weit, die Biographie durch ein Interview, die dramaturgische Kritik durch einen bloßen Bühnen— bericht — was haben Dichter, Schauspieler, gewohnheitsmäßige Premiorenbesucher gesagt? — zu ersetzen. Aber man ging doch früh in dieser Richtung vorwärts. Kürze, Konzentration, Verdichtung, Zeitersparnis im Schreiben und Lesen, das wurde die Losung. Also: Momentaufnahme, Telegraphenstil, kein Witz mehr, nur noch Beobachtung, kein Geist, aber scharfe Augen, findige Witterung, strammes Zugreifen und vor allem flinke Beine: das war, was man wollte. Galt das zunächst für