Dichtung. 285 späterer Zeit von eigentlichem Impressionismus noch nicht ge⸗ sprochen werden. Entfesselt wurde der Impressionismus der Kunsterzählung in Deutschland erst durch die Einwirkungen Zolas auf jüngere, von der früheren französischen Litteratur weniger berührte Geister. Litterarisch bekannt wurde dabei Zola in Deutschland erst seit dem „Assommoir“ (1877), um etwa 1885 mit „Germinal“ den Höhepunkt seines Einflusses zu erreichen. Und dieser rein litterarische Einfluß hat vornehmlich doch nur in Berlin gewirkt. Durch persönliche Beziehungen dagegen und darum viel kräftiger, freilich auch in viel stärkerer Umformung, wurde Zolas Einfluß nach Süddeutschland, und hier wieder vor⸗ nehmlich nach München, vermittelt. Der Träger der gegen— seitigen Beziehungen war hier, wie schon einmal kurz bemerkt, Georg Michael Conrad (geb. 1846), ein bayrischer Franke, der Anfang der achtziger Jahre aus Paris nach Munchen kam und hier mit Kirchbach wie auch Greif den Kern jener neuen litte⸗ rarischen Bestrebungen herausbildete, die sich gegen die „Epi⸗ gonen“ der fünfziger Jahre und vor allem gegen Heyse wandten. Das aber, was Conrad von Zola übernahm, war vornehmlich nur der unbedingte Wirklichkeitssinn und der Fanatismus der Wahrhaftigkeit; im übrigen war er feurig, zufassend, ja zu— fahrend, und darum schon durch sein Temperament von Zola um Welten geschieden. Conrad hat mit seinem Roman „Was die Isar rauscht“ (1887; zweiter Teil „Die klugen Jungfrauen“ 1889) in Süd— deutschland den ersten Versuch eines impressionistischen Romans gemacht. Es ist ein Roman des „Nebeneinander“ im Sinne Gutzkows. Aber nicht ein Vollbild der Welt wird gegeben, sondern nur ein Stadtbild des Münchener Lebens, und auch in diesem engeren Rahmen tritt eigentlich nur die Bier- und Kunststadt hervor. Dazu welch diffuser Charakter der ein⸗ zelnen Teile! Nicht eigentlich von einem Gemälde, nur von einer Bilder- oder richtiger Skizzengalerie kann man reden, deren einzelne Teile lose durch das Motiv des Rauschens der Isar, das fast in jede Schilderung hineintönt, zusammen—