Dichtung. 311 eben damit schon fern jedem überschwänglichen Subjektivismus findet sie wahres Gedeihen. Und so sind denn die Vorstufen ihrer modernen Ausbildung thatsächlich in den heimatlichen Richtungen der Dichtung der nächstvergangenen Generationen zu suchen: die Bauernkunst der vierziger und fünfziger Jahre ist ihr Ursprungsgebiet, und Jeremias Gotthelf mit seinen Schweizer⸗ geschichten, Otto Ludwig mit seinen Thüringer Erzählungen find ihre vornehmsten Paten. Von diesen Anfängen ab hat dann, wenn auch zeitweis durch den großstädtischen Impressio— nismus überschattet, die ganze Bewegung doch nie wieder nach— gelassen oder gar aufgehört: Zeuge dafür ist u. a. ein so starkes Talent wie der Balte Theodor Hermann Pantenius (geb. 1843), der konservativ-orthodoxe Romancier der Ostseeprovinzen (, Die von Keller“ 1885), — noch größerer Gestalten, wie namentlich der sterreicher Anzengruber und Rosegger, in gewissem Sinne auch der Ebner-Eschenbach, nicht zu gedenken. Wie mächtig aber diese Strömung schließlich aus den Vorbedingungen der modernen Litteratur und zugleich des nationalen Daseins der Gegenwart hervorquoll, dafür zeugt die Erscheinung, daß schließlich auch die allgemeine Litteratur landschaftliche Färbung erhielt — wie sehr ist doch Sudermann Preuße, Hauptmann Schlesier! —, und noch mehr vielleicht die Thatsache, daß eine neue landschaftliche Dichtung ihr Haupt alsbald auch in dem wiedergewonnenen Elsaß, freilich einer uralten und klassischen Geburtsstätte deutscher Dichtung, erhob: 1891 erschienen die Alsalieder Christian Schmidts, 1895 die „Lieder eines Elsässers“ von Fritz Lienhard, der seither mächtig in die Heimatsbewegung eingegriffen hat, und 1899 kam es in Straßburg sogar schon zur Gründung eines be— sonderen Elsässer Theaters, für das elsässische und andere deutsche Dichter im Geiste des alten Arnoldschen „Pfingst⸗ montags“ rüstig schufen und schaffen. Eine ganz besondere Bedeutung aber erhielt diese Strömung zur Heimatkunst seit etwa dem Jahre 1897, bis wohin die frühesten Spuren ihrer ausgesprochenen Pflege vor allem in sterreich zurückgehen: und zwar ebenfalls aus einem all⸗