3838 Dichtung. Fürsten, ihr zumeist recht unklar geartetes Streben nach einer anderen Verfassung des Reiches, die ihren Bedürfnissen besser gerecht würde, ist der besondere Vorwurf des Dramas. Und die Behandlung im einzelnen ist dann ähnlich der Be— wältigung des Stoffes in den „Webern“. Wie dort so er— scheinen hier über der großen Masse als dem Gesamthelden besondere Führer: einige Bauern und vor allem der zu den Bauern übergegangene, ihre Ideale teilende Ritter Florian Geyer. Und die Katastrophe tritt hier wie dort in verwandter Weise ein: die politischen Gewalten überwinden die soziale Revolution, und in dem Kampfe fallen Gerechte wie Un— gerechte; die geschichtliche Notwendigkeit fährt unerbittlich daher, die besonderen Wünsche des bäuerlichen Kollektivhelden, an sich vielleicht ideales Recht, werden ins Unrecht gesetzt durch die brutale Macht der allgemeinen Interessen. Es ist ein Kampf ums Dasein und eine Niederlage im großen; von sittlichen Ge— setzen, vom Triumphe des Guten ist nicht die Rede. In der Schicksalsidee, wie man sie hier ausgesprochen finden kann, scheint die innere Notwendigkeit beschlossen zu liegen, soziale Massendramen historisch zu fassen. Denn wer würde sich so leicht bei dem Gedanken beruhigen können, zu sehen, wie ganze Volksschichten in einer nur gedachten Krisis allgemeinen sozialpsychischen Lebens selbst auch nur scheinbar ungerecht zu Grunde gehen? Nur die Thatsache, daß solche Katastrophen wirklich vorgekommen zu sein scheinen, berechtigt doch wohl nach dem überwiegenden Urteil der Zeitgenossen zu ihrer dramatischen Bearbeitung. Auch die „Weber“ sind im Grunde ein historisches Drama. — Wie dem auch sei, Hauptmann hat in „Florian Geyer“ den Weg gewählt, in der allgemeinen seelischen Welt der Reformationszeit den Bauernstand als Helden kämpfen, kurze Zeit siegen und dann untergehen zu lassen. Ein vom Stand— punkte des Historikers und auch wohl des allgemeinen geschicht⸗ lichen Verständnisses der Gegenwart aus ungeheures Wagnis! Ungeheuer an sich, doppelt ungeheuer für eine Zeit, deren Volksseele an erster Stelle und im allgemeinsten Sinne doch