342 Dichtung. und die Welt des germanischen Mythos, dessen Götter im Be— wußtsein ihrer Vergänglichkeit doch voll frohen Heldentums dahinleben, Vorbilder eines menschlichen Heroismus, der nach allem greift, selbst nach den Sternen. In die Welt der Menschen hineingeboren ist der Künstler, der Glockengießer Heinrich. Und trotz eines unbewußt in ihm waltenden Strebens nach Vollgewalt im Bereich und mit den Mitteln des ganzen großen belebten Alls sieht er sich in dieser Welt, die zugleich die Welt des Christentums ist, festgehalten durch sein Weib, das ihn nicht versteht, durch seine Kinder, durch die Gemeinde, für die er ohne innere Befriedigung die Glocke eines hoch am Bergesabhang gelegenen Kirchleins schafft. Da stürzen die Wesen der zweiten Welt, der Welt der Natur— gewalten, die Glocke während des Transportes zur Höhe ins Thal, hinab in die dunklen Fluten eines Bergsees: sie ver— eiteln die Entheiligung ihrer Regionen durch die Kirche. Dem Künstler aber bedeutet diese Katastrophe schließlich nach herbem Schmerz einen glückbringenden Umschwung: selbst mit in den Sturz — „war's willig? widerwillig?“ — verwickelt, gelangt er durch die alte Wittichen und Rautendelein in Verkehr mit jener anderen, den Menschen und dem Christengott abgewandten Welt, mit der Welt eines pantheistischen Glaubens. Und selbst im tiefsten Herzen Pantheist, sucht er sie alsbald schöpferisch zu bewältigen. Er zieht hinauf in die Berge; er will ein Glockenspiel von unerhörter Gewalt schaffen, das, in einem Sonnentempel aufgehängt, die Harmonie der Sphären tönen soll: mit wetternder Posaunen Laut Mach' es verstummen aller Kirchen Glocken Und künde, sich im Jauchzen überschlagend, Die Neugeburt des Lichtes in der Welt, —* und er zwingt zur Durchführung dieses Planes die Natur— gewalten mit der Vermessenheit menschlicher Ungeduld in seine Dienste. Und nun erlebt er, daß er doch selbst nur Teil ist dieser großen Welt des Alls, nicht ihr Bezwinger und Beherrscher. Die Naturgewalten empören sich, die Menschen stürmen gegen