346 Dichtung. wendung von Musik, einführte. Unter den späteren Märchen— dramen aber wären vor allem wohl Sudermanns „Drei Reiher—⸗ federn“ zu erwähnen, eine in hurtigen Versen dramatisierte, im Grunde aber epische Geschichte von einem Prinzen, der vergebens nach einem Ideale sucht, dessen Besitz ihm schon in seinem Weibe geschenkt ist, und darüber dies Ideal verliert. 4. Aber auch mit dem Märchen- und Traumdrama waren die Versuche, auf mittelbarem Wege gleichsam zum psychologischen Drama zu gelangen, noch keineswegs abgeschlossen. Worin die eigentliche Schwierigkeit lag, direkt vorwärts zu dringen, in— wiefern namentlich die Konkurrenz von hochstehender Psychologie und klarer, auf sicherer Weltanschauung begründeter Schicksals— idee erst ein wirklich einheitliches Drama der Gegenwart erzeugen kann, und inwieweit bei diesem notwendigen Zusammenwirken der Faktor der Schicksalsidee bisher noch versagte, davon wird erst später eingehend die Rede sein können. Sicher ist, daß man sich um die Mitte der neunziger Jahre in Deutschland einstweilen mit einem schwachen Ersatz⸗ mittel der Weltanschauung behalf, der Stimmung — jener persönlichen Stimmung des Dichters, die wir, wie bereits öfter betont, schon in der Lyrik und in der Kunsterzählung wie nicht minder auf dem Gebiete der bildenden Künste als erstes Ubergangsmoment zu idealisierender Kunstübung kennen gelernt haben. Es trat also ein, was man wohl die lyrische Erweichung des Dramas genannt hat: eine schon vertiefte Psychologie zunächst des eigenen Ichs führte zur Verknüpfung der objektiven psychologischen Erfahrungen mit subiektiven Momenten der Stimmung. Erste Spuren dieser Entwicklung lassen sich nun bereits früh wahrnehmen; entsprechend dem stärkeren psychologischen Gehalt des Dramas schon in den Formen des physiologischen Impressionismus wurden sie bereits bei dessen fortgeschrittensten Vertretern bemerkbar. So hat Hirschfeld bereits seit mindestens Mitte der neunziger Jahre elegische Momente und Charaktere.