Weltanschauung. 411 sehr vorübergehenden Überlegungen, wie dies Ideal etwa durch praktische Maßnahmen zu erreichen sei, ähnelt er den Vor— gängern: gleich Gutzkow erachtet er einen Bund freier Geister für fähig, die neue Zeit zu verwirklichen. Was ihn aber von den früheren Vertretern des Wieder— geburtsgedankens trennt, das ist sein aristokratisches Denken. Gutzkow hatte vermöge der Annahme einiger ganz einfacher Begriffe — also noch intellektualistisch — eine Regeneration des ganzen Volkes, der allgemeinen Menschheit herbeiführen wollen; Wagner erstrebte das Gleiche auf dem Wege der Kunst und Religion — gefühlsmäßig — für dieselbe Gesamtheit. Es waren Träume liberal-demokratischer Zeiten; Wagner hat dementsprechend auch das Genie noch nicht als geistigen Tyrannen angesehen, der sich die gemeine Masse der Durch— schnittsmenschen unterjocht und unterzüchtet, sondern als höchste Verkörperung der allgemeinen Volkskräfte. Inzwischen aber hatten sich die Zeiten geändert; schon v. Stein und Ibsen dachten anders. Mit der vollen Entwicklung der Reizsamkeit war, wie einstens mit der Zeit der Empfindsamkeit, nur graduell von der Trunkenheit der tollen“ Jahre der Originalgenies des 18. Jahrhunderts verschieden, der Geniekultus eingezogen. Die Wandlung kann man am besten in der Umbildung der „problematischen Natur“ der dreißiger bis fünfziger Jahre in den modernen „Heros“ verfolgen. Problematische Naturen sind nach Dingelstedt („Unter der Erde“, 1841) Leute, die durchaus selbständig ihr Ich in den Mittelpunkt dieser Welt stellen und, unbekümmert um Sitte und Gesetz, ihr und anderer Leben nur durch ihre subjektiven Stimmungen, ihre Leiden— schaften, ihre Anschauungen bestimmen wollen. „Gelingt es ihnen, über Thatsachen und Überlieferungen den Sieg davon— zutragen, so heißen sie Genies, Eroberer, Helden. Im ent— gegengesetzten, häufigeren Fall schwankt die öffentliche Meinung zwischen den Kategorien Verbrecher, Wahnsinnige. Ihr Unter—⸗ Jang vollzieht sich sicher, und mit ihnen fallen diejenigen, die sie in ihren Zauberkreis gezogen haben.“ Man sieht: dieser Zeit ist der heutige „Held“ noch problematisch. Aber nun