Weltanschauung. 413 lebhafteste Bedürfnis überschwenglicher Verehrung empfunden. Mit dem Gedanken der Lebensfreudigkeit aber verband sich ziese Heroensehnsucht bei Nietzsche durch die Idee des starken Willens. In seinem Kampfe gegen alles, was Verzweiflung im Leben heißen könnte, bediente sich Nietzsche als wirksanmister Waffe des Glaubens an die stärkende Kraft des Schaffens und in die allbesiegende Gewalt des machtvollen Willens. Daß Schaffenslust und Willensstärke alles vermögen, das war seine innigste Überzeugung, und er hat sie im Martyrium seines Lebens als Blutzeuge besiegelt. Schaffenslust und Willensstärke aber: ist das nicht das Genie, der Held? Auf diesem Heroenkult, auf diesem Satze vom starken Schaffen baut sich Nietzsches Denken empor, wenn es aus den Niederungen des Lebens aufblickt zu den Höhen der Wieder—⸗ geburt. Und so sehr klammert es sich an diesen Kult, daß ihm ein starker Wille alles gilt, daß er ihm sogar indifferent erscheint gegenüber den Normen der bestehenden Sittlichkeit, daß er ihm ein Wille ist zum Guten wie zum Bösen, ja, gemessen an der verpesteten Sittlichkeit unserer Zeit viel mehr noch zum Bösen: daß er ihm die starke Willkür wird früherer, besserer Zeiten, da das Wollen noch nicht an die tausend schlechten Konvenienzen einer mißleiteten Kultur gebunden war, daß er ihm zum Willen zur Macht an sich wird, zum Willen der aus der gewöhnlichen Menge der Sterblichen herausstrebenden Geister, zum Willen der „blonden Bestie“. Diesen Willen wieder aufleben zu lassen in einer untrüg⸗ lichen, hohen Idealen zugewandten Bethätigung seines Strebens, das erscheint Nietzsche als das große Ziel der Zukunft. Und im dies Ziel zu begründen und begreiflich zu machen, bildet er in seiner „Genealogie der Moral“ den ganzen Inhalt und Verlauf der Geschichte dem ursprünglich vorausgesetzten Zustand der „blonden Bestie“ wie dem ersehnten Ideale des „Über⸗ menschen“ an. Zwei Geschlechter der Menschen, voneinander stark und fast durch physiologische Unterschiede getrennt, ziehen sich durch die Zeiten der Geschichte: Herren und Sklaven, Willensstarke und Willensschwache, Vorbereiter der Zukunft