t16 Weltanschauung. hält, bleibt übrig.“ Zunächst aber sind die Großen, die Stillen, die in sich Starken die Berufenen. „Wachet und horcht, ihr Einsamen! Von der Zukunft her kommen Winde mit heimlichem Flügelschlagen, und an feine Ohren ergeht gute Botschaft. Ihr Einsamen von heute, ihr Ausscheidenden, ihr sollt einst ein Volk sein: aus euch, die ihr euch selber aus— wähltet, soll ein auserwähltes Volk erwachsen: — und aus hm der Übermensch.“ Und so wäre er denn vollzogen, der Übergang von der Ethik zur Metaphysik, wie er zur Begründung einer Ethik allen Zeitaltern notwendig ist, die unter dem zwingenden Begriff einer allgemeinen Kausalität stehen. Denn wie soll in solchen Zeitaltern — Zeitaltern hoher Kultur — das praktische Problem der Willensfreiheit, das mit der Ethik immer wieder auftritt, anders seiner Lösung nahegebracht werden als dadurch, daß die für unsere praktische Einsicht bestehende Freiheit des Willens, die von der Physik geleugnet werden muß, doch immer wieder in irgend einer Weise eine metaphysische Sanktion erhält? Und war es denkbar, daß der künstlerische, ästhetische Traum einer neuen, höheren, sittlichen Welt anders endete? Schon bei Wagner ging er die engste Verbindung mit der Religion ein; in einer kirchlich und christlich indifferenten, dem Geniekult ausschweifend huldigenden Epoche, wie sie viel— leicht nicht zum geringsten durch den aristokratischen Charakter aller Kunst bedingt ward, endete ein System — richtiger eine Anzahl selbständiger, in revelatorischer Begeisterung vorgetragener Normen einer neuen Sittenlehre im Glauben. 3. RNietzsche blieb zuerst so gut wie unbekannt; unanerkannt noch ist er schwerem Geschick erlegen. Und als die junge Zeit für ihn reif war und seine Lehre einzuschlürfen begann, da erhoben noch immer die Alten den entschiedensten Einspruch. Wilbrandt kritisierte 1894 in seinem Roman „Die Osterinsel“ das Problem des „Göttermenschen“; Heyse zog 1895 in „Üüber allen Gipfeln“ gegen die entsittlichende Verwirklichung des