126 Weltanschauung. nischen Welt finden —, um so mehr wird unleugbar, daß der Mensch einen Teil bildet der Natur selber. So stirbt denn schließlich die alte anthropocentrische Be— trachtungsweise aus, die in der Natur im Grunde nur eine zum Nutzen des Menschen getroffene Einrichtung sah; und eine neue anthropocentrische Betrachtung kann nur dadurch gewonnen werden, daß die Einsicht erwacht, man erkenne die Welt nur durch Vermittlung der Seele und somit nur im Bereiche der aneignenden seelischen Triebe und Eigenschaften. Dieser neue Anthropocentrismus nicht mehr praktischen, sondern theoretischen Charakters ist bekanntlich erst eine Errungenschaft des subjekti⸗ vistischen Zeitalters, in Deutschland speziell der Kantschen Philosophie; nach den enthusiastischen Übertreibungen der Identitaͤtsphilosophie, die bis zu einer intellektualistischen In— korporation der Erscheinungswelt in die Menschenseele fort⸗ schritt, ist er heute allgemein und im wesentlichen im Sinne Kants angenommen. Kants Auffassung aber hebt in diesem subjektiven Anthropocentrismus die Erscheinungswelt keineswegs auf; denn nach ihm reichen die reinen, von den Anschauungs⸗ formen befreiten Begriffe sehr wohl dazu hin, auch das Dasein der Objekte zu erweisen: nur deren Dasein zugleich zu bestimmen sind sie nicht geeignet. Und so besteht denn auch nach der Kantschen Erkenntnistheorie der Gegensatz von Subiekt und Objekt, von Natur und Geist. Daß sich aber der metaphysische Trieb mit diesem Gegen— satze zugleich in den Verlauf der psychischen Entwicklung der europäischen Völkerfamilie gestellt sah und noch gestellt sieht, unterliegt keinem Zweifel. Denn wenn es gilt, in irgend einer Weise das Rätsel einer Verbindung der Welt als Materie (als Realgrundes) und der Welt als Bewußtsein (als Ideal⸗ grundes des Seins) zu lösen und von dem Realgrunde bei Licht besehen nichts bekannt ist, als daß er bestehe, so liegt auf der Hand, daß das Nachdenken über dies Rätsel von der jeweiligen Ausbildung des Bewußtseins abhängig ist: — Be— wußtsein aber heißt nichts als jeweilig zu klarer Vorstellung gelangte Summe psychischer Potenzen, jeweilige psychische