Weltanschauung. 127 Kapazität eines bestimmten Zeitalters. Mit der jeweiligen Qualität seelischen Bewußtseins ist also die Qualität der An— schauung über das Verhältnis von Natur und Geist gegeben. In diesem Zusammenhange hat nun die neuere Geschichte der europäischen Nationen eine Anzahl metaphysischer Ent⸗ wicklungsstufen erlebt. Das 16. Jahrhundert brachte noch, vornehmlich in Deutschland, Zeiten eines wüsten Pandynamis⸗ mus, wie er sich in der Lehre eines Paracelsus wie eines Jacob Boehme ausspricht und der Gegenwart am einfachsten, wenn auch in sehr abgeklärten Formen, aus den philosophischen Voraussetzungen des ersten Teils von Goethes „Faust“ ver⸗ ständlich wird: im Grunde ein letztes Aufflackern von Ur— anschauungen, denen die großen Naturerscheinungen als Wir⸗ kungen anthropomorphisierter, aber ins Übermenschliche, Göttliche gehobener Kräfte erschienen waren: auch hier steht hinter der Welt der Erscheinungen noch eine Welt magisch gedachter Kräfte, welche diese bewegt, und die Seele erscheint nur als Glied und Teil jener verborgenen Kraftwelt, aus deren Fülle auch alle anderen, sinnlichen, körperhaften Erscheinungen vom Wurm im Staube bis zum geheimnisvoll leuchtenden Wandelstern des Himmels ihr Wesen empfangen haben und empfangen. Diese pandynamistische Welt des 16. Jahrhunderts wich dann seit dem 17. Jahrhundert der seelischen Motivation des individualistischen Zeitalters. Jetzt wird die Seele zum Ver⸗ stand, ja schließlich bei den Identitätsphilosophen, die noch durch so viele Fäden mit dem Individualismus verbunden sind, zur Vernunft: zum Bewußtsein in seiner logischen Begrifflichkeit. Natürlich wandelt sich damit seit Cartestus und Spinoza und Leibniz das Weltbild. Die Menschheit wird intellektualistisch gelenkt, und diese Erde ist die vollkommenste aller Welten, denn sie ist nichts als Ausfluß einer höchsten, sie in sich begreifenden Vernunft. Aber das subjektivistische Zeitalter zerstörte mit seinen Anfangsregungen der Empfindsamkeit alsbald den bloß intellektua⸗ listischen Charakter des Bewußtseins. Was für krause Dinge wurden jetzt nicht in die Vorstellung gehoben; all die „unteren