Weltanschauung. 45 55 älterer philosophischer Metaphysik, verquickt mit gewissen Momenten des christlichen Fuhlens mehr als Glaubens und Denkens! So kann von einer traditionellen Methode der Geistes— wissenschaften als einer Gesamtheit kaum die Rede sein. Und ist es nicht die Voraussetzung einer festen Methode, daß wenigstens vorher feststeht, welche der einzelnen Disziplinen der Geisteswissenschaften denn eigentlich als Kerndisziplin zu bezeichnen sei? Da melden sich nun heute die ehrwürdigen Wissenschaften der Theologie und Jurisprudenz wohl nur noch schüchtern zu einer Herrscherstellung. In der That sind sie so wenig wie andere angewandte Disziplinen, die Erziehungslehre und die praktische Nationalökonomie etwa, noch zur Führung berufen. Welcher Disziplin aber gebührt die Vormacht? Der Gegenstand geisteswissenschaftlicher Untersuchung ist gegenüber der Natur der Geist. Und Geist heißt in diesem Zusammenhange nicht der seelische Charakter des Menschen in seinen fundamentalen Eigenschaften — den untersucht die Psychologie, — sondern der konkret gewordene Geist, das in der Welt ausgewirkte Seelenleben. Dies Leben aber ist das des vergesellschafteten Menschen. So wäre die Soziologie die Fundamentalwissenschaft? Gewiß: — wenn sich das soziale Leben nicht in sehr verschiedenen Stufen der Entwicklung in Raum und Zeit entfaltete. Die Soziologie bedarf also eines evolutionistischen Zusatzes, um zur Herrschaft berufen zu sein: und erhält sie ihn, so wird sie zur Geschichte: zur Geschichts— wissenschaft freilich im modernen Sinne, zu jener Geschichts— wissenschaft, deren Aufgabe es ist, die verschiedenen Ent— wicklungsstufen der sozialen Psyche in der Vergangenheit wie Gegenwart der menschlichen Gesellschaften aufzuhellen. Historische Soziologie, klare Einsicht in den Verlauf der stufenweisen Entfaltung des vergesellschafteten menschlichen Seelenlebens ist der Kern aller Geisteswissenschaft: nach diesem Ziele sind Segel und Steuer zu richten. Geschieht das aber, so tritt zugleich jene einheitliche Bewegung aller Wissenschaften auf die Erforschung der phyfischen und psychischen Kraft—