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        <title>Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung</title>
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            <forname>Karl</forname>
            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>IV. 
Doch die Darstellung gerät unwillkürlich in die Erzählung 
der neuesten Musikgeschichte. Nicht ohne Grund. Denn nach 
allem, was in dem vorigen Abschnitt ausgeführt wurde, ist es 
klar: seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts befinden wir uns 
thatsächlich in einer neuen Periode der Musik, zu welcher die 
romantische Musik und die klassische Musik, soweit diese vor⸗ 
wärts weist, ebenso Vorperioden bilden, wie die Zeiten der 
Empfindsamkeit mit folgendem Sturm und Drang und die 
Jahrzehnte der Romantik Vorperioden sind zu dem Zeitalter 
der heutigen Reizsamkeit in bildender Kunst und Dichtung. 
Umschlossen aber ist dies Paar von je drei Perioden gleich⸗ 
mäßig von dem großen, sie alle beherrschenden Moment des 
subjektivistischen Seelenlebens; oder anders ausgedrückt: das 
Zeitalter des Subjektivismus, die sogenannte „neueste Zeit“, 
die in Deutschland um 1750 einsetzt, um die „neuere Zeit“, das 
individualistische Zeitalter seit der Reformation abzulösen, zeigt 
zunächst die Entwicklungsphasen der Empfindsamkeit der 
Romantik und der Reizsamkeit (Nervosität), und diese werden 
auf musikalischem Gebiete durch die Musik der Klassiker, soweit 
sie vorwärts weist. der Romantiker und der „Neuen“ gekenn— 
zeichnet. 
Der Neuen, nicht bloß Wagners. Denn es ist ein 
Irrtum, wenn man die neue Musik, wie sie bei Wagner in 
dessen zweiter Perivde (also nach 1850) einsetzt, schlechthin als 
—D 
den thatsächlichen Verlauf der neuen Kunst wird vielmehr zeigen.</div>
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