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        <title>Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>Bildende Kunst.

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Und indem sich die Landschaft wandelt, wandelt sich weiter
das Verhältnis des Malers zu den Erscheinungen überhaupt.
Alles wird einfacher und will deutlicher sprechen; das Natur—⸗
antlitz der Erde giebt diese Sprache nicht mehr her: die
Mythologie drängt sich auf, zuerst die allgemeine, dann eine
persönliche. Es sind Umbildungen, die sich mehren, je stärker
sich der Meister den Vierzigern nähert; sie leiten seine große
Zeit ein. Zwar mit der antiken Mythologie ist Thoma ständig
auf gespanntem Fuße; seine Faune sind immer Philister
zeblieben. Und auch die nordische Mythologie, zu der ihn
zelegentlich Richard Wagner verleitet, liegt ihm nicht: er ist
kein Berserker, und Siegfried ist bei ihm ein lyrischer und kein
Heldentenor. Da geht es mit der christlichen Legende schon
viel besser und allem, was wir zur Geschichte des christlichen
Heilsweges rechnen können. Ganz aber giebt sich Thoma doch
nur in seiner höchsteigenen, selbstgeschaffenen Mythologie: und
die ist grunddeutsch im Sinne unserer Märchen. Da treten
zuerst Frauen und Kinder auf, keine Putten, sondern deutsche
Pausebacks, keine Musen oder Charitinnen, sondern deutsche
Mütter und Mädchen. Eine der ersten ganz gelungenen
Schöpfungen ist hier die „Nacht“ vom Jahre 1875: durch
den Sternenglanz eines wunderbar bewölkten Himmels tragen
weiche Wolken die Mutter Nacht mit zwei träumenden Kindlein
im Schoße. Und auch schon in den Fresken für das Ullmannsche
Haus vom Jahre 1875 tritt Thomas Märchenkinderwelt auf. Eine
der liebenswürdigsten Schöpfungen des Meisters auf diesem Ge—
biete ist dann die sogenannte Puttenwolke, ein Motiv, das er am
vollendetsten wohl 1879 verkörpert hat: die Auflösung der unseren
Kleinen so teuren weißen Schäfchenwolken des Hochsommers
in eine Schar lieblich spielender Kinder, mit verwundert
zwischendrein schauendem Himmelsblau und Blumenguirlanden
zu Füßen. Aber daneben taucht nun eine ganze mythologische
Welt auf: Meerweiber, nackte Flötenbläser an nächtlichen Ge—
wässern, idyllische Hirten an Quell und blumigem Ufer; und
kleine Wolkenkinder, die wohl gar auf den klingenden Fittichen
eines Raben einsam und allein den gewagten Flug über</div>
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