Virginia wurde allerdings zu einer königlichen Provinz ge- macht undeiner Statthalterschaft unterstellt, aber dengroßen Pflanzern gelang es immer, die Gesetze und Gebräuche durchzudrücken, die in ihrem eigenen Interesse lagen. Es gab nur zwei Klassen — einerseits die reichen Pflanzer mit ihren Ländereien, ihren Leibeigenen und Sklaven, und anderseits die armen Weißen. Eine Mittelklasse fehlte gänzlich. . Der Tabak, der Haupthandelsartikel und geradezu die Währung, hatte Kaufkraft für alles: für lebendige Menschen 50 gut wie für totes Material. Die Frage der Arbeitskräfte war befriedigend erledigt — die Familienfrage aber noch nicht. An Frauen fehlte es ungemein: die maßgebenden Stellen in London waren sofort willig und schickten im Jahre 1620 sechzig junge Frauen hinüber, die verauktioniert wur- den und zu Preisen zwischen 120 und 160 Pfund Tabak weggingen. Der Tabak wurde damals zu drei Schilling das Pfund verkauft. Sein Anbau wurde emsig weiterbetrieben. Die Benutzung des Landes hauptsächlich” zu Ackerbau- zwecken führte zur Gründung zahlreicher Niederlassungen längs der Küsten, Buchten, Flüsse und Bäche, womit Virginia übersät ist und die Zugang zu den Seehäfen boten. Im Lauf der Jahre und mit dem Anwachsen der Mittel und Arbeitskräfte der Pflanzer dehnten ihre Ländereien sich immer mehr aus, so daß Pflanzungen von 50-—60 000 Mor- gen!) nicht ungewöhnlich waren. Aber weder in Virginia noch in Maryland, unter der fast königlichen Gewalt von Lord Baltimore, der Figentumsrechte über seine ganze Pro- vinz hatte, waren so riesenhafte Ländereien zu finden, wie in den Nordkolonien (besonders in Neu-Niederland und in Neu-England) durch Schenkung übertragen wurden. Feudale Schenkungen im Norden In seinem eifrigen Bestreben, Neu-Niederland zu be- äedeln und seine Erzeugnisse auszunutzen, machte Holland durch die Generalstaaten den Förderern der Kolonisation 1) Die Übersetzung gebraucht stets abgekürzt das Wort Morgen für den \merikanischen Acre, der 4047 Quadratmeter mißt, also hoch über dem preußi- schen und ziemlich weit unter dem mecklenburgischen Morgen steht.