Sechstes Kapitel GIRARD, DER REICHSTE DER REEDER Ge wurde 1750 zu Bordeaux als ältestes der fünf Kinder des Kapitäns Pierre Girard geboren. Im Alter von acht Jahren wurde er auf einem Auge blind, und diese Verunstaltung brachte ihm schwere Nervenkrisen und machte ihn mürrisch und verschlossen. Er beklagte sich noch als alter Mann darüber, daß er, während seine Brüder aufs Gymnasium gingen, als häßliche Ente der Familie zu Hause hocken mußte und unter der Vernachlässigung durch den Vater und der Reizbarkeit seiner Stiefmutter zu leiden hatte. Als er etwa vierzehn war, erlöste er sich von dieser Misere seines Vaterhauses und ging zur See. In den neun Jahren, die er zwischen Bordeaux und Westindien herum- segelte, stieg er vom Schiffsjungen zum Maat. Unter Umgehung des französischen Gesetzes, wonach niemand Kapitän werden durfte, der nicht zwei Reisen in der königlichen Marine ausgeführt hatte und 25 Jahre alt war, bekam Girard die Führung eines Handelsschiffes schon mit 22. Dabei lud er heimlich Frachten auf eigene Rechnung und verkaufte sie mit bedeutendem Profit. Im Mai 1776 geriet er auf dem Wege von New Orleans nach einem kanadischen Hafen auf der Höhe von Kap Delaware in einen Nebel und signalisierte um Hilfe; und als der Nebel sich verzog und ein amerikanisches? Schiff ihm zu Hilfe kam, erfuhr er, daß Krieg war. Daher eilte er nach Phila- delphia, verkaufte das Schiff und die Ladung, die ihm nur zum Teil gehörte, und machte mit dem Ertrag einen kleinen Zider- und Weinladen mit Krämereiwaren auf. Girard wurde schnell reich und verheiratete sich 1777 mit Mary Lum, die als ein Dienstmädchen von großer Schönheit und äußerst heftigem Temperament geschildert wird, Das unglückliche Weib verlor später den Verstand, wozu zweifellos die Knauserigkeit und Herrschsucht ihres Ehemanns viel beitrug, Er selbst wird von einem seiner Biographen, der ihm mit am günstigsten gesinnt war,