— 127 — Das einzige Legat für öffentliche Zwecke, das er hinter- ließ, waren 400 000 Dollar zur Gründung der Astor-Biblio- thek; dafür und allein dafür bewahrt man ihm das Andenken eines Philanthropen. Man vergißt, daß die Ergebnisse der Plünderung der Indianer während eines Jahres schon ge- nügten, um dieses vielgepriesene Legat zu machen. Man feiert einen Menschen, weil er der arbeitenden Bevölkerung unermeßliche Summen entwendet hat und einen Brocken davon wieder zurückgibt; man vergißt, daß niemand große Reichtümer ansammeln kann, ohne daß so und so viele gleichzeitig verarmen. (Natürlich liegt das nicht an dem Einzelbesitzer oder an einer einzelnen Einrichtung, son- dern am ganzen System.) So war denn zur Zeit seines Todes 1/5 der Bevölkerung New Yorks gänzlich ver- armt, und !/, mußte aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Ein großer Teil davon waren Einwanderer, die, vor der heimischen Ausbeutung fliehend, in Amerika, dem „Lande der unbegrenzten Geldquellen“, in Armut gerieten. Die Arbeiter wurden eben nicht bloß als Produzenten, sondern auch als Mieter und Käufer usw. ausgebeutet. — Die oft gehörte Behauptung, vor dem Bürgerkriege habe es in den Vereinigten Staaten keine Landstreicher gegeben, ist gänzlich falsch. Sechstes Kapitel DIE FERNERE GESTALTUNG DES ASTOR-VERMÖGENS A sein Vater starb, war William B. Astor, John Jacob Astors Haupterbe, 56 Jahre alt. Er war ein großer, wuüchtiger Mann mit kleinen, zusammengekniffenen Augen ınd ziemlich leerem Blick; sein Gesicht war träge und aus- druckslos, Äußerst schweigsam und ungesellig, zeigte er niemals irgendwelche Erregung und schien gefühllos. Er gefiel sich darin, schäbig und schlechtgekleidet umherzu- gehen, als wolle er sagen, ein Mensch mit solchem Vermögen habe das Vorrecht, sich um die Konventionen der Gesell-