_. 2370 — eine Unzahl amtlicher Berichte und Untersuchungen und gerichtlicher Feststellungen liefern ein klares Bild. Er wurde als der kaltblütigste Erpresser, Bestecher und finan- zielle Pirat seiner Zeit hingestellt, und er verdiente diesen Ruf so absolut, daß er ihm bis an das Ende seiner Tage treu blieb und ihn überlebte, als ständiger Vorwurf gegen seine Nachkommen. Fast ein halbes Jahrhundert lang ist der Name Jay Gould ein Hohn- und Schimpfwort gewesen, ein Gegenstand öffentlicher Schmähungen und Feindseligkeit, die Bezeichnung für jedes gemeine und unlautere Ver- gehen, wobei die Habsucht triumphiert. Hier mag sich nun, wenn auch zum erstenmal, die Frage erheben, warum gerade Jay Gould als Objekt dieses beson- deren Hasses ausersehen wurde. Was für eine sonderbare, irrige, wankelmütige Kritik, die diesen einen Mann zum Sündenbock der kommerziellen Gesellschaft macht, während sie seinen kaufmännischen Zeitgenossen die vollste Ehrerbie- tung zubilligt! Die Lehren der Umgebung Um die Methoden und Ursachen von Goulds Laufbahn zu verstehen, muß man die Umgebung kennen, in der er auf- wuchs, ihren Geist und ihre Lehren. Er war, wie viele seines- gleichen, nur ein Produkt seiner Zeit; und nicht der Mensch, sondern die Zeiten sind von hauptsächlichem Interesse, denn sie geben den Schlüssel zum Verständnis. Was sah Jay Gould als junger Mensch? Er sah in erster Linie, .daß die Gesellschaft, so wie sie organisiert war, weder Geduld noch Mitleid mit der Armut hatte, die doch durch ihr groteskes System geschaffen war. Wohl schwatzten die höheren Klassen von dem Segen der Armut, wohl hielten sie weitschweifige Predigten über die Tugend eines nütz- lichen Lebens, das in „ehrenvoller Armut dahinfloß‘. Aber all diese Lehren waren in gewisser Beziehung leeres, sinn- loses Geschwätz; gerade die Klassen, welche sie so eifrig predigten, waren am meisten bestrebt, allen nur irgend er- reichbaren Besitz an sich zu raffen. In anderer Beziehung hatten diese Lehren eine große Wirkung, wenn sie den