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        <title>Das Nahrungswesen in England vom XII. bis XV. Jahrhundert</title>
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            <forname>Johann Jakob</forname>
            <surname>Dickenmann</surname>
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        DAS NAHRUNGSWESEN

IN ENGLAND

VOM XII. BIS XV. JAHRHUNDERT

INAUGURAL-DISSERTATION

ZIIR

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE

DER

ERSTEN SEKTION
DER HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT

DER

UNIVERSITÄT ZÜRICH

VORGELEGT

JCYM

JOHANN JAKOB DICKENMANN
AUS BRAUNAU

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HALLE 14.0.5.
DRUCK VON EHRHARDT KARRAS

1904
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        DAS NAHRUNGSWESEN

IN ENGLAND

VOM XIL BIS XV. JAHRHUNDERT

INAUGURAL-DISSERTATION

ZIIR

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE

DER

ERSTEN SEKTION
DER HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT

DER

UNIVERSITÄT ZÜRICH

VORGELEG'TL

VON

JOHANN JAKOB DICKENMANN
AUS BRAUNAU

HALLE 14.D.5.
DRUCK VON EHRHARDT KARRAS
1904
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        Genehmigt
auf antrag des herrn professor dr. Th. Vetter.
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        Inhaltsangabe.

Vorwort. . ..
Fleisch und eier...
Milch und milchprodukte
Pflanzenkost und gewürze
Geistige getränke
Litteratur

Seite
1
2
7
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Vorwort

In vorliegender arbeit habe ich mir das ziel gesetzt, ein
kulturhistorisches bild des nahrungswesens in England vom
12. bis 15. Jahrhundert, hauptsächlich nach mittelenglischen
quellen, zu entwerfen. Zum zweck, eine einigermassen abgerundete
 darstellung zu bieten, war es aber nötig, auch lateinische
 und französisch-normännische quellen herbeizuziehen.
Wenn in meiner abhandlung das 14. jahrhundert etwas
stark in den vordergrund tritt, so liegt das eben in dem
umstande, dass die quellen in jener zeit reichlicher fliessen
als in den vorhergehenden jahrhunderten. Chaucer und in
noch höherem grade Langland sind unerschöpfliche fundgruben
für die kulturgeschichte ihrer zeit.
Als wegleiter hat mir Heyne, Das Deutsche Nahrungswesen,
 Leipzig 1901, treffliche dienste geleistet. Von geringerem
 einfluss waren einige arbeiten über die kulturhistorischen
verhältnisse Englands im mittelalter, in denen auch das nahrungswesen
 berührt wird. Es sind dies: Thomas Wright, A
History of English Culture, London 1874; Krautwald, Layamon’s
 Brut verglichen mit Wace’s Roman de Brut in bezug
auf die Darstellung der Culturverhältnisse Englands, Diss.
Breslau 1887; Günther, Englisches Leben im 14. Jahrhundert,
dargestellt nach „The Vision of William Concerning Piers the
Plowman“ by William Langland. Diss. Leipzig 1889. Eine
weitere arbeit, Our English Home, Oxford and Lond. 1876,
war mir leider nicht zugänglich.

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        Fleisch und eier.
Wie im Ags., so bezeichnet auch im Me. ‘mete’ die nahrung
 im weitesten sinne, !) während ‘flesc, flesc, fgsh’ ete. die
bedeutungen von ne. ‘meat’ und ‘flesh’ in sich vereinigt, Hier
haben wir es nur mit ‘flesc’ in der bedeutung des zum essen
bestimmten muskelgewebes zu thun. Nicht eingeschlossen ist
in dieser bedeutung das fleisch der fische; ‘flesh’ und ‘fish’
werden deshalb im Me. wie übrigens auch im Ne.?) als gegensätze
 nebeneinander gestellt?) Mit der normännischen invasion
 kommen für das zum essen bestimmte fleisch neue
bezeichnungen auf, indem der normännische edelmann das auf
seine tafel gebrachte ‘oxen flesh bouf, boef’ etc., das ‘shepes
flgsh motoun, motun’ etc., das ‘swines flesh porc’ und das
'calues flesh veel’ nennt. Während der ganzen me. periode
haben wir die alten germanischen und die neuen romanischen
ausdrücke für die verschiedenen fleischsorten nebeneinander,
bis dann im Frühneuengl. endlich die ersteren durch die letzteren
 verdrängt werden.)
Das verbreitetste schlachttier sowohl der Angelsachsen 5)
als auch der Engländer des späten mittelalters ist das schwein.
Es wird im stalle oder im walde gemästet. Die eichelmast
ler schweine in den grossen wäldern Englands ist im 13. und
14. jahrh. noch etwas allgemeines; sie wird in den kloster-1)

 Bread and oder meten: Gen. and Ex. 2079. — He brohte his briddes
mete: Owl and Night. 107. — per nis mete bote frute: Land of Cokaygne 10.
— Pre dayes per-biforn i wene Et he no mete bat was wel sene: Harv. 655 f.
— mete and drynk (= speise und trank) sehr häufig, z. b. Sir Ferumbras
1278, 1280, Layamons Brut 1303, 1823, 3559, 10284, 13436; Sir Tristr. 2260,
707 ete.
?) Murray, New Engl. Diet. s. v.
®) Hi etep fisch and flesch unsode: Owl and Night. 1007. — Fiss inou
 hii founde and of fless: Rob. of Gl. Chr. 494 f. — Of fleis, of fisse and
rich met: Land of Cokaygne 55. — Fleesch other fysch: Langl. P. P. C.
IX. 334. — Nother fissh ne flessh: Langl. P. P. C. XVI. 100. — Of fless, of
äss, of tendre bred: Floriz and Blaunch. 25. — fleschs forgon ober visch:
Ancren Riwle p. 6.
*) Jüngster beleg für flesh mit vorausgehendem tiernamen nach Murray
zus dem jahre 1528: Gootis fleshe ... oxe fleshe ... be melancholye fleshes:
Murray 8. v.
5) Leo, Rect. p. 199£.
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        shroniken jener zeit häufig erwähnt.!) Doch auch in den
städten wird zur verwertung der küchenabfälle schweinezucht
und mast betrieben. Noch im 14. jahrhundert konnte man
dann und wann schweine sich auf den strassen und in den
strassengräben Londons herumtreiben sehen. . Gegen diesen
unfug, wie auch gegen das halten von schweinen in London
überhaupt, werden von zeit zu zeit verordnungen erlassen. ?)
Das schweinefleisch ist in Altengland die verbreitetste
und billigste fleischnahrung, die auch dem armen zu gebote
steht.*) Wir haben dafür im Me. die beiden ausdrücke ‘pore,
pork’ und ‘bacoun, bakun’ etc. Der erstere [fr. ‘pore’, lat,
‘porcus’] bezeichnet im Me. sowohl das schwein, als auch
schweinefleisch im allgemeinen.1) ‘Bacoun’, im 14. jahrh. aus
lem Französischen entlehnt,5) ist germanischen ursprungs [ahd.
‘bacho, bahho’, mhd. ‘bache’] und bezeichnet den schinken
sowie die an den schinken sich anschliessende speckseite.®)

1) Et quotiens averia nostra et porcos nostros ejusdem manerli ad
lietum boscum mittimus ad pascendum: Hist, et Cart. Mon. de Gl. Vol. II.
p. 138 [circa 1140]. — Vgl. ferner Charters and Doc. of Salisb. p. 449 [i. j.
288]. — Chron, Mon. de Ab. Vol. II. pp. 62, 124, 183 etc. [zwischen 1066
a. 1189].
2) Et ge nul porc soit trove par les rues ne par les venelles en la
citee, ou en suburbe ou es fosses du dite citee desore enavaunt. Et si les
porcs soient trovez es les leux avauntditz, soient tuez de gi qils soient
trovez; et ceux qi les tuent les eient fraunchement et quitement sanz nul
chalenge; ou soit le porc rechate de celuy qi le deit pour IIII deniers. Et
gi pork voedra norir, le norise deinz sa measoun: Lib. Albus p. 270. —
Item, qe nulles nurrissent porcs, boefs, ne vaches deinz lours mesons sur
peyne de forfature dicelle a la Chambre: Lib. Albus p. 335. — Si porei
inventi fuerint in Vicis aut in Forsatis, vel Suburbiis, occidentur et habeat
808 occisor; et qui eos nutrire voluerit eos nutriant in franco, extra Vicos
regios, in dominibus suis: Lib. Albus p. 590. — Siehe auch Riley, Mem. of
Lond. pp. 28 [i.j. 1292] u. 83 [i. j. 1311].
3) Die arme witwe in der erzählung des nonnenpriesters isst seynd
bacoun and somtyme an ey or tweye: Chauc., C. T. B. 4035. — As a
bondman of his bacoun his berde was bidraueled: Langl., P. P. B. V 194.
‘) Siehe Stratmann, 8. v.
5) Siehe Murray, s. v. — Nach Kluge, Etymolog. Wörterbuch der
deutschen Sprache, 6. aufl. p. 25, hingegen ist engl. bacon schon im 12. jahrh.
aus dem Französ, entlehnt.
$) Siehe Kluge, Etym. Wörterbuch der deutschen Sprache, p. 25, Bachen.
Vel. auch Heine, D. Nahrw. pp. 296.
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        Im Me. wird die gesalzene und geräucherte speckseite, selten das
frische schweinefleisch, mit ‘bacon, bacoun’ etc. bezeichnet. ‘!)
Am häufigsten wird berichtet von geräuchertem schweinefleisch,
das als nahrhafte, substanzielle nahrung des volkes in gegensatz
 gestellt wird zu leckeren gerichten wie rebhuhn-, regenpfeifer-
 und pfauenbraten.?) Die etwas verwöhnte frau von
Bath findet es allerdings nicht nach ihrem geschmack,?) und
der moralisierende Langland rügt es sehr, dass die genusszüchtigen
 arbeiter seiner zeit anstatt sich mit geräuchertem
Schweinefleisch zu begnügen, frisches fleisch und fische kaufen. ‘)
Frisches schweinefleisch hingegen ist mehr geschätzt und wird
auch bei gastmählern der vornehmen genossen.®) Geradezu
als leckerbissen aber gilt der gebratene schweinskopf, ®) sowie
das fleisch des ferkels. 7)
Sehr oft begegnen wir in me. dichtungen auch dem ochsendeisch®)
 und schaffleisch, ®) gelegentlich dem rindfleisch 1°) und
kalbfleisch. 1!) Nebst ochsen-, schweine- und schaffleisch wird

1) Siehe Murray, 8. v.
?) A great bolle-full of benen were betere in his wombe And wip be
vandes of bakun his baly for to fillen pan pertriches or plouers or pekokes
y-rosted: Peres the Ploughman’s Crede 762 ff.
®) And yet in bacon hadde I never delyt: Chauc., C. T. D. 418.
*) Laboreres that han no londe to lyuen on bote here handes ...
May no peny-ale hem paye ne a pece of bacon Bote hit be freesch fleesch
ıther fysch, fried other ybake: Langl., P. P. C. IX. 331. .
$) Brestez of barowes pat bryghte ware to shewe: Morte“Arthure 191.
®) Have I nat of @ capon but the livere And after that a rosted
pigges heed: Chauc., C. T. D. 1839.
7?) Wyb vytaylles bope gode and fyne icharged alle pay worne ...
Wip grys and gees and capouns: Sir Ferumbras 2693f. — Ich haue no
peny quath Peers, polettes for to bigge Nother goos nother erys. bate grene
zhese: Langl., P. P. C. IX. 304 ff.
8) pan fel pe chaunce pat a cherl fro chepingward com and bar bred
in bagge and fair bouf wel sode: Will. of Palerne 1848 f. — He braide to
him pe bagge and bliue it opened and fond pe bred and pe bouf: ibid.
1867f. — Motoun and beef and bakoun and othre gode vvtayle: Sir
Ferumbras 2966.
®) Rosted or sodone, holsum is motune. Boylyd with growelle foyzume,
 alle expresse Fulle Nutr[it] yffe aftyr A grete Axcesse: Lydpate,
Hors, Shep and Gosse p. 17. — Mustard is meete for brawne beef or powdred
motoun: Russ. B. of Nurture, 533. ©) Netes flesh: Hav. 781.
1) Kalues fleis: Gen. and Ex. 1013. — Bet than old boef is the tendre
reel: Chaue., C. T.E. 14920.
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        %

auf den fleischmärkten Londons im späten mittelalter auch
kuhfleisch verkauft.!) Fleisch und knorpeln des kuh- und
kalbfusses waren zur herstellung einer gallerte sehr geschätzt. ?)
Auch das fleisch der ziege wurde natürlich als nahrungsmittel
verwertet, 3) während das fleisch des zickleins zu den besten
Geischgerichten gezählt wurde.*‘) Ueber den genuss des
fleisches des pferdes, esels und maulesels im spätmittelalterlichen
 England finden wir keine andeutungen.
Der dichter des Ormulum berichtet, dass uns das schaf
nicht nur fleisch und milch, sondern auch blut gebe.®) Man
hat also auch das blut gewisser haustiere, nebst dem des
schafes sicher auch dasjenige des schweines als nahrungsmittel
verwendet. Dass man auch die eingeweide des schlachtviehs
so viel als möglich ausnutzte, versteht sich von selbst; So
erzählt uns Langland vom genuss von ‘wombe-cloutes’,°)
worunter wir nach Skeat’s Vocabular zu Langland kutteln
zu verstehen haben.
Würste, die ja auch heute noch in England nicht sehr
beliebt sind, scheint man dort im späten mittelalter nicht
yekannt zu haben; sie werden nirgends erwähnt.
Das fett gewisser schlachttiere, hauptsächlich dasjenige
les schweines, wird ausgeschmolzen und als ersatz für butter
verwendet.) Solches tierisches speisefett bildet nicht nur

!) Qe le carcois de boef, le meillour, soit vendu pur I marke; le carzois
 de vache‘ pur X soutz, le meillour; le carcois de porke pur IIMN. soutz,
je meillour; le carcois de moton pur II soutz, le meillour: Lib. Cust. p. 192.
Siehe ibid. pp. 303, 678; Lib. Albus p. 233.
?) Cow heelis and Colves fete ar dere y-bouzt some tide To medille
amonge leeches and ‚Jelies whan suger shalle svt a-side: Russ. B. of Nurture
 515 £.
3) Also pulke pat bup out of franchyse pat haldep, byggeth Get,
Shep, swyn and a-zen sellep unshlawe, shulde to pe kinge fyue pans by
be zere: Smith, Engl. Gilds p. 354 (Old Usages of Winchester).
*) Thai veel, lambe. kvd or canv: Russ. B. of Nurtnre 807 (A fest for
a franklen).
5) Forr shepess lamb uss zifepp millc and flesh and blod and wulle:
Orm. 12662 f. — And wulle uss zifebb lamh till celab and fish and blod
ll fode: Orm. 12666 £f.
$) For this doctour on the heigh dese eet many sondry metes ..,
wombe-cloutes and wylde braune: Langl., P. P. B. XII. 61.
7) Ye ne schule eten vleschs ne seim huten ine muchele secnesse:
Ancren Riwle v. 412.
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        »
}

einen handelsartikel im lande selbst, !) sondern wird auch ausgeführt,
 ?) was für den reichtum Altenglands an schlachtvieh
spricht.
Während das fleisch des schlachtviehs ein mehr oder
weniger allgemeines nahrungsmittel aller gesellschaftsklassen
ist, bleibt der genuss des fleisches der jagdtiere wie auch die
jagd auf dieselben auf die oberen stände beschränkt. Das
ags. ‘wap’, me. ‘wap, wep’, das waidwerk wird denn auch
infolge dessen analog dem “‘netes flesh, shepes flesh’ ete.3)
nach und nach durch das fr. ‘venison’ [l. ‘venationem’|, das
in erster linie auch das waidwerk, dann aber das wild bezeichnet,
 verdrängt.*‘) Nur das niedere wild, wie das kaninchen
und der hase, ist auch für den gewöhnlichen bürger erhältlich
und wird mit lämmern und zicklein auf dem geflügel- und
wildbretmarkt feilgeboten.°) Das höhere wild hingegen, hirsch,
reh, wildschwein, bär und auerochs bleibt herrenessen; doch
kommt es in form von zehnten, die fürsten und adelige von
zeit zu zeit den klöstern zusprechen, auch auf den tisch der
mönche.‘) Es findet sich infolge der strengen jagdgesetze in
den grossen wäldern des mittelalterlichen England in menge,
nicht gerade zur grossen freude des landmannes, dessen kuljuren
 darunter leiden.) In der zweiten hälfte des 12. jahrhts.

1) Off Chese, botere, Grece, and smere is in pilke selue manere in
alle poyntes as is y-seyd by-fore of pe Custome of wolle: Smith. Engl. Gilds
p. 356 (Old Usages of Winchester).
?) Si marchaunt estraunge meigne hors outre meer bure, sue, on oynt,
dorra du prymer poys III deniers obole, et de chescun autre poys obole:
Lib. Albus p. 237. — Dasselbe p. 245. — Et qe bouchier ne femme du
bouchier, ne vende seu ne oynt a homme estraunge damener es les parties
doutre meer; pur le graunte cherete et defaute qe de ceo eintz ses houres
ad estee en la cite: Lib. Albus p. 279.
3) Siehe oben p. 2.
‘) Kranes, swannes, veneysun: Havelok 1726.
5) Item, unum cuniculum meliorem, cum pelle, pro III denarlis; et,
sine pelle, pro III. denariis; et carnem meliorem lenaris nro MIT obalis:
Lib. Cust. p. 88.
$) Sarum erhält: omnes decimas predictarum forestarum de omni
venatione, excepta decima illius venationis qus® capta erit cum stabelia
[Gloss.: net for catching deer] in foresta de Windesore: Charters and Doe.
of Salisb. p. 249 (i. j. 1238). — Siehe ferner Hist. et Cart. Mon de Gl. Vol. I
pp- 262, 314, 316; Vol. II. pp. 74, 76, 127.
7) And go honte hardiliche to hares and to foxes, To bores and to
        <pb n="11" />
        yab es, wie uns William Fitz-Stephen erzählt, sogar in der
nähe von London noch wildschweine, bären und auerochsen,
auf die man jagd machte, ehe man das frühstück einnahm.‘!)
Die jagd wird vom höheren und niederen adel grösstenteils
zum sport betrieben; doch wird das wild auch in netzen
yefangen. ?)
Geflügel war in England im späten mittelalter wie auch
heute ein gericht der wohlhabenden.?) Nur bei ganz besonderen
 anlässen kann sich der weniger begüterte solches leisten.
So erhalten z. b. Havelok und Goldboru bei ihrer ankunft in
Grimsby das beste, das des fischers haus zu bieten vermag,
nämlich gänse, hühner und enten.‘) Für den armen aber ist
zeflügel ein unerschwingliches gericht;°) wenn deshalb ein
irmlich gekleideter einmal gebratene vögel verzehrt, wird es
gleich als etwas auffallendes bezeichnet.®) Dass der relative
preis des geflügels im späten mittelalter in England ein bedeutend
 höherer war als heute, lehrt uns ein blick auf die
obrigkeitlichen lebensmitteltarife jener zeit. So Kostet z. b.
ein schwan im jahre 1320 in London 36 bis 42 pence, ein
schwein nur 24 bis 40 pence, eine rohrdommel, ein fasan oder
ein reiher 12 pence, ein schaf nur 8 bis 12 pence.”) Diese
preise sind aber den geflügelhändlern Londons noch zu niedrig:
sie behaupten, wegen der hohen ankaufspreise des geflügels
heim bestehenden tarife ihr auskommen nicht finden zu

bockes [B. brockes] that brecketh a-doune menne hegges, And faite thy
'aucones to culle wylde foules For thei comen to mv croft my corn fo defoule:
 Langl., P. P. C. IX. 28 ff.
1) In hyeme, singulis fere festis, ante prandium, vel apri spumantes
pugnant pro capitibus, et verres, prominentibus accincti dentibus, addendi
zuccidie, vel pingues tauri cornupetze, seu nrsi immanes, cum obijectis depugnant
 canibus: Lib. Cust. p. 13.
?) Charters and Doc. of Salisb. p. 249, siehe oben p. 6 anmerk. 6. —
Bracton, de Leg. et Consuet. Anglie I, p. 66,
8) Horn him zede with his To pe kinges palais per was brid and ale
zuete For riche men per ete: King Horn C. 1255 ff.
‘) Ne was per spared gos ne henne Ne pe hende ne be drake ... Ne
yantede pere no god mete: Hav. 1240 ff.
5) Langl. P. P. C. IX. 304 ff, Siehe oben p. 4 anmerk. 7.
6) Baky curlews had he tre Thouze he were pore on to see: Beues of
Hamptoun, M. 1058.
7) Lib. Cust. p. 304.
        <pb n="12" />
        können.!) Darauf hin werden die preise für geflügel noch
erhöht, und reiher, fasan und rohrdommel kommen auf 14 pence
das stück. ?)
Wie im mittelalter im allgemeinen,?) so hat man auch
in England nebst den heute noch gewöhnlich gegessenen hausund
 jagdvögeln solche verzehrt und sogar hoch geschätzt, die
wir heute als ungeniessbar betrachten. Von den hausvögeln
bezieht sich das besonders auf den pfau, der bei einem vornehmen
 gastmahle selten fehlt,*) während wir unter den
damals gegessenen wilden vögeln eine ganze anzahl solcher
finden, die heute niemand mehr isst. John Russel zählt in
seinem Boke of Nurture 82 verschiedene, zu seiner zeit an der
vornehmen tafel vorgesetzte vögel auf®) und berichtet zugleich,
wie sie zu zerlegen und zu servieren seien. Aus seiner liste
ersehen wir, dass auch in Altengland nützliche singvögel ihres
fleisches wegen getötet wurden. Namentlich gebratene lerchen
galten als leckerbissen.*) Die lerchen sind es auch, die in
den für die geflügelhändler Londons aufgestellten preislisten
des 13.— 15, jahrh. unter den singvögeln am häufigsten er-')

 Et preedieti poletarli dieunt, quod poletaria est adeo cara, tam
super Upelaund quam infra civitatem; per quod, non possunt populo deservire
 in suo officio per Assisam istam et petunt gratiam a Justiciarlis,
quod Assisa, quantum ad officium suum, ponatur in statu quod possint
deservire populo: Lib. Cust. p. 306.
?) Lib. Cust. p. 306.
3) Schultz, Höf. Leben p. 284 ff.
‘) Wynliche bryddes, Pacockes and plovers in platers of golde: Morte
Arthur 181 f. — Capouns y-bake also tok he, foure in pilke hete and III
pecokkes y-bake on past and a syde of venyzoun: Sir Ferumbras 2760 £. —
Peres the Ploughman’s Crede 762 ff., siehe oben p.4 anmerk. 2.
®) Partriche, rebhuhn; stockdove, holztaube; goos, gans; teele, kriekente;
 mallard, wilder enterich; ospray, fischadler; swanne, schwan; capon,
kapaun; hen, henne; fesaunt, fasan; plouer, regenpfeifer; lapewynk, kiebitz;
wodcok, eine schnepfenart; betowre, rohrdommel; egret, eine reiherart;
snyte (snipe?) schnepfe; curlew, wilde taube; heyrounsew eine reiherart;
brewe ?; crane, kranich; pecok, pfau; stork, storch; bustarde, bussard;
shovellewre, löffelente; quayle, wachtel; sparow, sperling; lark, lerche;
litelle mertinet, kleine hausschwalbe; pygeoun, haustaube; swalow, schwalbe:
thrusche, drossel; osulle, amsel: Russ., B. of Nurture 397—440.
®) pe leuerokes pat bep cup Liztip adun to man-is mup, Idizt in stu
ful swipe wel, Pudrid wip gilofre and canel: Land of Cokaygne 107f. —
Larkes rosted: Two 15. Cent, €. Books p. 68.
        <pb n="13" />
        wähnung finden.!) Nur selten werden auch drosseln und
finken erwähnt. ?)
Von den hausvögeln wurden namentlich die gänse und
die kapaunen gemästet. Die ersteren wurden auch auf die
stoppelfelder getrieben, wo ihnen das zwischen den stoppeln
wachsende gras und unkraut zur mast diente.?) Auch rebhühner
 hielt man gefangen und mästete sie in käfigen.‘)
Von der gans wurde nicht nur das fleisch, sondern auch
das blut als nahrungsmittel benutzt.”) Ob auch die heute so
beliebte gänseleber in Altengland als leckerbissen galt, wird
nicht erwähnt; von der leber des kapaunen hingegen finden
wir eine diesbezügliche andeutung in den Canterburygeschichten.
 ®)
Dass in den grösseren städten wie London der verkauf
des geflügels unter obrigkeitlicher aufsicht stand, ist durch
die erwähnung der preistarife bereits angedeutet worden.”)
Der verkauf verdorbenen geflügels wird, wie der verkauf verdorbener
 nahrungsmittel überhaupt, strenge geahndet. 8)
Von den vögeln fällt nicht bloss das fleisch als nahrungsmittel
 in betracht; auch die eier, namentlich diejenigen der
henne und anderer hausvögel werden gegessen. Da die eier
eine geschätzte fastenspeise sind, haben die von den klöstern
abhängigen bauern an erstere den eierzehnten zu entrichten. ®)
Obwohl das ei in sprichwörtlicher redensart als von ge-1)

 XII alandas pro uno denario: Lib. Cust. p. 82. — VIII alowes pur
I dener: ibid. p. 192. — Four larks, Id.: Riley, Mem. of Lond. p. 312 (i. ].
1363). — Quatre alowes pur Id: Lib. Albus p. 466.
%) Dosse thresshes pur VId. Dosse fynches pur I d.: Lib. Albus p. 466.
— Vgl. auch Warner, Antiq. Culinarie p. 13: Take smale briddes.
%) For of thy persly yet they fare the wors That they han eten with
thy stubbel-goos: Chauc. C. T. A, 4350£. vgl. anmerk. dazu von Skeat.
‘) Ful many a fat partrich hadde he [the Frankeleyn] in mewe:
Chaue,, C. T. A. 349.
5) A doctor at the heye deys ete meny sondry metes mortrewes and
poddynges braun and blood of gos: Langl. P. P. C. XVI. 65.
%) Have I nat of a capon but the livere: Chaue., C. T. D. 1839.
7) Siehe oben p.7. *
3) Riley, Mem. of Lond. pp. 266 f., 328, 448.
®) Chron. Mon. de Ab. Vol. IL pp. 323. — Hist. et Chart. Mon, de Gl.
Vol. I. p. 250.
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        10

geringem wert oder wertlos bezeichnet wird,!) ist es doch
für arme leute ein nahrungsmittel, das sie sich nur zuweilen
gestatten dürfen, sogar wenn sie, wie die witwe in des nonnenpriesters
 erzählung der Canterburygeschichten, einen eigenen
hühnerhof haben:?) sie werden eben ihre eier an herrschaften
oder in die stadt verkaufen. Ueber die einfuhr von eiern
nach London und deren verkaufspreis in der stadt finden wir
vielfach wiederkehrende bestimmungen.?)
Wenn auch an der vornehmen tafel keine eier aufgetragen
wurden, so fanden sie doch in der vornehmen küche vielfach®
verwendung. *)
Am geschätztesten waren von jeher die eier der henne;
weniger diejenigen der ente und der gans. 5)
Dass in einem so fluss- und küstenreichen lande wie
England die nahrung des volkes zu einem nicht geringen teile
aus fischen bestritten wird, ist begreiflich. Auch die me.
dichtung berichtet vom reichtum Englands an fischen und von
deren verwertung als nahrungsmittel; so erzählt uns Robert
von Gloucester, dass, als der sagenhafte Brutus und seine
genossen in England landeten, sie so viel fische und andere
tiere fanden, dass sie bald reich wurden.) Vom fischreichtum
Englands zeugt auch der umstand, dass fische von den

1) It was not worthe an ay his dede and his manace: Langtoffts Chronicle
 (1825) p. 181. — This lond nis worp an ay: Sir Tristrem 3167.
?) Chauc., C. T. B. 4035 (siehe oben p. 3) anmerk. 3.
3) Si homme a pee porte c oefs on pluis, dorra V oefs, horsprys fraunchise:
 Lib. Albus p. 231. — Un c de oefs, par CxX, pur Vılı deners: Lib.
Cust. p. 192 (i. j. 1299). — Le cent des oefs, par Cxx. pur VI. deniers: Lib.
Cust. p. 305 (i. j. 1320). — Viginti ova pro uno denario, in civitate preedicta,
 venderentur: Lib. Cust. p. 678 (i. j. 1314).
4) Babees Book pp. 53, 60. — Lib. Cure Coc. pp. 7, 11, 13 etc. — Two
15. Cent. Cook. Books pp. 11, 12, 14, 17, etc. — Warner, Antiquitates Cul.
pp. 5, 7, 8, 9, ete.
5) The new lyde egges be better than the olde, the henne egges be
better than ani other egges, whan thei be fresshe, and specialli whan thei
be rere, fhan they make gode blode ... The ducke egges and suche like
make grose humoures: L. Andrewe, Noble Lyf£, citiert von Furnivall in
Babees Book p. 222. — Anseris ovum non bene nutrit, nec bene soluit;
Galline coctum non ex toto bene nutrit, Et leuiter soluit, non est laudabile
fixzum: Modus Cenandi 239 ff. in Babees Book II. p. 52.
6) Fiss inou hii founde and of fless so pat hii were riche inou in a
stounde: Rob. of Glouec. Chron. 494 £f.
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        11

frühesten zeiten an in urkunden häufig unter den naturalabgaben
 an klöster erwähnt werden.!) Vom fischergewerbe
aber wird in einer der volkstümlichsten me. dichtungen, im
Havelok, in einer weise gesprochen, dass wir schliessen können,
dieser beruf habe sich zu jener zeit hohen ansehens erfreut.
Zum fischlang verwendete man sowohl die angel,?) als
auch das netz.3) Der fischfang in den flüssen und teichen
steht nicht jedermann frei, sondern ist, wenigstens in gewissen
yegenden, ähnlich wie das jagdrecht, das privilegium des königs
oder eines adeligen, der dasselbe an eine drittperson oder an
eine korporation, z. b. an ein kloster, vergeben kann. So erteilen
 Wilhelm II. und Heinrich II. dem kloster Gloucester das
fischrecht im Severn*) und ein abt verleiht das gleiche recht
seinerseits wieder einem fischer und dessen nachkommen, 5)
Aber auch da, wo der fischfang frei ist, wird derselbe durch
mancherlei vorschriften über die zeit, wann gewisse fische zu
fangen seien und wann nicht®) und über die beschaffenheit
der fischnetze, geregelt. Eine reihe von netzen,?) über deren

ı) Chron. Mon. de Ab. Vol. II. p. 323. — Hist. et Cart. Mon. de Gl.
Vol. I. pp. 286. 315f.; Vol. II. pp. 74. 76. — Chron. Mon. de Melsa p. 288.
?) me. angel, angil, angil-hoc, fish-hoc,
3) Mani god fish per-inne he tok, Bope with neth and ek with hok:
Hay. 751 £.
4) Rex Willelmus junior, ex dono suo, concessit et confirmavit monachis
 Gloucestrig, ut ubicunque evenerit capi piscem sturgionem in piscarlis
 suis, sit eorum totus et integer. Dominus sex Henricus senior dedit
monachis Gloucestrie hanc libertatem, tam in Sabrina quam in aquis suis,
ut nullus in eis sine eorum licentia piscari presumat: Hist. et Cart. Mon.
de Glouc. Vol. I. p. 115. — Dasselbe p. 155.
5) Communibus amicis intervenientibus, lidem abbas et conventus
praedieto Johanni et haredibus suis concesserunt, ut decztero, cum rete
»pportuno ... possint libere piscari in locis ubi preedecessores sui antiquitus
piscari consueverunt: Hist. et Cart. Mon. de Gloue. Vol. II. p. 79.
8) Aque de Humbre, Ouse, Trent, Dun, Eyr, Derwent, Werk, ponantur
in defenso quoad salmones capiendos, @ die Nativitatis Beate Marie Virginis
 usque ad diem Sancti Martini. Et similiter, quod salminuculi non
capiantur nec destruantur, per retia vel per alia ingenia, ad stagna molendinorum,
 a medio Aprilis usque ad Nativitatem Sancti Johannis Baptistee;
et in partibus ubi hujusmodi riparie fuerint, conservatores istius Statuti,
qui, ad hoc jurati, sepius videant et requirant de transgressionibus: Lib.
Albus p. 504.
7) Coduets, petrisnets, shotnets, shofnets, pridnets, tryinkes oder treinekes,
 burrokes, kidels, stakes.
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        (2

beschaffenheit wir weiter nichts erfahren, sind, hauptsächlich
wegen zu enger maschen entweder das ganze jahr oder doch
während gewisser jahreszeiten, verboten.!) Wird jemand entdeckt,
 der mit verbotenen netzen fischt, so werden letztere
verbrannt und der besitzer mit einer geldbusse oder mit gefängnis
 bestraft. ?)
Mit dem ausgedehnten fischfang ist ein bedeutender handel
in fischen verbunden, der schon in ags. zeit bezeugt ist 3) und
im späten mittelalter eher zu- als abnimmt. Der handel ist
teils ein binnenländischer von der küste und den flüssen nach
dem innern des landes und nach den städten,‘) teils ein überseeischer.
 Namentlich nach London scheinen grosse mengen
von fischen eingeführt worden zu sein. Ihre einfuhr auf dem
wasser- und landwege, das ausladen aus den schiffen und der
verkauf derselben war bis in alle einzelheiten durch obrigkeitliche
 verordnungen geregelt.) Die heute noch berühmten

1) Ceo est a savoir, les graunt reies qe pernent smelt envers le Est
Adel Pount de Loundres, deyvent comencer &amp;amp; la Chaundelure, et deyvent
pescher desqes ä la feste Nostre Dame en Quareme, ove lour bosom; et puis
mettront hors cel bosum desqes a la feste Seint Johan. Ensement il ya un
autre manere de reye, qe lem opele codnet; ceux deyvent aler de la Chaundelure
 desqes a la feste Notre Daume en Quareme, et nient plus. Item,
il ya un autre manere de reyes grauntz, envers le West del Pount de
Loundres, qe irra tut lan, large de II pouz, et nent plus estreitz. Item
jlia un autre manere de reyes, ge hom apele peteresnet, de II pouz large,
et nent plus, estreitz; et irra tut lan, fors en la seyson qe lem prent smelt,
ete.: Lib. Cust. p. 116 f. — Siehe auch Lib. Albus pp. 385 f., 507, 513 ff.
?) Ideo consideratum est, quod preedicta quatuor retia bona possessoribus
 liberentur, et predieta quatuor retia falsa comburantur. Et sic posten,
üiversa retia falsa, in aqua Thamisie per piscenarios inventa, per considerationem
 Majoris et Aldermannorum temporibus diversis combusta fuerunt:
Lib. Albus p. 886. — Siehe auch Riley, Mem. of Lond. pp. 107, 171, 214,
219 etc.
3) Heyne, D. Nahrw. p. 255.
*) Gode paniers dede he make Ontil him and oper prinne Til hise
sones to beren fish inne, Up o londe to selle and fonge. Forbar he neyper
un ne gronge pat he ne to yede with his ware: Hav. 760 ff.
5) Statutum est etiam quod nullus mango piscium, vel piscenarli, qui
piscem revendit aliis, exeat obviam illis qui ducunt vel deferunt piscem ad
civitatem, ad forstallum inde faciendum; nec habeat aliquam societatem
cum extraneo qui ducit piscem a mari ad civitatem. Sed cum navibus
propriis piscem quarant, et extraneos ducere permittant, et vendere, cum
venerint, in navibus suis etc. Lib. Cust. p.117 ff, Siehe ferner Lib. Albus
pp- 233 ff., 374 ff.; Riley Mem. of Lond. pp. 367, 464 ete.
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        13

heringe von Yarmouth bildeten schon im 13. und 14. jahrh.
einen bekannten handelsartikel.!) Auch von Sconie in Schottland
 wurden zur gleichen zeit heringe nach London gebracht, ?)
während diejenigen von Helgoland und vom Sund in einer
marktverordnung Londons aus dem jahre4382 als minderwertig
erklärt und vom verkauf ausgeschlossen wurden.?) Von Schottland
 bezog London auch salmen, mulwels, eine art von stockfischen
 und schellfische 4) und von Nantes lampreten.®) Doch
hatte nicht nur London seine fischmärkte, sondern auch jede
andere see- wie binnenstadt. %)
Der verkauf verdorbener fische wurde mit dem pranger
bestraft; die verdorbenen fische aber wurden verbrannt und
zwar gewöhnlich zu füssen des an den pranger gestellten
fischhändlers. 7)
Um stets einen vorrat von frischen fischen zur hand zu
haben, teils wohl auch zum zweck der fischzucht, wurden
fischanlagen, fischweiher®) eingerichtet, Für klöster waren
solche fischanlagen zum bequemen bezug von fastenspeise von
besonderer wichtigkeit.®*) Auch Chaucers freisasse, der keine

1) La primer nief ge vient de Gernemue ove harang blaunke, qe deit
pleine custume, dorra cc haranges; et chescune autre nief qe viendra
apres, dorra c harrangz: Lib. Albus p. 236f. Dasselbe in lat. urkunde ibid.
p. 376. — Siehe auch Riley, Mem. of Lond. p.458 (i. j. 1382).
2?) Be it proclaimed that no herrings from Scone or from Jernemouthe
shall be taken out of the City of London for sale by retail, on pain of forfeiture
 thereof ... No one shall sell any herrings from Scone or from
Jernemouthe at a dearer rate than six for a penny: Riley, Mem. of Lond.
p- 458 Ci. j. 1382).
3) No one shall sell any herrings from Holyland or from Sounde, to
any person in the City for sale by retail, on pain of forfeiture thereof;
for such are not so profitable as the harrings from Scone: Riley, Mem. of
Lond. p. 458 Ci. j. 1382).
*) Naris de Scotia que ducit salmonem, ... salmonem et mulvellum,
‚.. salmonem et haddok: Lib. Albus p. 376.
5) Lampredam unam de Nauntes ... pro XVI denariis: Lib. Cust. p. 120.
— Siehe auch Lib. Albus p. 382.
6) Munimenta Acad. Oxon. pp. 51, 176f. — Smith, English Gilds
pp. 8358 f. (Verordnungen über den fischmarkt in Wincester), 396 f. (Verardnungen
 über den fischmarkt in Worcester).
7) Riley, Mem. of Lond. pp. 367, 464, 4711.
8) me. stewe oder wer, fish-wer, aus lat. vivaria, vivarium.
’) Ibidem possemus edificia nobis competentia ad warnesturam nostram,
tam in allece quam in cgteris piscibus, secundum quod vellemus construere,
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        [4

andere lebensaufgabe kennt als eine reiche, immer bedeckte
tafel zu halten, !) ist mit einer fischanlage versehen.?) Oft
werden auch mühlteiche, besonders solche, die zu klöstern gehörten,
 als fischweiher benutzt worden sein. 3)
Die zahl der arten der in Altengland gegessenen fische ist
sehr gross. Von den süsswasserfischen ist der aal der verbreitung
nach der wichtigste; er wird schon in ags, zeit‘) und auch
später, im 12. und 13. jahrh. häufig unter den an die klöster
zu entrichtenden naturalabgaben angeführt.) Beda erzählt
uns, dass namentlich die sumpfreiche gegend von Ely viele
aale beherbergt habe, welchem umstand der ort seinen namen
[ags. ‘Elig, Aelig’, die aalinsel] verdanke.‘) Nach dem preistari£
 des Londoner fischmarktes zu urteilen, war unter den
süsswasserfischen der hecht sehr geschätzt.”’) Das fleisch des
alten hechtes wurde schon zu Chaucers zeit dem des jungen
hechtes vorgezogen. ?)
Der verbreitetste und gemeinste unter den meerfischen
war, wie heute noch, der hering, der von Yarmouth, von der

et quoties et quando vellemus pisces et alia necessaria ad usus proprios
providere: Chron. Mon. de Melsa, p. 30. — Ante anniversarium diem Walchelini
 abbatis coquinarius debet piscari in vivario de Leuechenora: Chron.
Mon. de Ab. p. 308.
1) His table dormant in his halle alway Stood redy covered al the
longe day: Chaue. C, T. A, 354.
?) And many a breem and many a Iuce [had he, viz. the Frankeleyn]
in stewe: Chaue. C. T. A. 850.
%) Robertus etiam de Stutevylla ‚.. dedit eidem monasterio nostro
sedem unius molendini super ripam de Hullo, in territorio de Cotyngham
cum aquis que descendunt de Cotyngham in Hullum ... et unam piscariam
ibidem: Chron. Mon. de Melsa, Vol. I. p. 91 (circa 1150).
4) Leo, Rect. p. 200.
©) Chron. Mon. de Ab. Vol. II. pp. 149 f., 323. — Hist. et Cart. Mon.
de Gl. Vol. I. pp. 286, 315.
°) Elig. ... is eall mid fenne and mid watere ymbseald, and fram
genihtsumnesse la da de on dam ylcan fennum fongene beop hit naman
onfeng: Beda, ed. Smith, IV. 19. — Denique et illorum [anguillarum] et
omnis pene amnicorum piscium generis tanta est copia, ut sit advenis
miraculo, indigenis pro illorum ammiratione ludibrio: Wil, Malmesb. Gesta
Pont. Angl. p. 322 f. [De Heliensi Episcopatu].
7) Lib. Cust. p. 117€.
%) Old fish and young flesh wolde I have ful fayn. Bet is, quod he,
a pyk than a pikerel: Chaue., €. T. E. 1418 £.
        <pb n="19" />
        15

schottischen küste und von anderswo her!) in masse nach
London und andern städten gebracht und hauptsächlich als
fastenspeise verzehrt wurde.?) Nicht fastenspeise fürs arme
volk, wie der hering, sondern herrenessen waren die meerfische,
die zum laichen in die flüsse ziehen: der lachs, das neunauge
und der stör.?) Der lachs und die lachsbrut stand denn auch
anter ganz besonderem schutz der fischereigesetze.*) .
Ein verzeichnis von süsswasser- und meerfischen finden
wir in den preistarifen des Londoner fischmarktes, °) von fischen
des humber und der nordsee im Havelok.®) Einen vollständigeren
 katalog aber giebt uns Russel in‘ seinem Boke of
Nurture. Sonderbar mutet es uns an, dass in Russels buch
der schwanz des bibers die reihe der fische eröffnet.) Der
grund liegt darin, dass der biber, wie übrigens auch der
fischotter und im norden wahrscheinlich auch der seehund,
von der kirche als fastenspeise zugelassen wurde.®) Auf den
biberschwanz folgen bei Russel der braunfisch, der hering, der
weisse hering, der meersalm, der meeraal, der langfisch oder
leng, der mulwell (eine art stockfisch), der stockfisch, der
merling (eine art weissling), die makrele, der hecht, die meerlamprete,
 die scholle, der knurrhahn, der roche, der brassen,
der döbel, der barsch, die meeräsche oder rotbart, der börs,
die plötze, der weissfisch, der weissling, der cod (eine art
stockfisch), der schellfisch, die seezunge, der karpfen, der meerı)

 Siebe oben p. 13.
2) Also, euerych sellere of herynge, in pe lente, shal to pe kynge fyfe
pans, and to the baylyues a pycher wyn: Smith, Engl. Gilds p. 354 (0ld
Usages of Winchester).
3) Biforn hem cam pe beste mete pat king or cayser wolde ete; Kranes,
swannes, ueneysun, Lax, lampreys and god sturgiun: Harv. 1724 ff.
*) Siebe oben p. 11 anmerk. 6.
5) Lib. Cust. p. 117.
%) Grim was fishere swipe god And mikel coupe on the flod; Mani
god fish per-inne he tok, Bope with neth and ek with hok. He tok pe
sturgiun and pe qual, And pe turbut and lax with-al He tok pe sele and
ek pe hel ... Keling he tok and tumberel, Hering and pe makerel, pe
butte, pe schulle, pe pornebake: Hav. 749 ff. (Deutsch: stör, walfisch, steinbutt,
 lachs, seehund, aal, goldstriemen, braunfisch, hering, makarele, fiunder,
scholle, stachelroche,
7) To peson or frumenty take pe tayle of pe bevere: Russ., B. of
Nurture 547.
3) Heyne, D. Nahrw. p.238. — Furnivall, anmerk, zu Babees Book p. 153
        <pb n="20" />
        16

brassen, die forelle, der walfisch, der schwertfisch, der sonnenfisch,
 der brettfisch, der salm, der stör, der steinbutt, der
stachelroche, die hellbute, die schleie, der aal, das kleine neunauge,
 der meerstör und das süsswasserneunauge.!) Dazu kommen
noch einige fischnamen, die sich nicht sicher deuten lassen. 2)
Ferner erwähnt Russel unter den fischen die krabbe,?) den
hummer,*) den flusskrebs,5) die trompetenschnecke®) und. die
gzarnelen, °) da sie auch zu den fastenspeisen zählen. Auffallend
 ist das fehlen der austern an dieser stelle; Russel gedenkt
 ihrer aber an einer andern stelle seines buches, In einer
speisekarte für einen fasttag; er lässt sie mit schnittlauch
oder in einer fettbrühe serviert werden. 8) Im Liber Cure
Cocorum finden sich zwei rezepte für austernsuppe;®) auch in
andern kochbüchern werden die austern nicht selten erwähnt. 10)
Nebst andern muschelarten wie klammmuscheln (‘scallopes’)
und strahl- oder herzmuscheln (‘cockles’) werden sie im 13,
14. und 15. jahrh. als. einfuhrartikel Londons angeführt. !!)
Als fastenspeise scheinen austern in klöstern in menge verzehrt
 worden zu sein, so dass die mönche, des häufigen ge-Nusses
 wegen, ihrer überdrüssig wurden. 1?)

!) Salt purpose, herynge, white herynge, salt samoun, congur, lynge,
mylewelle, stokfische, merlynge, makerelle, pike, salt lamprey, playce,
gurnard, roche, breme, chevyn, base, melet, perche, rooche, darce, whitynge,
codde, haddok, soolus, carpe, breme de mere, trowt, whale, swerdfysche,
dorray, bret, samon, sturgeoun, turbut, pornebak, halybut, tenche, elis,
lampurnes, salt sturgeoun, fresche lamprey: Russ. B. of Nurture, 546—8649.
?) zele, 548 u. 579, der seehund? — torren-tille, 548, eine art seehund?,
 — grone fische? 555. — thurle polle?, 584. — hound fisch?, 584,
827. Vielleicht haifisch, vgl. ital. pescecane. Vgl. Furnivalls anmerk. zu
liesen fischnamen.
3) Crabbe, 590.
') Crevise, 602.
5) Crevis dewe douz, 618.
’) pe whelke, 624.
”) Shrympes, 646.
*) Oysturs in Ceuy, oysturs in grauey: Russ. B. of Nurture 822.
?) Lib. Cure Coc. pp: 17, 53.
*) Two 15. Cent. Cook. Books pp. 13, 23, 100. — Warner, Antiquitates
Cul. pp. 28, 47.
») Lib. Albus pp. 244 f., 275 f., 881.
®) For many a muscle and many an oistre Whan other men han ben
{ul wel at eyse, Hatl been our fode, our cloistre for to reyse: Chauc.,
C. T. D. 2100 ff.
        <pb n="21" />
        17

Milch und milchprodukte.
Die milch und milchprodukte werden im Mittelenglischen
meist nur in volkstümlichen dichtungen erwähnt; in den
höfischen versromanen suchen wir vergebens nach ihnen. Sie
sind eben die nahrung des niederen volkes, namentlich des
bauernstandes und bilden nebst dem brot seine hauptnahrung.
Das gilt vor allem von der milch selbst, die frisch oder sauer
genossen wurde, sowie von den molken, dem nebenprodukt
der käsebereitung. So erzählt uns Chaucer von einer armen
witwe, deren tisch hauptsächlich mit schwarzbrot und milch
gedeckt ist.') Langland führt die milch als eines der gemeinsten
 und gewöhnlichsten nahrungsmittel an, gut genug
für leute, die beinahe auf dem punkte sind, mit schweinen
essen zu müssen.?) Die oberen stände aber und die einwohner
der städte tranken wenig oder gar keine milch. In den lebensmittelverordnungen
 der städte des 13.—15. jahrh. finden wir
wohl bestimmungen über einfuhr und verkauf von käse und
butter; der milch aber wird nicht gedacht. Einen treffenden
beleg für die verachtung, die man in den oberen ständen für
die milch als nahrungsmittel hatte, liefert uns eine dichtung
aus dem anfange des 13. jahrh., die eule und die nachtigall.
Die nachtigall nämlich, die vertreterin der heiteren und feineren
lebensart, bezeichnet die völker, die milch und molken trinken,
als barbaren.?) Im Babees Book erscheint die milch ein
einziges mal auf der tafel und zwar mit käse, butter und
eiern als fastenspeise; wenn fische fehlen, soll man die milch
den gästen vorsetzen, die bereit sind, sie zu geniessen. ‘)
Sobald es sich aber nicht um die fastenzeit handelt, wird im
gleichen gedicht ausdrücklich betont, man solle weder käse,

') Hir bord was served most with whyt and black, Milk and broun
breed in which she fond no lak: Chaucer, C. T. B. 4083 f.
?) Suffre hem lyue, he seyde and lete hem ete with hogges Or elles
benes and bren ybaken togideres Or elles melke and mene ele, thus preyed
Pieres for hem: Langl., P. P. B. VI 181.
*) Dat lond is grislich and unfele pe men beop wilde and unisele; Hi
nabbep noper grip ne sibbe Hi ne recchep nevre hu hi libbe ... Hi drinkep
milc and hwei parto ... Ac libbep al so wilde deor: Owl and Nightingale
1008 ff,
*) Si desint pisces, buturum, lac, caseus, ova dentur convivis prandere
volentibus illa: Babees Book II. p. 40.
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        18

butter noch milch servieren.!) Im allgemeinen geniessen aber
rahm, butter und käse doch ein grösseres ansehen als die
milch, obwohl auch sie, und zwar vor allem der käse, zu den
hauptnahrungsmitteln der ärmeren bevölkerung zählen. Der
ablasskrämer und der bettelmönch, die zu Chaucers zeit die
dörfer absuchen und es nicht unter ihrer würde finden, selbst
in den ärmsten hütten geld und nahrungsmittel zu erbetteln,
erhalten an nahrungsmitteln nebst getreide meistens käse.?)
Peter der pflüger sagt, er habe kein geld, um hühner, gänse
oder ferkel zu kaufen — wie reiche leute — sondern nur
frischen käse, rahm und saure milch,%) und so stillen dann die
armen leute den hunger, der sie arg bedrängt, auf anraten
Peters mit rahm und saurer milch.*) Leve, die frau Grims
des fischers, der als solcher sich nicht durch grossen wohlstand
 auszeichnet, bewirtet Havelok, sobald sie ihn als königssohn
 erkannt hat, sogleich mit dem besten, das ihr haus zu
bieten vermag, nämlich brot und käse, butter und milch nebst
pasteten und käsekuchen. 5)
Während butter, käse und rahm ein wichtiges nahrungsmittel
 der ärmeren bevölkerung und des mittelstandes sind,
werden sie aber auch an der tafel des reichen nicht gänzlich
verschmäht; hier sind sie allerdings keine hauptnahrungsmittel,
sondern werden in geringer menge als zukost genossen; sie
bilden zusammen mit früchten den vor- und nachtisch. Namentlich
 harter käse und butter werden ihrer angeblich
öffnenden eigenschaften wegen als vor- und nachtisch, spärlich

1) Non lac nec buturum detur nec caseus illi: Babees Book IT, p. 46.
?) I wol have money, wolle, chese and whete al were it yeven of the
poorest page Or of the poorest widwe in a village, sagt der ablasskrämer:
Chauc., C. T.C. 448 f. — In every hous he (der bettelmönch) gan to poure
and prye And beggeth mele and chese or elles corn: Chauc., C. T. D. 1738.
— Yeve us a busshel whete malt or rye A goddes kechil or a trip of chese:
Chauec., C. T. D. 1746 £f.
3) Ich haue no peny, quath Peers, polettes for to bigge Nother goos
nother grys bote two grene cheses A fewe croddes and creyme: Langl.,
P. P. C. IX. 304 ff.
4) Langl. P. P. C. IX. 322.
5) Goddoth, quath Leue, y shal pe fete Bred and chese, butere and
milk, Pastees and flaunes, al with suilk Shole we sone pe wel fede:
Har. 6492 ff.
        <pb n="23" />
        19

genossen, empfohlen.) Am abend hingegen soll man sich vor
dem reichlichen genuss des rahms, der als nachtisch mit erdbeeren
 oder heidelbeeren auf die tafel kommt, hüten, da er
verstopfe.?)
Da die milch und die milchprodukte zu den wichtigsten
erzeugnissen der landwirtschaft gehören, werden sie im mittelalterlichen
 England auch besteuert; namentlich käse figuriert
fast immer unter den an die klöster zu entrichtenden zehnten; 3)
von milch- und butterzehnten hingegen hören wir nur selten. #)
Dass butter und käse, nicht aber die milch im mittelalterlichen
 England auch handelsartikel sind und in die städte
eingeführt werden, ist eben erwähnt worden.°) Das weidenreiche,
 viehzuchttreibende Wales hat im 14. jahrhundert London
und wahrscheinlich auch andere englische städte mit käse versorgt.)
 Der handel mit milchprodukten ist aber nicht nur

1) Aftur mete peeres, nottys, strawberies, wyneberies and hardchese:
Russ. B. of Nurtr. 78. — Hard chese hathe pis condieioun in his operacioun:
Furst he wille a stomake kepe in the botom open, the helthe of euery
oreature ys in his condicioun; yf he diete hym thus dayly he is a good
conclusioun . buttir is an holsom mete furst and eke last, For he wille a
stomak kepe and helpe poyson a-wey to cast, also he norishethe a man to
be laske and evy humerus to wast and with white bred he wille kepe py
mouthe in tast: Russ. B. of Nurtr. 85 ff. — Siehe ferner ibid. 95, 101 ff.,
667 f., 815; Boke of Keruing in Babees Book, p. 266.
*) Bewar at eve of crayme of cowe and also of the goote pauz it be
late, .... For pese may marre many a man changynge his astate: Russ. B.
of Nurtr. 81 ff. — Milke, crayme and cruddes and eke the Joncate yey close
a mannes stomak: ibid. 93f. — Siehe auch Boke of Keruing in Babees
Book p. 266. ;
*) Charters and Doc. of Salisbury pp. 249 (i. j. 1288), 319 (i. j. 1250).
Hist, et Cart. Mon. de Gl, Vol. I. pp. 285, 314, 315, 340 ff., 8351. Vol. II.
pp. 42, 74, 76, 127.
*) Hist. et Cart. Mon. de Gl. Vol. I. p. 250, Vol. II, p- 61.
5) Off Chese, botere, Grece and smere is in pilke selue manere in alle
poyntes as is y-seyd byfore of pe Custome of wolle. Chese, Botere, Grece
and Smere pare be kynges wyzte by-lyp, shal nyme as meche of pe halue
peyse as of be hole wyzte: Smith, Engl. Gilds p. 356 (Old Usages of Wincester).
 — Chescun homme ai porte fourmage ..., sil a-mount a III. deniers
obole, paiera obole: Lib. Albus p. 231 (De Custumis Victualium). — Siehe
\bid. pp. 232, 247. Ferner Ordinances of Cheesemongers, Riley, Mem. of
Lond. p. 405 ff.
®) Whereas strangers do come and bring to the City cheese of Wales,
called talgar [Note: Perhaps so called from Talgarth., in Brecknockshire:
        <pb n="24" />
        30

ein binnenländischer: England hat so viel butter und käse
produziert, dass es davon ans ausland abgeben konnte. !)
Schon im alten England gab es verschiedene arten von
käse, je nach der zubereitung desselben. Borde, in seinem
Regyment sagt, es gebe vier arten von käse, nämlich grünen
öder frischen, weichen, harten und Kkräuterkäse.?) Neben
diesen vier käsen, fährt Borde weiter, gebe es noch einen
andern, ‘Irweue’ genannt, der alle anderen käse übertreffe, 3)
Wie aber dieser käse zubereitet wurde und wie er beschaffen
war, erzählt uns Borde nicht. In einem lat. gedicht des
Babees Book wird auch unterschieden zwischen gesalzenem
und ungesalzenem käse und letzterer dem ersteren vorgezogen,
weil er gut zu verdauen sei und gut löse. *)
Inbezug auf die tiere, die die milch liefern, fallen ausser
der kuh namentlich das schaf und die ziege in betracht.
Heyne weist auf die verwendung der schafmilch bei den
Angelsachsen hin unter anführung einer stelle aus Ailfries
Colloquium.5) Doch auch in späterer zeit, im 12. und 13. jahrh.,
scheint in England die verwertung der schafmilch nicht una

 place which had no less than six yearly fairs]: Riley, Mem. of Lond.
p- 406.
1) Et si marchant mesne outre meer bur ... il dorra du primer peise
de bure ... I denier obole, et de chescun des autres, obole. Et pur chescun
poise de fourmage issaunt outre meer, IIII deniers: Lib. Albus p. 245. —
Siehe auch ibid. pp. 231, 237.
2?) There is IIII sortes of Chese, which is to say grene Chese, softe
2hese, harde chese or spermyse. Grene chese is not called grene by ye
reason of colour, but for ye newnes of it, for the whay is not half pressed
aut of it, and in operacion it is colde and moyste. Softe chese not to new
nor to olde, is best, for in operacion it is hote and moyste. Harde chese
is hote and drye and euyll to dygest. Spermyse is a Chese the whiche is
made with curdes and with the Iuce of herbes: A, Borde, Regyment, fol. I. 1,
von Furnivall citiert in den anmerk. zu Babees Book p. 200 f.
3) Yet besydes these IIII natures of chese there is a chese called
Irweue [rewene, ed. 1567] chese, the whiche, if it be well ordered, doth
passe all other cheses, none exesse taken: A. Borde, Regyment, fol. I. 1,
Babees Book p. 201.
*) Caseus incendit stomachum salsus veteratus Caseus insulsus bene
ligerit et bene soluit: Modus Cenandi 225 u. 229, Babees Book II, p. 50.
5) And melke hig (pa sceap) tweona on deg ... and cyse and buteran
ic do . et mulgeo eas bis in die ... et caseum et butirum facio: Aelfrics
Tespräch bei Wright-W. I. 19, Heyne, D. Nahrw. ». 186.
        <pb n="25" />
        21

bekannt zu sein.!) Auch die ziege wird in Altengland ihrer
milch wegen gehalten. Der rahm der ziegenmilch wird, wie
auch der rahm der kuhmilch, an der vornehmen tafel mit
beeren serviert. ?)
Milch, Butter und käse fanden in der mittelalterlichen
kochkunst Englands mannigfache verwendung zur zubereitung
von allerlei speisen, saucen und kuchen, von denen wir hier
nur die wichtigsten anführen wollen. Kine beliebte, oft erwähnte
 milchspeise ist das ‘frumenty’ oder ‘furmenty’, eine
art sauce, die gewöhnlich als zukost zu wildbret oder sonst
zu fleisch oder fisch genossen wird;3) es enthält verschiedene
ingredienzien; seine hauptbestandteile aber sind milch und
weizen.‘) Eine art käsekuchen waren die fladen, me. ‘flaunes’
oder ‘flawnes’, die wir nicht nur an der tafel des reichen und
in der klosterküche finden, 5) sondern die sich auch ein ärmerer
haushalt zu leisten vermag.®) Nebst käse enthielt der fladen
hauptsächlich eier und zucker.) Ein milchgericht der reichen,

1) Forr purrh pe lamb uss cumepp mille ut off pe lambes moder:
Ormulum 12664 f.
?) Bewar at eve of crayme of cowe and also of the goote: Russ. B.
of Nurture 81.
3) Fatt venesoun with frumenty hit is a gay plesewre: Russ. B. of
Nurture 383. — In pe frumenty potage honestly ye convey hit (venesoun):
Russ. B. of Nurture 391. — Frumenty with venesoun: ibid, 518. — Frumenty
with purpaysse (braunfisch, porpoise): Two 15. Cent. Cook. Books p. 17. —
Flesh fluriste of fermysone with frumentee noble: Morte Arthur 180.
*) Nym clene wete and bray it in a morter wel, that the holys gon
al of, and seyt (seeth) yt til it breste and nym yt up, and lat it kele and
nym fayre fresch broth and swete mylke of almandys or swete mylke of
kyne and temper ytal. And nym the yolkys of eyryn Boyle it a lityl and
set yt adon and messe yt forthe wyth fat venyson and fresh moten: Warner,
Ant. Cul. p. 37. — Aehnliche rezepte für frumenty siehe ihid. p. 81. Lib.
Sure Coc. p. 7.
5) Deynte flawnes, brode and flat: Rom. of the Rose 7042. — Quando
ldathones ... fiunt ad opus monachorum: Chron. Mon. de Ab. Vol. I. pn. 308.
5) Hav. 642 ff. (siehe oben p. 18 anmerk. 5).
7) For flaunes. Take new chese and grynde hit fayre, In morter with
3gges with out dysware; Put powder per to of sugur, I say, Coloure hit
with safrone ful wele pou may; Put hit in cofyns pat bene fayre, And bake
hit forthe, I pe pray: Lib. Cure Coc. p. 39. — Anstatt käse wird auch etwa
milch und butter für den fladen verwendet: siehe rezepte in Two 15. Cent.
Cook. Book pp. 51 u. 73.
        <pb n="26" />
        29

zewöhnlich als nachtisch genossen, ist ferner das ‘joncate’,
ne, ‘junket’, das aus rahm, rosenwasser und zucker bereitet
wird.') Eine art bier- oder weinmolken war das ‘posset”, ein
gericht, das man aus heisser milch und kaltem bier oder wein
bereitete, wobei die milch gerann; dass ev. noch eier, zucker
and die verschiedensten gewürze dazu kamen, versteht sich
bei der raffinierten küche des späten mittelalters von selbst. 2)

Pflanzenkost und gewürze.

Schon bei den Angelsachsen ist unter den vegetabilischen
nahrungsmitteln, wenn nicht unter den nahrungsmitteln überhaupt,
 das wichtigste das brot, was sich schon aus der bedeutungsentwickelung
 von “‘hlaford’, brothüter und ‘hleefdige’,
brotkneterin zu herr, resp. herrin, sowie von “‘hlaf-zta”, brotesser,
 zu untergebener, diener, ergiebt.?) Von nicht minderer
bedeutung ist das brot in der me. zeit. Es entbehren zu
müssen. gilt als das charakteristikum der grössten armut,5)
und eine hungersnot entsteht, wenn eine missernte an getreide
eintritt,°) Es findet sich an der tafel des reichen wie am
tische des armen, und dem gefangenen, dem nur das notdürf-1)

 Joncate, junket, orig. cream-cheese made in wicker-baskets from L.
juncus, a rush: Furnival, Index zu Babees Book p. 93. — Siehe ferner Russ.
B. of Nurture 82; 93. — Joncade: f. A certaine spoone-meat made of creame
Rosewater and Sugar: Cotgrave, von Furnival citiert als anmerk. zum
Babees Book p. 1238.
?) Milke, crayme, and cruddes and eke the Joncate bey close a mannes
stomak and so dothe pe possate: Russ. B. of Nurture 93f.; dazu citiert
Furnival als anmerk.: Posset is hot Milk poured on Ale or Sack, having
Sugar, grated Bisket, Eggs, with other ingredients boiled in it, which goes
all to a Curd. R. Halme. — Poset ale is made with hote mylke and colde
ale; it is @ temperate drynke, A, Borde, Regyment G. III; in Babees Book
p- 201.
®) Leo, Rect. p. 144.
*) I ne haue neyper bred ne sowel: Hav. 1143. — And ich ne hauede
bred ne sowel: Hav. 2905.
5) Airst aswond pat corn here zeond al pas kineriche, pat pu mihtest
(are fulle seouen nihte, pat no mihtest pu purh nene chep finde neouwer
a8 bred: Lay. Brut 31798 ff. — Bifel it so, a ful strong dere Bigan to rise
öf korn or bred, That Grim ne coupe no god red Hw he sholde his meine
fede: Hav. 824 ff,
        <pb n="27" />
        23

tigste zu seinem lebensunterhalt gegeben wird, reicht man
wenigstens brot und wasser.!) Suppe und genügend brot mit
yeringem ale, meint deshalb Peter der pflüger, sei eine
vollständig genügende nahrung, wenigstens für mönche und
nonnen. 2?)

Der gewöhnlichste me. ausdruck für brot im allgemeinen
ist ‘bread’ [ags. ‘“bread’l. Sehr beschränkte verwendung findet
lie fr. bezeichnung ‘pain’ [1 ‘panem’]. Chaucer hat das wort
nur in der zusammensetzung ‘paindemain’.?) Langland verwendet
 ‘payn’ öfters, doch nur in der allitteration.4‘) Sonst
ist das wort im Me. nur noch aus kochbüchern belegt.°) Ein
bedeutungsunterschied zwischen me. ‘bread’ und ‘pain’ lässt
sich infolge der beschränkten verwendung des letzteren wortes
nicht mit sicherheit ermitteln.
England wird in den altnordischen sagas seines reichtums
an getreide wegen hoch gepriesen und mehl und malz werden
nach Skandinavien ausgeführt.®) Von den getreidearten
rommen namentlich weizen, gerste und hafer in betracht, die
bei aufzählung von naturalabgaben in den chroniken englischer
-]äster des 11. bis 15. jahrh. selten fehlen:7) der roggen hin-1)

 As man in prisoun set and may not geten for to et but barly-breed
and watir pure: Ch., Rom. of the Rose 2755 ff. — In me prisoun pow shelt
abide ... Ne sheltow haue, til pow be ded Boute ech dai quarter of a lof
ored: Beues of Hamptoun 1416 ff.
2) For had ze potage and payn enough and penyale to drynke ze had
rizt ynough, ze religious: Langl. P. P. B. XV. 310.
3) Siehe unten p. 30.
‘) Alle that greden at thy gate for godes loue, after fode Parte with
hem of thy payn, of potage other of sowel, Lene hem som of thy loof:
Langl. P. P.C. IX. 285 ff. — Ther is payn and peny-ale as for a pytaunce
y-take: Langl. P. P. C. X. 92. — The poure and the riche y plese and payn
fynde: Langl. P. P. C. XIV. 201. — Ich fynde payn for the pope and praye
hym ich wolde: Langl, P. P.C. XVI. 217. — They shal haue payne and
potage and make hemself at ese: Langl. P. P. B. VI. 152, — Ne faille payn
ne potage and prelates did as thei shulden: Langl. P. P, B. IX. 80. — Pure
plente of payı the peuple of Sodomye: Langl. P. P. C. XVI. 232. — For had
ze potage and payı ynough and peny-ale to drynke ze had rizt ynough,
ze religious: Langl. P. P. B. XV. 310.
5) Siehe Stratmann 8. v.
3) Weinhold, Altn. Leben p. 152 £.
 Hist. et Cart. Mon. de Gl. v. 266. — Chron. Mon. de Melsa p. 236,
        <pb n="28" />
        D4

gegen wird nur gelegentlich erwähnt,!) scheint also selten
gepflanzt worden zu sein. Dass auch der getreidehandel im
späten mittelalter in England ein sehr reger war, bezeugen
die mannigfachen verordnungen, durch die er geregelt war. ?)
Das mahlen des getreides besorgt entweder jeder haushalt für
sich selbst vermittelst einer handmühle, oder aber es wird auf
genossenschaffliche oder gewerbsmässige weise vermittelst
wasser- und windmühlen betrieben. Die handmühlen scheinen
in der ags. zeit oder doch wenigstens in der frühags. zeit
überwogen zu haben;%) in der me. zeit bilden sie die ausnahme,
 werden aber doch, selbst am ausgange des mittelalters
noch, gelegentlich erwähnt. So rühmt Chaucer das goldene
zeitalter, da man weder handmühlen noch mühlen kannte. ‘*)
Aus einer verordnung aus Berwick-upon-Tweed zu schliessen,
wonach dort niemandem erlaubt war, mehr als zwei paar
mühlsteine zu besitzen, waren dort handmühlen im späten
mittelalter noch gebräuchlich.®) Die regel aber waren schon
von der normännischen eroberung an die genossenschaftlich
oder gewerbsmässig betriebenen wasser- und windmühlen. Die
letzteren sind in der minderzahl; doch wird eine windmühle
schon in einer ags. urkunde des jahres 833 erwähnt.‘) Die
wasser- und windmühlen sind in England häufig im besitz von
klöstern, die nicht nur für sich selbst, sondern auch für die
benachbarte bevölkerung mahlen und denen sie deshalb ein
beträchtliches einkommen bringen. Die klosterehroniken des
12. bis 15, jahrh. erwähnen nicht selten schenkungen von
wassermühlen, wobei gewöhnlich auch des anrechts auf das
die mühle treibende gewässer gedacht wird.) Wasser- und

') Yeve us a busshel whete, malt or reye: Chauc., C. T, D, 1746.
?) Liber Albus pp. 223, 231 ff., 247, 482, 460, 695. Riley, Mem. of
Lond. p. 317.
?) Leo, Rect. p. 202; Heyne, D. Nahrw. p. 260, anmerk. 5 u. 6.
*) Unknowen was the quern and eek the melle: Chaucer, The Former
Age 6.
5 5) No one shall have more than two pair of mill-stones: Smith, Engl.
GHilds, p. 345.
%) Heyne, D. Nahrw. p. 264.
7) Chron. Mon. de Ab. Vol. II. pp. 130, 232, 328 etc. — Chron. Mon.
de Melsa pp. 33, 99, 185 etc. — Chron. et Cart. Mon. de Gl. Vol.I. pp. 91,
{24, 343; Vol. II. p. 39, 88, 269.
        <pb n="29" />
        55

windmühlen können aber ebensogut auch in privatbesitz sein.
Im Liber Albus!) finden sich eine reihe von bestimmungen
aus der zeit Kduards I, über das müllergewerbe. Der müller
soll sowohl mit einem teil des ihm zum mahlen überbrachten
getreides, als auch mit geld bezahlt werden.!) In die ehrlichkeit
 der müller konnte man kein allzugrosses vertrauen setzen:
um zu verhindern, dass sie sich mehr als ihren anteil von dem
ihnen zum mahlen überbrachten getreide aneignen, wird verordnet,
 dass das letztere, ehe es dem müller übergeben wird,
gewogen werden soll.?’) Ein köstliches bild davon, wie ein
müller zwei seiner kunden bestiehlt, trotzdem der eine oben,
wo das getreide hineingeschüttet wird, und der andere unten,
wo das mehl herauskommt, wache halten, wie er aber schliesslich
 selbst überlistet und betrogen wird, giebt uns Chaucer in
der erzählung des verwalters in den Canterburygeschichten.
Das backen des brotes besorgt entweder jeder haushalt
für sich selbst, oder es wird als gewerbe betrieben. In der
me. zeit ist wohl das erstere bei der landbevölkerung regel;
ein vorrat an brot, der für die familie eine oder auch zwei
wochen reicht, wird auf einmal gebacken.) In den städten
hingegen, wo die arbeitsteilung in grösserem umfang durchgeführt
 ist, wird das backen schon früh zu einem öffentlichen
gewerbe erhoben und steht als solches unter obrigkeitlicher
aufsicht. Die preise für die verschiedenen arten von brot z. b.
werden von zeit zu zeit durch amtliche verordnungen festgesetzt.‘)
 Aehnlich wie in einer weinschenke entweder nur süsse
dder dann nur gewöhnliche weine verkauft werden dürfen, 5)
so darf auch ein und derselbe bäcker in der regel entweder
nur weissbrot oder nur schwarzbrot backen und verkaufen. 6)

') Enactments as to millers temp. Edward I.: Liber Albus p. 354 f.
7) Provisum est, quod omnia blada molendinandum liberentur molendinario
 per pondus, ita quod, de farina inde proviente, cum pondere respondeant
 consimili: Lib. Albus p. 355.
%) Dame, sed the goodman, the develle have thy bones! Thou nedyst
not bake nor brew in a fortnyght past onys: Ballad of a Tyrannical Husband,
 Reliquie Antique II. p. 197 [zwischen 1456—1509].
*) Lib. Albus pp. 264, 356. Mun. Acad. Oxon. p. 180 ff.
°) Lib. Albus p. 707 (siehe unten P- 60 anmerk. 1).
®) Et ge nulle pestour de blaunc payı face tourte, ne nulle [qe fet
courte] face blank payn: Lib. Albus p. 265; Item decretum est quod nullus
        <pb n="30" />
        26

Der grund dieser verordnung ist wahrscheinlich, es dem bäcker
zu verunmöglichen oder doch zu erschweren, eine schlechtere
qualität brot für eine bessere zu verkaufen oder mit dem für
weissbrot bestimmten mehl solches für schwarzbrot bestimmtes
zu vermengen. Die bäcker gingen überhaupt nicht selten
darauf aus, das brotessende publikum durch verschiedene praküken,
 oft auf recht gelungene weise, zu übervorteilen. 1) Der
gewöhnlichste betrug bestand darin, laibe von zu geringem
zewicht oder brot von schlechter qualität zu verkaufen. 2)
Etwas weniger harmlos ist die gepflogenheit der bäcker, ihr
brot mit sand zu vermischen.®) Dem ungenügenden gewicht
wird auch etwa nachgeholfen durch das hineinlegen irgend
eines schweren gegenstandes, wie z. b. eines stückes eisen, in,
den laib.‘) Ein von bäckern oft praktizierter kniff bestand
darin, laibe aus mehl von geringer qualität mit einer äusseren
schicht von teig aus bestem weissmehl zu umhüllen und dann
las ganze als weissbrot zu verkaufen. 5) Solche betrügereien
werden in leichteren fällen mit geldstrafen, in schwereren mit
pranger und gefängnis bestraft. Um eine kontrolle zu ermöglichen,
 namentlich für den fall, dass der bäcker das brot
nicht selbst verkauft, sondern es durch zwischenhändler, austräger
 oder austrägerinnen verkaufen lässt, ®) ist er verpflichtet,

pistor pindat panem album et panem equinum: Mun. Acad. Oxon. p- 695
(i.}. 1462). — Nullus turtarius faciat panem album ad vendendum nec &amp;amp;
zonverso: Lib, Cust. p. 104.
') Bakares and breowares for alle men heo gabbe; Bope heo makep
feble heore bred and heore ale: Old Engl. Miscell. p. 189.
?) Liber Albus, Appendix p. 420: Riley. Mem. of Lond. pp. 88, 71, 90,
L08, 119 ete.
3) Et quia quidam albus panis levatus de obolo ejusdem Ricardi inzentus
 fuit mixtus cum sablone, in deceptione populi; considerabatur per
Majorem et Aldermannos predictos quod predicetus Ricardus sit distractus
ısque Neugate: Lib. Albus, Appendix p. 420.
‘) Riley, Mem. of Lond. p. 498.
5) Alan de Lyndeseye, baker, was sentenced to the pillory, because he
had been convicted of baking pain demaign that was found to be of bad
dough within, and good dough without. And because such falsity redounds
much to the deception of the people who buy such bread, he was committed
to punishment: Riley, Mem. of Lond. p. 120 (i. j. 1315). — Et qe nulle [pain]
ne soit furre de bren: Lib. Albus p. 264. — Nullus panis fiat furratus, nec
de furfure factus, qui deterior sit in fractione quam extra: Ibid. p. 356.
6) Lib. Albus pp. 266, 357.
        <pb n="31" />
        97

jeden laib mit einem stempel, der seinen namen trägt, zu bezeichnen.!)
 Damit die bäcker in ihrem monopol des brotbackens
und zugleich auch das reisende publikum vor dem genuss
schlechten brotes geschützt werden, wird öfters die verordnung
erlassen, dass gastwirte das für ihre gäste und deren pferde
nötige brot nicht selbst backen dürfen, sondern dass sie es
von den bäckern beziehen sollen.?) Den zweck, die bäcker
inbezug auf reinlichkeit zu überwachen, hat offenbar die verordnung,
 dass die letzteren die diener vornehmer leute nicht
verhindern sollen, beim kneten des teiges zugegen zu sein.?)
Je nach der getreideart, aus der das mehl gemahlen war,
nach der feinheit des letzteren, nach der art des backens, nach
der form des laibes, nach allfälliger zugabe von gewürzen usw.
unterschied man verschiedene arten von brot und gebäcken.
Inbezug auf das material ist das weizenbrot am geschätztesten,
 ‘) während gerste und hafer, die höher nach dem norden
hinauf gedeihen, das mehl für das gewöhnliche hausbrot liefern;
so vergleicht die frau von Bath die keuschen jungfrauen mit
weizenbrot, die verheirateten frauen hingegen mit gerstenbrot. 5)
Peter der pflüger hat für die pilger, die vorschützen blind und
lahm zu sein, nur gerstenbrot, für diejenigen aber, die wirklich
blind und lahm sind, weizenbrot.®) Haferbrot wird seltener

1) Et ge chescun pestour eit soun seal, auxi bien en bis payn, come
en blaunk payn; issint qe mieutz soit conuz a qi le payn soit: Lib. Albus
p. 264. — Quilibet pistor habeat sigillum suum in pane suo apparens, quod
melius et apertius cognoscatur cujus sit. Et hic modus sigillandi sit tam
in bisso pane quam in albo: Ibid. p. 356. — Et le pain soit seale et vendu
en marche, solum lestablicement de la cite: Lib. Cust. p. 284 (i.J. 1321). —
And pat euerych bakere habbe hys seal y-knowe upon hys loff, pat he ne
mowe wip-segge zif he is take oper pan weel: Smith, Engl. Gilds, Old
Usages of Winchester. — Vgl. ferner: Mun. Acad. Oxon. p. 180 ff.
2) Qe nul Hostiller face nul payn, mais lachate des Pestours: Lib.
Albus p. 694. — Siehe auch Riley, Mem. of Lond. p. 323; Mun, Acad. Oxon.
pp. 615, 695; Smith, Engl. Gilds, p. 406 [Ordinances of Worcester].
3) Qe nul Pestour destourbe Servauntes des bones gentz destre sur le
pestrie de lour past: Lib. Albus p. 706.
‘) Fair flour y-maked of whete: Sir Ferumbras 3137. — Flour of whete
and spysory: Richard, Coer de Lion 6343.
5) Lat hem be breed of pured whete-seed, And lat us wvyves hoten
barly-breed: Chaue., C. T. D. 143 f.
. 6) Ac Treuthe shal teche zow his teme to dryue, Or ze shal ete barly
bred and of the broke drynke. But if he be blynde or hbroke-legxed or
        <pb n="32" />
        28

erwähnt; es steht in beziehung auf wertschätzung auf gleicher
stufe wie das gerstenbrot. !)
Doch nicht nur aus dem mehl verschiedener getreidearten
wird in Altengland brot hergestellt, sondern auch aus dem
mehl von hülsenfrüchten, namentlich von erbsen und bohnen. ?)
Das hieraus, bereitete brot ist allerdings nicht in erster linie
für menschen bestimmt, sondern für haustiere, für hunde,
namentlich aber für pferde; es ist das pferdebrot, ‘horse-bread’;
doch wird es auch von den ärmeren volksklassen nicht verschmäht,
 wenn nichts besseres zur verfügung steht, um den
hunger zu stillen.?) Ein ganz grobes, aus kleie gebackenes
brot diente als hundefutter;*) wenn aber zur kleie noch mehl
aus hülsenfrüchten hinzukam, wurde das hieraus bereitete
orot auch von menschen genossen;5) auch eine mischung von
mehl aus hülsenfrüchten mit gewöhnlichem, wahrscheinlich
Aber doch geringerem mehl, wurde zur herstellung eines sowohl
von pferden als auch von menschen genossenen brotes verwendet,
 °)

bolted with yrnes He shal ete whete bred and drynke with my-selue: Lang]l.,
P. P. B. VI. 136 ff,
') Langl., P. P. C. IX. 304 ff. (siehe oben p. 4, anmerk. 7).
?) Panis fabicius, benebred: Wr. Voc. p. 198. — And thath all Bakers
of the said Cite, and suburbis of the same, make butt II horselofys to a
peny, and of clene beanys: Smith, Engl. Gilds p. 337 [Gild of Bakers, Exeter].
— Item, qe pain des chevaux ne soit fait fors de feves et noys, saunz autre
medlure: Lib. Albus p. 705.
*) For that was bake for Bayarde was bote for many hungry: Langl.,
P.P. B. VI. 196. Vgl. auch Skeats anmerk. dazu. — Bolde beggeres and bigge
that mowe her bred biswynke With houndes bred and hors bred holde up
her hertis: Langl., P. P.B. VI. 217 f. — Honger haue mercy of hem, quath
Peers, and let me zeue hem benes And that was bake for Bayarde may be
here bote: Langl., P. P. C. IX. 177 £. — Bred for my barnes of benes and of
peses: Langl., P. P. C. IX. 307.
') Quolibet Sabbato habebit [virgultarius] de pistrino quatuordecim
panes furfureos ad usum suorum canum: Chron. Mon. de Ab. Vol. II. p. 416
‘ZW. 1066 u. 1189).
5) Lete hem ete with hogges Or elles benes and bren ybaken togideres:
Langl., P. P. B. 183f. — A lof of benes and bren i-bake for my children:
Langl., P. P. A. VII 270.
°) Bake benes in bred thei brouhten in heor lappes: Langl., P.P. A.
VII 280. — Nother beggere eete bred that benes were ynne; Langl., P. P.
O. IX. 327,
        <pb n="33" />
        E79

Vom gemeinen schwarzbrot gab es wieder verschiedene
arten. Das gewöhnlichste wird als ‘tourte’ oder ‘tourte-bread’
bezeichnet, und der bäcker solchen brotes heisst in lat. urkunden
 ‘turtarius’. Es muss sehr grob gewesen sein; denn
das dazu verwendete mehl.wurde nicht, wie das mehl der
anderen brotarten, gesiebt;!) es ist also sog. ganzes brot, das
das mehl samt der kleie enthält und heisst deshalb auch
‘panis integer’.?) Ob das ‘payn de trait’ oder ‘tret’, das auch
eine art von schwarzbrot war, sich vom ‘tourte-bread’ unterschied
 und worin der unterschied bestand, geht nicht deutlich
hervor. Im Liber Albus?) wird es einmal neben dem ‘tourtebread’
 angeführt und als ‘panis bissus’, also schwarzbrot,
kommentiert.
Eine grössere mannigfaltigkeit an brotarten finden wir
beim weissbrot und den feineren gebäcken, brotarten, die man
zum teil in verschiedenen ländern gleichzeitig unter dem
gleichen namen kennt. Das brot aus dem feinsten weizenmehl
heisst, ohne rücksicht auf die form des leibes oder die art des
backens, semmelbrot%) und die laibe dieses brotes ‘simnels’
oder ‘simenels’.*) Eine andere feine brotart ist das wastelbrot,
 5) das man mit der höfischen kultur auch in Deutschland
kennen lernte.) Es wird nicht selten mit dem semmelbrot
zusammen angeführt.) Als eine grosse extravaganz haben
wir es zu betrachten, wenn die priorin der Canterburygeschichten
 ihre hunde mit wastelbrot füttert.®) Ein ganz gewöhnliches,
 nicht etwa ursprünglich feines backwerk, wie wir
aus der heutigen bedeutung des wortes zu schliessen geneigt

?) Qe Tourt-pestour ne eyt bultel: Lib. Albus p. 705.
?) Lib. Albus Vol. II. p. 411.
*) Simnel bread: Prompt. Parv. 456. — Vgl. auch Heyne, D. Nahrw.
. 266,
’ *) For hom he brouhte fele sipe Wastels, simenels with pe horn:
Harv. 778. £.
5) Altfranz. ‘wastel, gastel’, nfr. ‘gäteau’, mhd. ‘“gastel’.
% Heyne, D. Nahrw. p. 275. Schultze, Höf. Leben p. 290.
’) Hav. 778f. (siehe oben anmerk. 4). — Cum autem rex Scotise [Wüillielmus]
 ad curiam regis Anglig [Ricardi] pervenerit ... habebit quotidie 12
wastellos dominicos, 12 simnellos dominicos: Chron. Mon. de Melsa pP. 275
(i. }. 1194).
®) Of smale houndes had she, that she fedde With rosted flesh, or
milk and wastel-breed: Chauc., C..T. A. 146 £.
        <pb n="34" />
        30

wären, war der kuchen,!) der aus irgend einem mehl, gewöhnlich
 ohne jede zuthat, gebacken wurde.?) Langland erwähnt
 haferkuchen und ungesäuerte kuchen als nahrungsmittel
für arme leute.®) Dass sich die ‘cakes’ in der me. zeit mehr
durch ihre quantität als durch ihre qualität auszeichneten,
geht aus des verwalters erzählung in den Canterburygeschichten
hervor, wo der müller seine frau einen halben scheffel mehl
zu einem ‘cake’ nehmen heisst.*‘) Ebenfalls nicht ein feinzebäck,
 sondern ein für konsum auf schiffen bestimmtes, lange
haltbares brot waren ursprünglich die bisquit.®) Das aus dem
Französischen stammende lehnwort wird auch etwa übersetzt
ınd das schiffsbrot als das zweimal gebackene brot bezeichnet.‘)
Klösterlichen ursprungs ist wohl das ‘payndemayn’,?) so genannt,
 weil auf jedem laib das bild des heilandes®) oder auch
nur ein kreuz ®) eingezeichnet war. Ein beliebtes gebäck zu
Chaucers und Langlands zeiten war die waffel.!°) Mit waffeln
macht man die menschen fröhlich !!) und die ganze einwohner-1)

 Me, ‘cake’, dimin. ‘kechel’. — Vgl. auch Heyne, D. Nahrw. p. 278 f.
?) Chauc., C. T. C. 321 f.: heer at this ale-stake I wol both drinke and
eten of a cake. Siehe Skeats anmerk. zu dieser stelle. — Hire cake bearneö
o pe stan: Hali Maidenhad p. 37. — A goddes kechil or a trip of chese:
Chauec., ©. T. D. 1747. Siehe anmerk. hierzu v. Skeat. — Acc allre first
macc pu to me paeroffe an litell kechell: Orm. 8661 f. — Thei eten Calues
Äesshe and cakebrede: Langl., P. P. B. XVI. 229.
8) A cake of otes: Langl., P. P. C. IX. 306: an hauer cake: B. VI. 284;
a therf cake: VII. 269.
*) He (der müller) half a busshel of hir flour hath take And bad his
wyf go knede it in a cake: Ch., C. T. A. 4093 f. — Right at the entree of
the dore bihinde thou shalt a cake of half a busshel finde That was ymaked
 of thyn owne mele: Chauec., C.T., A. 4243 ff.
5) Armour pei had plente and god besquite to mete: R. Brunne (Chron.
1810) 171. — Bysqwyte, biscoctus: Promp. Parv. 48.
®) Bread tuies y-bake huermide he astorep his sship: Dan. Michel,
Ayenbite of Inwyt p. 112.
7) Sir Thopas was a doghty swayn, Whyt was his face as payndemayn ;
Ih., C.T. B. 1914 f. — Panis dominicus qui dieitur demeine: Lib. Albus p. 353.
8) Siehe Skeat, anmerk. zu Ch., C. T, B. 1915.
9) Vgl. T. Wright, Hist. of English Culture (1874) p. 104. Heyne,
D. Nahrw., fig. 51, p. 272.
1) Me. ‘wafer’. — Ueber deren zubereitung siehe Skeat, Notes to the
Cant. Tales, p. 104,
1) Mynstralcie can ich nat muche bote make men murye As a waffrer
with waffres: Langl., P. P.C. XVI. 198 £.
        <pb n="35" />
        31

schaft Londons ist trübe gestimmt, wenn sie fehlen.!) Von
ihrer allgemeinen verbreitung zeugt auch der umstand, dass
von ‘“wafer’ ein nomen agentis, ‘wallrer’, der waffelbäcker,
yebildet wird.?) Andere feine brotarten, die zum teil auch
nur lokale bedeutung gehabt haben mögen, waren das ‘pouf’
oder ‘puff-bread’, auch französisches brot genannt,%) das
‘clerematyn’,*) das ‘manchet-bread’°) und das ‘coket’.®) Das
letztere war wohl ursprünglich die bezeichnung des laibes,
der mit einem stempel versehen war;’) denn ein ‘coket’ oder
‘cocket’ war eine art von stempel.®)
Von den gewürzten gebäcken tritt früh schon das Ingwerbrot,
 ‘ginger-bread’, auf®); schon aus der im späten mittelalter
herrschenden vorliebe für starkgewürzte speisen und getränke
können wir schliessen, dass es nicht selten gegessen wurde;
es wird denn auch als einfuhrartikel Londons angeführt. 10)
Der schon erwähnte fladen!!) war im späten mittelalter
in England nicht ein gebäck, sondern ein in der pfanne bereitetes
 gericht, !?) obwohl das wort ursprünglich ein flaches
backwerk bezeichnet. !?)
Auf die form des gebäcks bezieht sich auch das in diesem
sinne nur einmal belegte ‘horn’. 14)

1) Alle London I leue liketh wel my wafres And lowren whan thei
Jakken hem: Langl., P. P. B. XIII. 264 £.
?) Siehe oben p. 30 anmerk. 11.
?) Panis Franceis qui dicitur pouf quod sit de eodem bultello quo
wastellus: Lib. Albus. p. 353. -— Babee’s Book pp. 148, 165. 271, 272.
') Langl., P. P. C. IX. 328.
5) Liber Cure Cocorum, p. 58.
5) Langl., P. P. C. IX. 328.
7) Siehe oben p. 27.
3) Vgl. Riley, im Lib. Cust. p. 793.
7) Murray, New Engl. Diet. 8. v.
0) Karke de gingebred: Lib, Albus. p. 224. — La karke de gingebraz
(wahrscheinlich für gingebred): Lib. Albus p. 230.
11) Me. ‘flawn, faun’, latinisiert ‘flatho’. — Quando flathones fiunt ad
opus monachorum: Chron. Mon. de Abingd. Vol. II. p. 308.
12?) Siehe oben p. 21.
13) deynte flawnes, brode and flat: Rom. of the Rose 7042. Vgl. Heyne,
D. Nahrw. p. 274.
1) For hom he broughte fele sipe Wastels, simenels with pe horn:
Hav. 778f. — Vgl. Schweizermundart gipfel, halbmondförmige semmel
Schweiz. Idiotikon II, 390. — Vgl. auch fr. ‘cornet”.
        <pb n="36" />
        &amp;gt;

Um das brot schmackhafter zu machen und dem laib zugleich
 eine glänzende farbe zu geben, hat man den letzeren
mit butter oder öl begossen.!) Auch das in England heute
noch so beliebte verfahren, das brot durch rösten am feuer
schmackhafter zu machen und es als ‘toast’?) zu verzehren,
kennt man schon in Altengland.?)
Noch zu ausgang des mittelalters kennt man in England
das ungesäuerte oder derbe brot‘) und verwendet es nicht
etwa nur zu rituellen zwecken, sondern geniesst es auch als
Jackwerk. 5)
Einen wesentlichen bestandteil der volksnahrung Englands
bilden bereits in ags. zeit®) und nicht weniger nach der normännischen
 eroberung die hülsenfrüchte, namentlich erbsen
und bohnen. Sie sind eines der billigsten nahrungsmittel,
billiger als brot, und wenn es dem armen an letzterem gebricht,
 so stillt er seinen hunger mit einem topf gekochter
arbsen oder bohnen.?) Grim, der fischer, nachdem er seine
fische verkauft hat, kauft aus dem erlös die für sein haus
notwendigsten nahrungsmittel, nämlich brot, bohnen und
korn.®) Dass aus bohnen- und erbsenmehl pferdebrot gemacht
wurde, das der armen bevölkerung als ersatz für gewöhnliches
brot diente, ist bereits erwähnt worden.®) Hülsenfrüchte

1) Bulltedd bred pat bakenn wass inn ofne and smeredd wel wipp
2lessew and makedd fatt and nesshe: Ormulum 992 ff. — Laf patt iss wipp
3lessew All smeredd wel and nesshedd: Orm., 1470 f.
%) 1. ‘torreo, tostum’.
*) And som wold have a saltyd tost Ffor they myght ete neyther sode
ne rost: Rel. Ant. I. p. 3 [15. jahrh.].
*) Ags. ‘peorf bread; me. ‘peorf, perf, peorfling bread. — Vgl, Heyne,
D. Nahrw. p. 268 £.
5) And operr stund tatt lac wass bred All peorf wipputenn berrme:
Orm. 996f. — Forr perrflinng bred iss clene bred Forr patt itt iss unnjerrmed:
 Orm. 1590f. — A therf cake: Langl., P.P. A. VII. 269.
6) Leo, Rect. p. 199.
') Hunger was nouzt so hardy on hem for to loke For a potful of
peses that Peres hadde ymaked: Langl., P.P. B. VI. 187f. — And many a
beggere for benes buxome was to swynke And eche a pore man wel apayed
to haue pesen for his huyre: Langl., P.P. B. VI. 197f. — Thanne pore
folke for fere fedde Hunger zerne With grene poret and pesen: Langl.,
P.P. B. VI 299£.
8) Hav. 769.
7) Siehe oben p. 28.
        <pb n="37" />
        38

wurden auch in klöstern, für die sie namentlich als fastenspeise
 in betracht kamen, häufig gegessen;!) sie gehören deshalb
 mit zum klosterzehnten.?) Bohnen, namentlich aber
arbsen zusammen mit speck waren ein gut bürgerliches gericht,
dessen sich auch die tafel eines freisassen nicht zu schämen
brauchte.?) Ein moralist aus dem ende des 14. jahrh. hingegen
rügt es, dass emporkömmlinge seiner zeit ein so einfaches,
aber nahrhaftes gericht verschmähen.‘) Erbsen zusammen
mit verschiedenen gemüsen und fleischsorten®) oder auch mit
fisch‘) waren beliebt für suppen.
Man hat aber nicht nur die ausgereiften und gedörrten
bohnen und erbsen als nahrungsmittel verwendet, sondern
genoss sie auch unreif zusammen mit den hülsen als gemüse ”)
oder verwendete auch die jungen, grünen samen zu Suppe. %)
Von der linse, die in den ländern diesseits der alpen
später als die erbse und die bohne heimisch wurde,®) wird
aus dem England des späten mittelalters wenig berichtet.
Wie die einzelnen gattungen der hülsenfrüchte im allgemeinen
schon in den ältesten und auch in jüngeren epochen sprachlich
nicht scharf getrennt werden, !°) so wird desgleichen im Angelsächsischen
 der name der erbse zugleich auch für die linse
verwendet. !!) Im Me. haben wir für die linse zwei bezeichnungen:
 ‘lente’, das sowohl fortsetzung eines ags. ‘lente’ 1?)

1) Coquinarius habet unaquaque hebdomada unam ambram fabarum vel
pisarum: Chron. Mon. de Ab. Vol. II. p. 808 (zwischen 1066 und 1189).
?) Hist. et Cart. Mon. de Gl. Vol. I. p. 366 (zw. 1205 u. 1224). —
Charters and Doc. of Salisb. p. 318 (i. j. 1250).
3) A fest for a franklen, Russ. B. of Nurture 797: bakon serued with
peson. — Vgl. ferner ibid. 392, 518. Warner, Ant. Cul. pp. 4, 53.
*) Siehe oben p. 4 anmerk. 2.
5) Russ. B. of Nurture 517 ff. — Warner, Ant. Cul. p. 15.
®) Peson with pe purpose ar good potage, as v sunnose: Russ., B. of
Nurture 720.
7) Alle the poure puple tho peescoddes fetten; Benes and baken apples
thei brouhte in here lappes: Langl., P, P. C, IX. 317 £.
3) Grene pesen to potage. Take yonge grene pesen: Warner, Ant.
Oul. p. 52.
®*) Heyne, D. Nahrw. p. 65.
») Hehn, Kulturpfl. u. Hausthiere, p. 65.
1) Jenticula, piose: Wright-Wülker, I. 30, 7. — lentis, pysan: ibid. I
434, 14. — Heyne, D. Nahrw. p. 65, anmerk. 16.
12) Jentis, legumen, Ep. Glossen 13, e, f.
        <pb n="38" />
        34

als auch lehnwort aus dem Französischen sein kann, und
das aus dem Französischen entlehnte, heute noch fortlebende
‘lentil’.!)
Der reis ist als eingeführtes produkt im mittelalter in
England, wie auch in Deutschland?) seines hohen preises wegen
keine volksnahrung, wird aber in der vornehmen küche vielfach
 verwendet. 3)
Langland führt einmal den kohl*) als gemeine nahrung
des volkes an;5) sonst geben uns die me. dichtungen nur spärlichen
 aufschluss über grüne gemüse. Kohl, wie auch andere
gemüse wurden mit fleischbrühe gekocht und in form von
suppe gegessen. So finden wir in kochbüchern rezepte für
kohl-,°) weissrüben-,7) pastinak-,®) schwarzwurz-,?) fenchel- 1°)
und gurkensuppe. !!)
Als salat wurde hauptsächlich die kresse verwendet, die,
weil wild wachsend und daher für jedermann leicht erhältlich,
in sprichwörtlicher redensart als wertlos bezeichnet wird. !?)
Mit kresse stillt der arme seinen hunger, wenn es ihm an
brot gebricht.!?) Als salat dienten aber auch eine menge
anderer kräuter; so finden wir in einem der ältesten englischen
kochbücher ein rezept für salat, zu welchem petersilie, salbei,

1) Siehe Stratmann, Ss. v.
? Heyne, D. Nahrw. p. 324.
3) Russ., B. of Nurture 827, 828. — Warner, Ant. Cul. pp. 5, 6, 46. —
Liber Cure Coc. pp. 13, 16, 19, 25. — Two 15. Cent. Cook. Books pp. 22,
113, 114.
*) Me. ‘col, colplant, colwort’, ags. ‘cawl, cawel’ aus lat. ‘caulis’; erst
spätme. wird aus dem Franz. ‘caboche, cabbage’, aus lat. ‘caputium’ entlehnt.
 — Vgl. ahd. ‘chapuz’, mhd. ‘chabez’, Heyne, D. Nahrw. p. 68.
5) Bot I haue porettes and percyl and mony colplontes: Langl., P. P.
A. VIL 278.
®) Caboches in botage: Warner, Ant. Cul. p. 4.
7) Rapes in potage: ibid.
®) In the wise make of pasturnakes: ibid. p. 5.
®) In the wise make of.skyrwates: ibid.
10) Fenkel in suppes: ibid. p. 16.
u) Gourdes in potage: ibid. p. 5.
122) Of paramours ne sette he nat a kers: Chauc., C.T. A, 3756. —
Wysdom and wit now is nat worth a carse: Langl., P. P. C. XII 14. — Für
weitere beispiele s. Mätzner, Alte. Spr. IT, 1, p. 412.
1) Poure folke for fere tho fedde Hunger zerne With creym and with
croddes, with carses and other herbes. By that yt neihed heruest and newe
corn com to chepyng: Langl., P. P. C. IX. 321 £.
        <pb n="39" />
        35

knoblauch, dreierlei zwiebeln, lauch, boretsch, münze, fenchel,
kresse, rosmarin und portulak genommen wird, wozu dann
noch öl, essig und salz kommen. !)
Eine zwischenstellung zwischen gemüsen und gewürzen
nehmen die verschiedenen zwiebel- und laucharten ein. Langland
 nennt unter den nahrungsmitteln des armen mannes, für
den fleisch und geflügel unerschwinglich sind, vier arten von
zwiebeln.?) Lauch und vielleicht auch zwiebeln wurden wahrscheinlich
 auch als fastenspeise gegessen; wenigstens wurde
ersterer hauptsächlich während der fastenzeit nach London
eingeführt.*) Für den grossen verbrauch von zwiebeln und
Jauch in Altengland zeugt der umstand, dass man ihren bedarf
zum teil aus Frankreich decken musste.) Auf diese fremde
herkunft werden auch Langlands vier französische zwiebelnamen
 5) zurückzuführen sein.
Der knoblauch fand hauptsächlich für die sauce des gänsebratens
 verwendung.‘) Den gebratenen gänsen vom Schlaraffen-Jand
 wird nachgerühmt, dass sie auch den knoblauch gleich
mit sich bringen.?) Sonst aber kaufte man ihn vom knoblauch-1)

 Salat: Warner, Ant. Cul. p. 16. Take parsel, sawge, garlec, chibollas
(young onions) oynons, leek, borage, myntes, porrectes (French, porrette),
fenel, and ton tressis (cresses), rew (?), rosemarye, purslarye (purslain); lave,
and waische hem clene; pike hem, pluk hem small with thyn honde, and
myng hem wel with rawe oile. Lay on vinegar and salt, and serve it forth.
?) Ich haue no peny, quath Peers, polettes for to bigge, Nother g00s
nother grys, bote grene chese ... Ac ich haue porett-plontes, perselye and
scalones, Chiboles and chiruylles: Langl., P. P. C. IX. 304 ff.
3) Chescune charecte qe meisne porrez en Quaresme, paiera obole et
un fesselette de porrez: Lib. Albus p. 233.
*) Ceo est a savoir qe il (les marchauntz de Amyas, de Corbie et de
Neele, et lour successours) puyssent carker et descarker et herberger lour
weydes, ayl, et oynouns, dedenz la citee de Loundres, saunz male occasioun,
et les vendent en la citee de Loundres; Lib. Cust. p. 64. — Dasselbe findet
sich im Lib. Albus p. 418.
5) porettes: Langl., P.P.C.IX.310; B. VI.299. — porett-plontes A. VII.
273. — scalones (zwiebeln von Askalon, vgl. mhd. asclouh, nhd. aschlauch)
C. IX. 310. — chiboles lat. cepula, C. IX. 311. — chiruylles C. IX. 811.
%) Diuerce Sawces, Roost beef and goos with garlek, vinegre, or pepur,
in conclusioun: Russ. B. of Nurture 536. — Vgl. ferner Gaunsell for gese:
Warner, Ant. Cul. p. 65. — Gawncel for pe gose: L.C.C. p. 29.
7) pe gees irostid on pe spitte Fleez to pat abbai, god hit wot And
gredip gees al hot, al hot. Hi bringep garlek gret plente, pe best idizt
bat man mai se: Land of Cok. 102 £.
        <pb n="40" />
        36

händler, Einen solchen erwähnt Langland unter der bunt
zusammengewürfelten gesellschaft, die am Freitag, anstatt zu
fasten, sich im bierhaus einfindet. !)
Ebenfalls als würze für geflügel, hauptsächlich zum stopfen
desselben, sowie für viele andere gerichte, diente die petersilie.?)
 Langland zählt sie mit den zwiebeln zur nahrung
des armen. ?)
Von anderen einheimischen pflanzen fanden als würz- und
reizmittel verwendung: die salbei,*) der senf,5) der fenchel,®)
der boretsch,’) das benediktenkraut,®) der kümmel,°) der
anis,'°) die ochsenzunge,!!) das mauerkraut,'?) der liebstöckel, 3)
die melde, !4) der koriander, '°) die saturei,!°) ferner die blüten
des holunders, !?) des veilchens, 18) und der betonie.1®) Zum

1) Godefray the garlek-mongere: Langl., P. P. C. VII 3738.
?) Chaue., C.T. A. 4350 f., siehe oben p. 9 anmerk. 3. — Vgl. ferner:
Capoun or gos farced. Take percely: Two 15. Cent. Cook. Books p. 41:
Chick farsed. And pen pike faire parcelly and parboile hit: ibid. p. 81.
?) Langl., P.P. C. IX. 304 ff., siehe p. 35 oben anmerk. 2.
*) sauge, sawge, sage. Siehe Warner, Ant. Cul. pp. 9, 29; Lib. Cure
Coc. pp. 11, 18, 22, 28 u. 5.; Two 15. Cent. Cook. Books pp. 6, 8, 10, 17 u. 5.
5) mustard. Siehe Russ., B. of Nurture 382, 538, 686, 835: Lib. Cure
Doc. p. 27.
8) A ferthyngworth of fenel-seed [fynkelsede 0] for fastyngdayes:
Langl., P. P. B. V. 313. — Fenchel: Warner, Ant. Cul. pp. 5, 16.
7) borage: Warner, Ant. Cul. p. 5. — Two 15 Cent. Cook Books pp.
5, 8, 92.
8) auance: Warner, Ant. Cul. p.5.
®) cumin: King Alisaunder 6797. — comyn (als einfuhrartikel): Lib.
Alb. p. 224.
©) aneys: Warner, Ant. Cul. p. 19; Two 15. Cent. Books pp. 32, 53. —
anys: ibid. pp. 8, 10, 28.
1) lang-de-bef: Warner, Ant. Cul. p. 5; longebeff: Two 15. Cent, Cook.
Books p. 5; lange de beof: Lib. Cure Coc. p. 26.
1) peletre: Lib. Cure Coc. p. 27.
1) lovache: Lib. Cure Coc. p. 18.
4) orage: Warner, Ant. Cul. p.5; Two 15. Cent. Cook. Books p. 5.
1%) colyandre: Warner, Ant. Cul. p. 12.
16) sawray: Warner, Ant. Cul. p. 5; sanereye: Two 15. Cent. Cook.
Books p. 18.
17) blomes of elren: Warner, Ant. Cul. p. 30.
1) violet: Warner, Ant. Cul. p. 5; vyolet, Two 15. Cent. Cook, Books
pp- 5, 29; vyolette, ibid. pp. 23, 29.
ı) betayı: Two 15. Cent. Cook. Books p. 69.
        <pb n="41" />
        37

versüssen aber diente der honig!) und schon frühe auch der
zucker. ?)
Beliebter noch als die einheimischen waren die südländischen,
 eingeführten gewürze: der zimmet, 5) der pfeffer, *) die
muskatnuss,*) die kubebe,°) der ingwer,’) das süssholz,®) der
zitwer,*) die würznelke!°) und der Ysop.!!) Dazu kommen
noch der safran !?) und das seltener erwähnte santalholz, !3)
die sowohl ihrer färbenden als auch würzenden eigenschaften
wegen geschätzt waren.
Mit dem verkauf all dieser gewürze befassten sich die
pfefferhändler. !t) Fast eine jede speise der vornehmen küche
enthielt nicht nur eines, sondern mehrere derselben. Die kunst,
stark gewürzte saucen zu bereiten, gehörte zu den haupterfordernissen
 eines koches.!5) Ueber das mass des würzens
erhalten wir einen ungefähren begriff, wenn wir lesen, dass,
als Wilhelm, könig von Schottland, im jahre 1194 Richard I.
einen besuch abstattete, er als gast täglich zwei pfund pieffer

1) Hony: Two 15. Cent. Books. pp. 6, 12, 29; Warner, Ant. Oul. p. 9.
2?) sugar, sugre, etc.: Warner, Ant. Cul. pp. 7, 8, 9 u. 6. Two 15. Cent.
Cook. Books pp. 7, 8, 9 u. 6.
3) Wir haben zwei arten: a) cinamone, sinamon, etc., zimmet in form
von pulver; siehe Russ. B. of Nurture 542 f., 636, 842, 847; b) canel, canelle,
etc. diminut. aus fr. canne (lat, canna), zimmet in stangen- oder röhrchenform;
 siehe Russ., B. of Nurture 142, 135; Lib. Cure Coc. p. 26.
4) pepir: Two 15. Cent. Cook. Books pp. 10, 15, 55; piper, ibid. p. 109.
5) notemuge, nutemygge etc.: Two 15. Cent. Cook. Books p. 109.
8) quibibes, quybibes ete.: Two 15. Cent. Cook, Books pp. 6, 13, 15 u. 6.
7) gyngiuer, gingere ete.: Two 15. Cent. Cook, Books pp. 10, 11, 17 u. 8.
8) licorice, 1ykoris etc. Siehe Chauc., €. T. A. 3207, 3691, C. T. B. 1951.
%) cetewale, sedewale etc. Siehe Chauc., C. T. A. 3207 und Skeats
anmerk. dazu.
w%) clowes, clowe-gilofre, gelofre etc.: Two 15. Cent. Cook. Books pp.
19, 15, 21 u. &amp;amp;.
11) isope, ysope ete.; Two 15. Cent. Cook. Books pp. 27, 74.
12) safran, saffron etc.: Warner, Ant, Cul. pp. 6, 9, 10 u. 6. Liber Cure
Coc. pp. 7, 8, 9 u. 5.
1) sandere, saundere etc.: Warner, Ant. Cul. pp. 7, 15. Two 15. Cent.
Cook. Books pp. 8, 12, 13 u. Ö.
14) Siehe Ordinance of the Pepperers of Soperlane: Riley, Mem. of Lond.
p-121£. G. 3. 1316).
1») Woo was his cook, but-if his sauce were Poynaunt and sharp, and
redy al his gere: Chauc., C. T. A. 351 f.
        <pb n="42" />
        38

und vier pfund zimmet erhielt.!) Ob der schottische könig
und sein gefolge die ganzen sechs pfund auch selbst verzehrt
haben, sagt uns unsere urkunde allerdings nicht.
Doch nicht nur die speisen, auch die getränke wurden
gewürzt und versüsst.?) Ferner wurden gewisse gewürze, wie
zimmet, ingwer und süssholz, als leckereien gegessen.?) Ihres
hohen preises wegen eigneten sie sich auch zu geschenken. 1
Der dichter des schlaraffenlandes, der das üppige leben
seiner zeitgenossen im allgemeinen, namentlich aber der mönche,
mit derbem spotte überschüttet, zieht auch den allzu reichlichen
zenuss von gewürzen in den bereich seiner satire, ‘)
Obwohl wir schon in einer ags. glosse von einem speiseschwamm
 lesen,®) so sind doch die schwämme oder pilze in
England wie auch in Deutschland ’) während des ganzen mittelalters
 von ganz untergeordneter bedeutung; nur gelegentlich
begegnen wir ihnen auch in kochbüchern, 8)
Unter den einheimischen obstarten Altenglands nimmt der
apfel die erste stelle ein. Apfelbäume finden sich in ganz
England; in gewissen teilen im süden und westen des landes
gedeihen sie aber besonders gut. So hebt schon Wilhelm von
Malmesbury den reichtum der gegend von Gloucester an kultivierten
 und wildwachsenden apfelbäumen rühmend hervor. 9%
Der dichter des Wilhelm von Palermo spricht zwar vom
apfel etwas verächtlich als von einer frucht, nach der die

') Chron. Mon, de Melsa, p. 275.
?) Siehe unten, p. 46f. und p. 57 £.
;) Siehe unten, p. 58, dazu anmerk. 3.
*) And pan cnihtes he gon dele mucel canele and gingiuere and licoriz
he hom lefliche zef; alle heo nomen pat lac: Layamon, Brut: 17742 ff.
5) In pe praer is a tre Swipe likful for‘to se. be rote is gingeuir
and galingale, pe siouns bep al sedwale, Trie maces bep pe fure, pe rind,
canel of swet odur, pe frute, gilofre of gode smakke, Of eneubes per nis
n0 lakke: Land of Cokaygne 71 ff.
%) fungus, vel tuber, metteswam, Wright-W. I. 135, 38; Heyne, D.
Nahrw. p. 332, anmerk. 64.
7) Heyne, D. Nahrw. p. 331.
®) Funges. Take funges and pare hame clene: Warner, Ant. Cul. p. 5.
®) Cernas tramites publicos vestitos pomiferis arboıibus, non insitiva
manus industria sed ipsius humi natura: Will. Malmesh, Gesta Pont. Angl.
nv. 291.
        <pb n="43" />
        39

kinder verlangen;!) Langland erwähnt ihn aber geradezu als
eine volksnahrung.!) Er figuriert auch unter den von den
klöstern bezogenen naturalabgaben.?) Die mönche ihrerseits
gaben einen teil der äpfel wieder den armen,*) wussten sie
aber auch für ihren eigenen gebrauch zu schätzen. 5)
Im Liber Albus lesen wir, dass nebst äpfeln auch birnen
in London eingeführt wurden.®) Aus dem umstand, dass sie
von pferden getragen werden, dürfen wir schliessen, dass es
sich um einheimische birnen handelt; dass man jedoch auch
birnen entweder direkt aus Frankreich einführte, oder aber
französische birnbäume in England kultivierte und einheimisch
machte, wird wahrscheinlich gemacht durch aus dem Französischen
 entlehnte namen von birnenarten. °)
Häufige erwähnung findet in der me. dichtung die kirsche,
Langland führt sie als volksnahrung an. 8) Darauf, dass die
kirsche im mittelalterlichen England eine frucht nicht nur der
reichen, sondern des volkes war, deutet auch der umstand,
dass zur zeit der kirschenernte kirschmessen oder kirschmärkte
abgehalten wurden, die ihrer kurzen dauer und des dabei
üblichen mutwilligen und tollen lebens wegen als bild der
vergänglichkeit irdischer freuden sprichwörtlich wurden.*) In
Peterborough heisst noch jetzt ein im Juli abgehaltener jahrmarkt
 ‘Cherry-fair”. 10)

1) Appeles and alle pinges bat childern after wilnen: Will. of Palerne
 59.
#) Benes and baken apples thei [the poure puple] brouhte in here
lappes: Langl., P:P.C. IX. 318.
3) Hist. et Cart. Mon. de Gl. Vol. I. pp. 285 £
4) Ad mandatum pauperum inveniet [virgultarius] pomorum fructum :
Chron. Mon. de Ab. Vol. IL p. 416.
5) Ante completorium hostibus dabit poma virgultarius, post completorium
 refectorarius: Chron. Mon. de Ab. Vol. II. p. 410. — Quoties poma
distribuuntur in refectorio, pomarius dabit triginta poma: ibid. p. 402.
6) Chival qi porte pommes ou peires ou autre manere de fruyt, paiera
obole pur le chival: Lib. Albus, p. 236.
7) Calewes: Rom. of the Rose 7043; vgl. anmerk. dazu von Skeat. —
Pere-Jonettes: Langl., P. P. C. XIII 221; vgl. Skeats anmerk.
8) Langl., P. P. A. VII 281. — Tbid, C. IX. 311.
?) For al is bot a chirie faire: Gower, Cons. Amantis, Prol. 454. —
This lyf, my sone, is but a chirie faire: Hoccleve, Reg. of Princes 1289. —
Für weitere beispiele siehe Mätzner, Alte. Sprachpr. II, 1, p. 564. — Vgl. auch
Langl., P.P.B. V. 161: For she had a childe in chirityme.
1) Wright, Engl. Dialect Diet. 8. y.
        <pb n="44" />
        LO

Auch die pflaume gedieh in Altengland.!) Nebst der
kleinen, runden damaszener pflaume?) werden noch andere
spielarten dieser frucht gepflegt worden sein. Vom pfirsich
hingegen hören wir in England erst vom 15. ®) und von der
aprikose erst vom 16. jahrhundert an. 4)
Die quitten gehörten von jeher zu den vornehmen obstarten;
 sie wurden gebacken 5) oder in form von sirup ®) oder
konserve 7) vorgesetzt.
Nüsse wurden im 13., 14. und 15. jahrh. zu wagen und
zu Schiffe nach London gebracht.*) Die zu wagen auf dem
landwege eingeführten nüsse werden einheimisches produkt
gewesen sein, während die zu schiff eingeführten vom ausland
gekommenen sein mögen.
Die johannisbeere und die stachelbeere wurden in England
 wahrscheinlich erst im 16, jahrh. angeflanzt.*) Hingegen
wurden schon früh die wildwachsenden beeren und früchte
des waldes und der hecken als Nahrungsmittel . verwertet.
Erdbeeren und heidelbeeren wurden an der vornehmen tafel
aufgetragen; !) für den gewöhnlichen bürger aber waren sie,
mit rahm genossen, ein festessen, 11) Flüchtlinge und verbannte,
 die der gewöhnlichen nahrung entbehren, fristen ihr
leben mit hagenbutten, brombeeren, schlehen, pflaumenschlehen,
haselnüssen, den beeren des weissdorns und anderen früchten,

7) Piries and plomtrees were puffed to the erthe: Lang., P. P. B. V.
16. — Hit lasteth nat longe that is 1ycour swete, As pees-coddes and pere-Jonettes,
 plomes and chiries: ibid. C. XIII. 220 £.
?) Damsons: Russ. B. of Nurture 77.
°) Nach Skeat, Etym. Diet. zum erstenmal erwähnt circa 1440 im
Prompt. Parvul. p. 395 als peche, peshe.
‘) Vgl. Murray, New Engl. Diet. s. apricot.
5) Quynces bake: Russ. B. of Nurture 708.
%) Quynces in syrupe: Wynkyn de Worde, The Boke of Keruynge, in
Babees Book p. 282. — Quinces and peris Ciryppe: Russ, B. of Nurture 826.
7) Chare de guynces: Russ, B. of Nurture 75.
®) La charecte qe meisne notz ... paiera IT deniers: Lib. Albus p. 282.
— De chescune [nief] qe porte noisz, III deniers: ibid. p. 246.
%) Vgl. Murray, New Engl. Diet. s, currant und gooseberry.
») Bewar at eve .,. of Strawberies and hurtilberyes ... but ziff he
haue aftur hard chese: Russ., B. of Nurture 81 ff.
2) Rawe crayme undecocted, eaten with strawberyes or hurttes, is a
rurall mannes banket: A. Borde, Regyment fol. I. 2; von Furnivall citiert
in Babees Book 2. 201.
        <pb n="45" />
        41

die der wald ihnen bietet.') Kinige dieser wildwachsenden
früchte, wie die hagenbutte und die pflaumenschlehe, wurden
auch in der vornehmen küche zu ehren gezogen. ?)
Zur herrentafel und in die vornehme küche gehörten die
eingeführten südfrüchte: die kastanien,%) die weinbeeren,*) die
feigen, °) die datteln,®) die mandeln’) und die maulbeeren.®)

Geistige getränke.
Der met, der unter den geistigen getränken der germanischen
 stämme einst die erste stelle inne hatte,®) hat in
England schon früh an bedeutung eingebüsst. Im Beowulf
noch wird er, namentlich in zusammensetzungen, vielfach angeführt,
 !°) während ihn Leo in den seinen Rectitudines zu
grunde gelegten urkunden nicht mehr erwähnt findet.!!) Doch
muss er im 11. und 12. jahrh. in klöstern noch häufig getrunken
 worden sein, wie aus berichten über honigabgabe an

ı) We schul liue bi oure loue lelli atte best; and purzth pe grace of
god get us sumwat elles, bolaces and blake-beries pat on breres growen,
so pat for hunger i hope harm schul we neuer; hawes, hepus and hakernes
and pe hasel-notes and ober frut to pe fulle pat in forest growen: Will.
of Palerne 1807 ff. — Other mete thai ne habben, Bot hawen, hepen, slon
and rabben: King Alis. 4982 f.
?) Take heppes and make hem clene: Warner, Ant. Cul. p. 17. -- Take
bolas and scald hem with wyne: ibid. p. 19. — Take fayre Bolasse, wasshe
hem clene: Two 15. Cent. Cook. Books p. 24. — Take Bolas and sebe hem
a lytil: ibid. p. 25.
3) Chestaine: Lib. Albus p. 224 (als einfuhrartikel erwähnt).
%) raisins, raysins etc.: Two 15. Cent. Cook. Books pp. 13, 14, 15 u. ö.
— raysons of corannte: Warner. Ant. Cul. p. 6. — raysons of corance:
ibid. p. 6.
5) figs, fygges, etc.: Russ. B. of Nurture 74; Lib. Cure Coc. p. 43:
Two 15. Cent. Cook. Books pp. 15, 16, 24 u. $.
6) dates, datis, datys: T’wo 15. Cent. Cook. Books pp. 12, 15, 16, 19 u. 6.
Russ. B. of Nurture 74.
7) Allemaundis, almondes etc.; Warner, Ant. Cul. pp. 5, 7, 8 u. ö. —
Two 15. Cent. Cook. Books pp. 6, 7, 9 u. 6. — Russ. B. of Nurture 74.
8) Tak mulbery and bray hem in a morter: Warner, Ant. Cul. p. 42.
% Heyne, D. Nahrw. p. 334.
10) medo-ärn, medu-benc, medu-dream, medu-ful, medo-heal, medu-scenc
etc. Heyne, Gloss. z. Beow.
11) Leo, Rect. v. 201.
        <pb n="46" />
        42

klöster indirekt, !) sowie aus beschreibungen des klosterlebens
direkt hervorgeht.?) Layamon aber führt den met in den
30000 versen seines Brut nur zweimal an,%) während er von
bier, und namentlich von wein, öfters zu berichten weiss, *)
wohl ein beweis, dass der met schon im anfang des 13. jahrh.
in England, ausgenommen in klöstern, so ziemlich ausser gebrauch
 war. In den versromanen des 14. und 15. jahrh., die
uns doch die tafelfreuden mit behäbiger breite schildern, wird
er nicht erwähnt; auch Langland, der uns ja sonst ein ziemlich
 vollständiges kulturbild seiner zeit, auch inbezug auf essen
und trinken, entwirft, spricht nie vom met. Chaucer allerdings,
 sein zeitgenosse, erwähnt ihn mehrmals. 5) Doch ist
nur die eine stelle, wo von Absolon, dem parish-clerk, die rede
ist, der sich die neigung der frau des zimmermanns mit met
und anderen süssen getränken zu gewinnen sucht, wirklich
beweiskräftig für den metgenuss zu Chaucers zeit, indem die
ganze situation aus dem zeitgenössischen leben des dichters
herausgegriffen ist. Im Babee’s Book endlich, unserer quelle
für speisen und getränke des 15. jahrh., begegnen wir dem
met ein einziges mal: er wird beim mahle eines freisassen
vorgesetzt. %)
Wenn der gebrauch des mets bei den bewohnern des
alten England mehr und mehr zurücktritt, so behält hingegen
das malzgetränk seinen alten rang bei. Vielleicht würden
wir aber besser sagen die malzgetränke: denn sehon in der

') Hist. et Cart. Mon, de Gl. Vol. I. p. 285, 314 ff., 351; Vol. II. p. 127.
— Chart. Doc. of Salisb. p. 249.
2) Chron. Mon. de Ab. Vol. II. p. 172 (i. j. 1185): Ad ministerium cellarli
addidit XX sectaria mellis ad conficiendum hydromellum. — Ibid. Vol. II.
p.- 239 (zwischen 1154 und 1189): Quando servicus cellarii faciet medonem
monachorum. — Vgl. ibid. Vol. II. pp. 258, 279, 371, 399 £.
®) muchel he dronk mede and win: Brut 6928 — nas bar nober mep ne
most: Brut 8723.
*) Krautwald, Layamon’s Brut, Diss, Breslau 1887, pp. 14 ff.
®) The hornes fulle of meth, as was the gyse (es handelt sich um ein
opfer an Venus): Ch., C. T. A. 2279 — Hir mouth was swete as bragot or the
meeth: Ch., C. T. A. 3261. — They fette him first the swete wyn And mede
eek in a maselyn (Sir Thopas): Ch., C. T, B. 2041 £. — He sente hir piment,
meeth and spyced ale, And wafres pyping hote out of the glede (nämlich
Absolon der frau des zimmermanns): Ch., C. T. A. 3378 {£.
6) Russ. B. of Nurt. v. 817.
        <pb n="47" />
        43

ags. zeit haben wir für das aus körnerfrüchten bereitete
geistige getränk zwei bezeichnungen, ‘ealu, ealo, ealoö [me.
ale]’ und ‘beor [me. beor, beer, ber, bere etc.]. Nach Leo 1)
und Heyne?) bezeichnet das erstere das ungehopfte, das letztere
 das mit hopfen oder andern bittern kräutern gewürzte
malzgetränk. Es scheint aber, dass ein solcher bedeutungsunterschied
 im Englischen, obwohl im allgemeinen anzunehmen,
doch nie reinlich durchgeführt worden sei. Von hopfenbau in
England finden wir bis zum 15. jahrh., keine spur; das wort
hopfe selbst findet sich im Englischen zum ersten mal c. 1400.?)
Die pflanze war also im mittelalterlichen England, wenn auch
vielleicht vereinzelt, so doch jedenfalls nicht allgemein angebaut,
 und die malzgetränke, ‘ale’ sowohl als auch ‘beor”,
infolgedessen in der regel ungehopft. Dass aber trotzdem oft
zwischen ‘ale’ und “‘beor’ unterschieden wurde, wobei wohl
‘ale’ das ungewürzte, ‘beor’ das mit bitterkräutern gewürzte
malzgetränk bezeichnete, ist durch eine anzahl von stellen,
sowohl aus dem Ags., als auch aus dem Me. bezeugt.‘) Im
King Horn hingegen heisst einmal augenscheinlich ein und
dasselbe getränk zuerst ‘ale’, dann ‘beor’.5) Zwei wörterbücher
 aus dem 15. resp. 16. jahrh, bezeichnen wohl ‘bere’ als
das gehopfte getränk;®) aber auch ‘ale’ wird zur gleichen zeit
für das gehopfte getränk gebraucht. ”)
Worin der unterschied zwischen ‘ale’ und ‘bere’ bestanden
habe, da, wo überhaupt ein unterschied gemacht wurde, ob
in der respektiven stärke der beiden getränke, wie noch

1) Leo, Rect. p. 200.
?) Heyne, D. Nahrw. 314 £.
%) Hoppe, sede for beyre, humulus: Prompt. Parv. 245, 2; Murray, 8. v7.
s) Johannes se Fulluhtere ne dranc nador ne win ne b6or ne ealu:
Hom. of Aelfric, ed. Thorpe, II, 38, 7. — Wype thy mouth when thou shalt
drink Ale, Beare or any Win: Russ. B. of Nurtr. 257 f, — Wyne to them fyll,
Els ale or beare: Babees Book p. 343, v. 392.
5) Rymenhild Ros of benche Wyn for to schenche, After mete in sale,
Bope wyn and ale. On horn he bar an honde, So laze was in londe.
Kniztes and squier Alle dronken of pe ber: K. Horn, C, 1105 ff.
%) bere, a drynke, hummuli potus aut cerevisia hummulina: Prompt.
Parv. p. 31 (circa 1440); bere, potus luminatus: Manipulus Vocabulorum
p. 84 (circa 1570).
;) When I was a brewer longe, With hoopes I made my ale stronge;
Chester Plays, Shakesp. Soc. II. 82, citiert aus Murray, New Engl. Diet,
        <pb n="48" />
        14.

heute, !) oder in der verschiedenen zubereitung oder wohl in
beiden zugleich, lässt sich also, wie wir sehen, nicht so leicht
entscheiden. Es ist anzunehmen, dass die bedeutung der
wörter auch lokal auseinanderging, wie mundartlich heute
noch,?) so dass man z. b. in der einen gegend mit ‘beor’ bezeichnete,
 was in einer anderen gegend ‘ealu’ hiess.
Dass die bezeichnung des malzgetränks als ‘beor’ den
Angelsachsen eine sehr geläufige war,?) beweisen die vielen
zusammensetzungen, die das wort eingegangen ist.?) Auffallend
aber ist, dass ‘beor’ im Me. fast ganz ausser gebrauch kam;
wir finden es nur in poesie und auch da nur selten; Langland
und Chaucer gebrauchen es gar nicht;‘) sie kennen nur das
‘ale’. In den me. urkunden tritt das malzgetränk ausschliesslich
 als ‘ale’ auf, in lat. als ‘cerevisia’, in norm.-franz. als
‘cereveise’.
Nach dieser auseinandersetzung über das gegenseitige
verhältnis der bedeutung und häufigkeit der beiden für das
malzgetränk gebräuchlichen ausdrücke kommen wir zu unserem
eigentlichen thema: das malzgetränk im englischen haushalt
des späten mittelalters. Es war schon zu dieser zeit das beliebteste
 und allgemeinste getränk des englischen volkes.
Namentlich in volkstümlichen dichtungen wird es viel häufiger
erwähnt als irgend ein anderes getränk, und über dessen zubereitung
 und verkauf bestehen zahlreiche amtliche verordnungen.

Obschon es seiner billigkeit halber hauptsächlich das getränk
 des mittelstandes und der ärmeren bevölkerung ist, wird
es von den reichen nicht verschmäht.°) Bei den in den
höfischen versromanen des 14. und 15. jahrh. besungenen tafelfreuden
 fehlt es selten neben dem weine, obwohl es an wert-*)

 Ale, a liquor brewed from malt and distinguished from ordinary
beer by its strength: Wright, Engl. Dial. Diet. s. v. — Vgl. hingegen Murray,
New Engl. Diet. I. 759: Beer, formerly distinguished from ale by being
hopped; but now the generic name of malt liquor, including ale and porter,
though sometimes restrieted and used in contradistinction to ale.
?) Wright, Engl. Dial. Diet., s. ale.
3) Bosw.-Toller p. 85.
') Murray, I. 759.
5) Horn him zede with his To pe kinges palais. Der was brid and
ale suete, For riche men per ete: K. Horn C. 1255 ff. (Andere lesarten: per
was pe brudale suete, L; per was brydale swete, 0.)
        <pb n="49" />
        45

schätzung hinter dem letztern zurücksteht.!) Auch die mönche
sprechen dem malzgetränk fleissig zu.?) Der sänger des
Havelok, ehe er mit seiner erzählung beginnt, will mit einem
becher guten ales gestärkt sein.®) Chaucers studenten in des
verwalters erzählung, *) der freisasse,°) der ablasskrämer,®) die
frau des zimmermanns in der erzählung des müllers,?) der
koch, 8) der wirt selbstverständlich, °) sie alle trinken ale, und
der müller kann sich vor allzu reichlichem alegenuss sogar
kaum mehr auf seinem gaule halten.!°) Diese leute alle
werden wir zum mittelstande rechnen müssen; aber auch für
„arbeiter und das niedere volk“ wurde ale gebraut, wie wir
aus Langlands Peter dem Pflüger erfahren;’!) und damit die
armen nicht zu kurz kommen, werden sie bei festlichen anlässen
 der zünfte auf kosten der letzteren mit ale, nebst brot
und fleisch oder fisch, bewirtet. 1?)
Dass man den genuss des ales nicht als blossen luxus,
sondern als bedürfnis zum lebensunterhalt empfand, geht aus
vielfach wiederkehrenden verordnungen der zünfte hervor,
wonach den armen „die es am nötigsten haben“, ale verabfolgt

ı) Siehe unten p. 54.
2) Ad misericordias, ad prandium, post prandium, post completorium,
zerevisia copiose per cellararium propinabitur: Chron. Mon, de Ab. IL, 397.
®) At the biginning of ure tale Fill me a cuppe of ful god ale:
Har. 183 £.

*) This miller in-to toun his doghter sende For ale and breed, and
rosted hem a goos: Ch., C. T. A. 4136 f. — They soupen and they speke, hem
to solace, And drinken ever strong ale atte beste: Ch., C.T. A. 4146 f.
5) His breed, his ale, was alwey after oon: Ch., C.T, A. 341.
%) Now, have I dronke a draughte of corny ale: Ch., C.T. C, 456.
') He sente hir piment, meeth, and spyced ale: Ch., C.T, A. 33768.
8) Wel coude he knowe a draughte of London ale: Ch., C. T. A. 382.
®) By corpus bones! but I have triacle, Or elles a draught of moyste
and corny ale ... Myn herte is lost for pitee of this mayde: Ch., C.T.
C. 8314 ff.

1%) The Miller that for-dronken was al pale, So that unnethe up-on
his hors he sat: Ch., C.T. A. 3120 £.
1) I bouzte hir barly malte, she brewe it to selle; Peny-ale and
podyng-ale she poured togideres For laborers and for low folke. Langl.,
P. P. B. V.219£
22) Smith, Engl. Gilds 172, 178, 184.
        <pb n="50" />
        16

wird.!) Ja, sogar die kranken erhalten ale, und zwar gleich
eine ganze gallone [4,54 liter] auf einmal.?)
Inbezug auf die herstellung des ales wissen wir, dass es
aus den verschiedenen getreidearten gebraut wurde, was wir
schon daraus schliessen können, dass sich sein preis nach dem
preis der letzteren richtete. 3) Im norden Englands scheint es
hauptsächlich aus hafer gebraut worden zu sein. %) Das gewöhnlichste
 getreide aber für die herstellung des malzgetränkes
war die gerste. 5)
Beim fehlen des hopfens in England vor dem 15. jahrh.
ist es nicht unwahrscheinlich, dass man das malzgetränk mit
andern bitterkräutern würzte. °) Doch scheint das nicht immer
der fall gewesen zu sein. Im King Horn ist einmal ausdrücklich
 von süssem ale die rede;’) ob dieses ale seinen süssen
zeschmack dem umstande verdankt, dass es ohne zuthat von
bitterkräutern gebraut wurde, oder aber dem umstande, dass
es mit süssen gewürzen versetzt war, ist natürlich nicht zu
entscheiden. Wie den wein ®) hat man nämlich in England
vielfach auch das ale durch zuthat Yon gewürzen wie süss-!)

 And the tankards, filled with ale, shall be given to the poor who
most need it: Smith, Engl. Gilds 173; ebenso 1883.
?) And if ony brother or sister be seke, he schal haue for his drynke
a galoun of ale: Smith, Engl. Gilds P- 84; ebenso p. 39.
*) Est sciendum quod quum quarterium frumenti venditur pro tribus
solidis vel pro quadraginta denariis, et quarterium hordei pro viginti denarlis
 vel pro duobus solidis et quarterium avenae pro sedecim denariis vel
pro octodecim denariis, tunc debent et bene possunt brasiatrices vendere in
civitatibus duas gallonas cerevisiae ad unum denarium: Mun. Acad. Oxon.
P. 182; cf. ibid. p. 185. — When a quarter of wheat is sold for 38
or 38, 4d., and a quarter of barley for 20d. or 2s., and a quarter of oats
for 16d., then brewers in cities ought and may well afford to sell two
gallons of beer or ale for a penny: Smith, Engl. Gilds p. 365 (i. j. 1266).
‘) No woman shall buy at one time more than a chaldron of oats for
making beer to sell: Smith, Engl. Gilds p. 845 (Berwick-upon-Tweed).
5) Langl., P. P, B. V. 219, siehe oben p. 45 anm. 11. — Smith, Engl,
Gilds p. 382 (Ordinances of Worcester): Also that no foreyn Burges, ne
none other, Straunger ne fforeyn, by no Barly ne malte, ne none other
greyne in the markett, tylle the comyn Brewers and malte makers, resident
and resiaunt, ben serued.
°) Siehe oben p. 43; vgl. auch Heyne, D. Nahrungsw. p- 341.
7) K. Horn C., 1257, siehe oben p. 44 an. 5.
3) Siehe unten pvp. 57.
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        47

holz, gewürznelken, zitwer, muskatnuss!) dem gaumen angenehmer
 zu machen gesucht. Dass ein solches getränk namentlich
 bei frauen beliebt war, ist begreiflich; Chaucer lässt in
einer bereits angeführten stelle den Absolon der frau des
zimmermanns nebst andern süssigkeiten auch gewürztes ale
schicken. ?)
Riley, im Liber Cust. p. 707, citiert eine stelle aus Mag.
Rot. 31. Henry II. Rot. 14 (i. j. 1185), in der eine lieferung von
weizen, gerste und honig erwähnt wird, um daraus bier [cerevisia]
 zu brauen. Riley nun ist der ansicht, die drei substanzen
seien nicht zusammen, sondern jede für sich verwendet worden,
weizen und gerste zur bier- und honig zur metbereitung,
‘cerevisia’ schliesse also hier den begriff met ein. Wahrscheinlicher
 aber ist, dass der honig in diesem falle nicht zur
metbereitung, sondern zur versüssung des malzgetränkes verwendet
 wurde. Das versüssen des bieres mit honig muss
nämlich in England durch das ganze mittelalter hindurch allyemein
 üblich gewesen sein; nur dadurch erklärt es sich, dass
‘beor” jemals mit ‘hydromellum, mulsum’ übersetzt werden
konnte.) Wir haben es in diesem falle, wo ‘beor’ mit ‘hydromellum,
 mulsum’ übersetzt ist, wohl doch nicht mit reinem
met zu thun, sondern mit einem malzgetränk, das mit honig
versüsst war. Dass ‘beor’ in der bedeutung met [richtiger:
mit honig versüsstem malzgetränk] eine ableitung aus ags. ‘beo’,
die biene, sei, wie Riley meint,‘) ist natürlich abzulehnen.
Ein ähnliches süsses malzgetränk war das ‘bragot’; es wurde
aus bier und honig zubereitet, die man zusammen gähren liess;
später wurde der honig durch zucker und gewürze ersetzt. °)
Es war sache der frau, für den germanischen haushalt
das bier herzustellen; später, als dasselbe in grösseren quantitäten
 gewerbsmässig zubereitet wurde, übernahm der mann

ı) Ther springen herbes grete and smale, The lycorys and cetewale,
And many a clowe-gilofre, And notemuge to putte in ale: Ch., C. T. B.
1950 ff,
2) Ch., C.T. A. 3378, siehe oben p. 42 anm. 5.
3) Vgl. Bosw.-Toller p. 85; ferner Mätzner, Alte. Spr. II. 1. p. 203.
‘) Liber Cust. p. 707.
5) Ch, C. T. A, 3261, siehe oben p. 42 anm. 5 und anmerkung dazu
zon Skeat. — Mätzner, Alte. Spr. II. 1. p. 327.
        <pb n="52" />
        8

die arbeit, da die kraft der frau dazu nicht mehr ausreichte. ')
Für England hat das aber nur in beschränktem sinne geltung,
indem sich da die sitte, dass die frauen das bier herstellen,
auch dann noch lange hielt, als das brauen schon längst gewerbsmässig
 betrieben wurde. Bis tief ins 15. jahrh. hinein
hören wir in England selten von bierbrauern , Sondern gewöhnlich
 nur von bierbrauerinnen.?) Im jahre 1439 liegt das
brauereigewerbe in Oxford, zum teil wenigstens, noch in händen
von frauen, wie aus einer urkunde aus diesem jahr hervorgeht;%)
 in einer nur fünf jahre jüngeren urkunde aus der
gleichen stadt hingegen werden nur bierbrauer, keine
brauerinnen erwähnt. 4)
Neben frauen beschäftigen sich aber schon früh auch
männer mit der gewerbsmässigen zubereitung des bieres; schon
im 13. jahrh. hören wir von bierbrauern.®) Oft werden auch
orauer und brauerinnen nebeneinander erwähnt. $) Sehr instruktiv
 inbezug auf das allmähliche verdrängen der frauen
vom biergewerbe durch männer sind einige parallelstellen in
Skeats dreitextausgabe Peters des Pflügers, in welchen handschrift
 A und B von bierbrauerinnen berichten, während in
den entsprechenden stellen der handschrift C, welche die jüngste
fassung bietet, die brauerin zum brauer umgewandelt worden
ist.’) Wir müssen uns allerdings hüten, aus der form ‘brewester’
 jedesmal auf eine bierbrauerin zu Schliessen, indem das
arsprüngliche feminina bildende suffix ‘-ster’ schon im frühen

') Heyne, D. Nahrw. p. 340.
7) Ac Beton the brewestere bad hym good morwe ... I haue gode
ale, gossib, quod she: Langl., P. P. B. V. 306 ff. — Vgl. auch Langl., P. P. B.
V. 219 ff. oben p. 45 anm. 11.
®) Alicia Everarde, pandoxatrix villae Oxoniae, eo quod dixit quod
nollet pandoxare ad vendendam cerevisiam plebi domini regis in villa
Dxoniae, ab arte pandoxandi est perpetuo suspensa: Mun. Acad. Oxon. p. 523.
*) Pandoxatores juraverunt ut salubriter pandoxarent: Mun. Acad.
Jxon. p. 541 (ij. 1444).
°) Bakares and breowares for alle men heo gabbe: Old Engl. Miseell.
»f the 13th cent. p. 189.
°) Vous jurrez, vous ne saverez nulle braceour ne braceresse: Liber
Albus p. 316. — Braciour et braceresse, ibid. p. 358, 359, 361.
7) Langl., P, P. A. Prolog 98 breusters; die entsprechende stelle im
B-text brewesteres und im Ü-text brywers. — Das näml. verhältnis findet sich
in A. 0 70 und den dazu entsprechenden stellen im B-text und C-text.
        <pb n="53" />
        19

Ags. sich auch in mask. funktion findet!) und seine feminine
bedeutung schliesslich ganz einbüsst.?)
Indem die frau aus dem gewerbe der alebereitung durch
den mann nach und nach verdrängt wird, sinkt sie zur kleinverkäuferin,
 zur höckerin, me. ‘huckster’, herab. Die stellung
dieser bierverkäuferinnen war eine sehr niedrige; in London
wurde den bierbrauern und bierbrauerinnen wiederholt verboten,
 denselben bier zum wiederverkauf abzugeben,3) offenbar
um zu verhüten, dass durch den zwischenhandel der preis
eines getränkes, das man als ein lebensbedürfnis betrachtete,
zu sehr in die höhe getrieben werde. Die schenkwirte hingegen
 dürfen ihr ale von den brauern beziehen, vorausgesetzt,
lass sie es ihren gästen zu einem gesetzlich geregelten preise
ausschenken und sonst an niemand anderen verkaufen. 4)
Wie durch obiges bereits angedeutet ist, wird die zubereitung
 und der verkauf des bieres amtlich beaufsichtigt und
zesetzlich geregelt. Beim ankauf des getreides geniessen die
bierbrauer gewisse vorrechte vor anderen bürgern.®) Weder
orauer noch brauerin darf das bier verkaufen, ehe es von
einem von der obrigkeit bestimmten bierprobierer in bezug auf
Jualität untersucht worden ist.®) Der bierprobierer. der nicht

‘) Kluge, Nom. Stammbildungslehre, 2. aufl. p. 25.
?) Skeat, anmerk. zu Piers the Pl. C, Prol. 221; vgl. Browstar or
orewere. pandoxator, pandoxatrix: Promy. Parv. 54 (c. 1440). — Vgl. auch
ne, Webster, Baxter.
3) Item, qe nulle braceour ne braceresse ne vende nulle manere cerroise
 a nulle hukstere, sur peyn de paiere al oeps de la Chambre la value
de la cervoise issint vendue, et soun corps a prisone a volonte du Maire.
[tem, qe nulle hukstere desoremes nachate nulle manere cervoise pur revendre,
 sur peyn de perdre la cervoise issint achate, ou la value dicelle;
Lib. Albus p. 360; vgl. ibid. pp. 361, 701.
*) Mes bien lise as touz hostilers dachatre lour cervoise de braceour
ou braceresse tant come lour busoignera par lour hostes; issint quils vendent
a lour ditz hostes tant soulement pur II deniers la galoun, et nient plus:
Lib. Albus p. 361. — Item, ae nul Hosteler vende cervoise for a ses Hostes:
ibid, p. 701.
5) Smith, Engl. Gilds p. 382, siehe oben p. 46, anm. 5.
®) And the shyftyng daies of the woke, specially the Wensdaies and
Satirdaies, the Maire hath be usid to walke in the morenynges to the
Brewers howses, to oversee theym in seruyng of theire ale to the pouere
csommens of the toune, and that they have theire trewe mesurez; and his
Alekonner with hym, to taste and undirstand that the ale be yode. able
        <pb n="54" />
        530

sofort und zu jeder zeit bereit ist, auf das geheiss eines brauers
eine bierprobe vorzunehmen, wird sogar mit gefängnis bestraft;!)
 die gleiche strafe trifft ihn, wenn er sich mit bierbrauern,
 bierbrauerinnen oder höckerinnen ins einyernehmen
setzt und sie begünstigt.?) Im falle er das ale schlecht findet,
ist er befugt, im einverständnis mit dem alderman den preis
desselben herunterzusetzen. 3)
Auch der preis des ales ist gesetzlich geregelt, d.h. es
wird von zeit zu zeit ein maximaltarif aufgestellt, über welchen
der brauer bei hoher busse nicht hinausgehen darf, Der preis
schwankt je nach der qualität des getränkes und dem jeweiligen
 preise des getreides zwischen !/3 penny und 4 pence
die gallone.*) Auch die zeit des jahres findet bei der festsetzung
 des alepreises berücksichtigung: in der wärmeren
jahreszeit wird, zweifelsohne dem grösseren konsum zufolge,
der preis erhöht. 5)

and sety: Smith, Engl. Gilds p. 425 (The Office of the mayor of Bristol). —
AN brewers in the like mannor shall charge the ale-teaster to teast the
ale before they sell it, or else they shall be amerced: ibid. p. 435 (The
Costomary of Tetenhall Regis), — Et qe cheseun braceour et braceresse, a
plus tost qil avera brace, envoie pur lez Alkonners de la Garde ou il
lemurent, pur taster sa cervoise, issint qil ne vende nulle cervoise avaunt
eo qe les ditz Alkonners leyent assaye, sur forfaiture de mesme la cervoise
issint vendu: Liber Albus p. 359.
') Et ge les Alkonners, ou deux de eux, soient touz jours prestz, quaunt
ils sont requys, de faster ascun cervoise et de faire lour office, sur payne
lenprisonement, a la volunte du Maire: Lib. Albus p. 359.
?) Et si ascun Alkonneer, pur doun, promesse ou favour, conselle ascun
braceour, braceresse ou huckestre, qi eit fait encontre ascun dez pointz
auisditz, ou ne face soun office duement, comme avaunt est dit, sanz ascun
ou ascune esparnier ou grever forcenousement, et de ceo soit atteint, enzourage
 la payne demprisonement: Lib. Albus p. 361.
3) et en case qgele soit meyns bone gil ne soleit avaunt ceo crye, vous,
par assent de vostre Alderman, mettrez resonahle pris a ceo, snlone vostre
liserecioun: Liber Albus p. 316.
*) And that the Brewers brewe and sylle IIT galons of smale ale for
[d.... And that the price of ale be ressed at euery lawday by the gret
enquest or by the moste party of them: Engl. Gilds p. 382 (Ordinances of
Worcester). — Et ge le meillour galloun de cervoise ne soit plus cher vendu
ge pur I denier et lautre pur obole et anart: Lih. Cust. p. 303 (i. 3. 1321);
vgl. ferner oben p. 46, anm. 3.
5) No woman shall sell ale, from Easter till Michaelmass, at dearer
than twopence a gallon; nor from Michaelmass till Easter, at dearer than
a penny: Smith. Engel. Gilds p. 348 (Berwick-unon-Tweed).
        <pb n="55" />
        51

Der höchste gesetzliche preis für das beste ale in den
verschiedenen teilen Englands vom 13, bis 15. jahrh. ist anderthalb
 bis zwei pence die gallone,!) Die preisbestimmenden
vorschriften scheinen aber bisweilen umgangen und gute sorten
von ale über gesetzlichem preise verkauft worden zu sein.
So verkaufen Langlands Rosa, die bierbrauerin, und ihr mann
nebst dem ‘peny-ale’ oder ale zu einem penny die gallone für
„arbeiter und niederes volk“ auch „bestes ale“ zu einem groat
oder vier pence die gallone.?) Darauf, dass der verkauf dieses
letzteren ales zu vier pence die gallone ungesetzlich war, weist
auch der umstand hin, dass es nicht beim gewöhnlichen ale
liegt, sondern. im schlafgemach aufbewahrt wird.
Eine nach unseren rechtsbegriffen etwas starke zumutung
an die bierbrauer und bierbrauerinnen ist es, wenn von ihnen
verlangt wird, sie sollen nach einer neuen verordnung betreff
den preis des ales das gleiche und ja kein geringeres quantum
braunen, als sie vor der festsetzung des neuen preistarifs gebraut
 haben; die schuldigen trifft gefängnisstrafe und verbot
jer weiteren ausübung ihres berufes in der stadt, da sie als
leute betrachtet werden, die dem volke ein nahrungsmittel
vorenthalten. 3)
Von den verschiedenen zum brauen verwendeten getreidearten
 und allfälliger zuthat von bitterkräutern und gewürzen
abgesehen ist das ale in stärkegraden zubereitet worden, die,
aus den oben angeführten preisen zu schliessen, stark von
sinander varlieren mussten. Das bessere, starke ale heisst
‘good ale’, 4) ‘myghty ale’5) oder ‘strong ale’.®) Das geringere

1) Vgl oben p. 46 anm. 3 und p. 50 anm. 4 und 5,
?) Peny-ale and podyng-ale she poured togideres For laborers and for
low folke that lay by hymselue. The best ale lay in my boure or in my
bedchambre, And who-so bummed ther-of bouzte it ther-after. A galoun
for a grote, god wote, no lesse: Langl. P. P. B. V. 220 ff.
3) Et si ascun ou ascune ne voille bracer, ou brace meyns qil ne soleit,
par cause de ceste ordinance, soit tenuz come retreour dez vitailles de la
citee, et pur sa disobeisaunce et malice encourge la payne denprisonement,
a volonte du Maire qi pur le temps serra; et nyentmoins forjure la dite
mistiere deinz la fraunchise de la citee pur touz jours: Lib. Albus p. 359;
vgl. auch Lib. Albus p. 316.
*) Ch., C.T. A. 3628; Langl., P. P. B. V. 807.
5) Ch,, C.T. A. 3497.
5) Ch... CT. A. 4147.
        <pb n="56" />
        52

war wahrscheinlich nachbier, afterbier, Im Liber Albus heisst
ein billiges bier einmal „zweites bier“,!) was auf nachbier
hinzuweisen scheint. Den geringen alkoholgehalt bezeichnen
ausdrücke wie ‘feble ale’,?) ‘mene ale’,%) ‘smale ale’. 4)
Das bier wurde gewöhnlich nicht gelagert, sondern ganz
frisch, unmittelbar nach dem brauen getrunken als „mostiges“
ale.5) In solchem frischen bier, das noch in gährung begriffen
ist, hat sich die hefe noch nicht gesetzt: es ist mit getreideresten
 vermengt und heisst deshalb „korniges“ ale.%) ‘ Ob das
pudding-ale’) und das dicke ale®) sich auch auf solches frisches,
mit getreideresten durchsetztes ale, und das dem dicken ale
gegenübergestellte dünne ale®) auf klares, oder auf schwaches
ale oder auf beides zugleich sich beziehen, lässt sich nicht
leicht feststellen. An der universität zu Oxford scheint man
auf allzu frisches bier, oder doch wenigstens auf bier, das mit
hefe versetzt war, nicht besonders erpicht gewesen zu sein,
da die bierbrauer schwören müssen, dasselbe so lange stehen
zu lassen, bis sich die hefe gesetzt habe:%) auch sollen sie

!) Et si ascun ou ascune vende la galoun de meillour cervoise pluis
chier qe I denier obole, et le galoun de seconde pluis chier ae I denier:
Lib. Albus p. 8359.
2) Bope heo makep feble, heore bred and heore ale: Old Eng]. Miscell.
p- 189 v.41f. — I ete there unthende fisshe and fieble ale drynke: Langl.
P. P. B. V. 177.
3) Langl., P. P. B. VI. 185.
*) And that the Brewers brewe and sylle III galons of smale ale for
I d.: Smith, Engl. Gilds, p. 382 (Ordinances of Worcester).
5) ale, whether it be moyste or stale: Ch.. C.T. B, 1953 f. — old or
moysty ale: Ch., C. T. H. 60.
6) a draught of moyste and corny ale: Ch., C.T.C. 314. Vgl. anm.
dazu v. Skeat; ferner: Now have I dronke a draughte of corny ale: Ch.,
3. T. C. 456.
7) podyng-ale: Langl., P. P. B. V. 220, siehe oben p. 51, anm. 2.
8) For ich couthe selle Bothe dregges and draf and drawe at one hole
Thicke ale and thynne ale [quath a brewere]: Langl., P. P. C. XXI. 400 ff.
9) Pandoxatores juraverunt ut salubriter pandoxarent ita quod aquam
tamdiu coquerent super ignem quamdiu emitteret spumam et quod munlarent
 spumam ab aqua et quod facerent cerevisiam novam post mundificationem
 stare tempore sufficienti in quo faces cerevisig descendere ad
fundum vasorum, et tunc illam mitterent sic defgcatam ad loca in Universitate;
 et Ricardus Benet juravit tunc quod cerevisia sua staret pro
duodecim horas in defgecando., antequam nortaretur in aula siyve in collegium.
        <pb n="57" />
        53

das ale kühlen lassen, ehe sie es verkaufen.) Von dem an
ler tafel der vornehmen aufgestellten ale wird verlangt, dass
as fünf tage alt sei, ?)
Das englische bier war schon früh auch auf dem festlande
yeschätzt,) wohin es, namentlich von London aus, ausgeführt
wurde.‘) In England selbst scheint es das Londoner ale zu
einer gewissen berühmtheit gebracht zu haben; es ist eine
der guten eigenschaften, die dem koch in den Canterbury
yeschichten nachgerühmt werden, dass er einen schluck Lonloner
 ale von anderm bier wohl zu unterscheiden wisse. °)
Schliesslich sei noch erwähnt, dass, wie überhaupt fast
alles, so auch das bier in der raffinierten kochkunst des 14,
und 15. jahrhunderts vielfache verwendung fand;® mit pfeffer
und zimmet diente es auch zur bereitung einer fischlake. ”)
Höheres ansehen als met und bier genoss in England
von jeher der wein, weil er schwer zu beschaffen ist und
Jeshalb nicht im bereich eines jeden liegt. In der ags. zeit
wird er wohl nur von den reichsten des landes getrunken.)
Wie mit der normännischen eroberung die lebensweise des
englischen volkes mehr und mehr von der alten germanischen
einfachheit einbüsst, wird der genuss des weines, wenigstens
bei den oberen ständen, allgemeiner; das übliche getränk der
armen oder auch nur des mittelstandes wird er aber auch

st quod non faceret mixturam feecis cum cerevisia quum portaretur in loca
Universitatis: Mun, Acad. Oxon. p. 541 (ij. 1444).
1) Mun. Acad. Oxon. p. 685.
?) Thyne ale be five dayes old er pow serue it about; for ale pat is
newe is wastable with-owten dowt: Russ, B. of Nurtr. v. 178 f.
3) S’exommenia la cervoise Qui estoit fete de oise Kn Flandres et en
Engleterre: Bataille des Vins, B. I 158.
‘) De chescune tonel de cervoise issant vers les parties doutre le meer
par marchauntz estraunges, IIII deniers: Lib. Albus p. 237. Siehe auch
. 246.
° 5) Wel coude he knowe a draughte of London ale: Ch., C.T. A. 382.
%) Babees Book pp. 53. 142; Two fifteenth-Cent, Cookery Books pp. 11,
12, 13, 16 etc.
7) Coquinarius habet ... cerevisiam ad salsamentum faciendum de
pipere aut cinamo: Chron. Mon. de Ab. Vol. II. p. 308 (zwisch. 1066 u. 1189).
8) Hweit drinest öu? Ealu, gif ic hebbe oppe water gif ic n@bbe
aalu. Ne drincst öu win? Ic ne eom swa spedig ögt ic mage bicgean
me win: Aelfrie, Colloauium, in Wright Voc. 35, 9—22.
        <pb n="58" />
        34

jetzt nicht.) Sehr oft wird den vornehmen gästen nebst
einheimischen getränken, namentlich nebst ale ‚ wein vorgesetzt.?)
 Wenn aber wein und bier zugleich serviert werden,
hat ersterer als das vornehmere getränk den vorzug.%) Es
wird auch etwa so unterschieden, dass die vornehmeren gäste
wein, die geringeren nur bier oder ale erhalten.*)
Fragen wir uns, woher das alte England seinen wein
bezogen habe, so ist vorerst auf die thatsache hinzuweisen,
dass es seinen bedarf zum teil durch eigenen weinbau deckte,
Es wird uns das um so weniger befremden, als wir wissen,
dass zur gleichen zeit der weinbau auch auf dem kontinente
viel weiter nach norden reichte als heutzutage: im 11. und
12. jahrh. finden wir reben in ganz Norddeutschland, Pommern,
Mecklenburg, ja selbst in Holstein und Dänemark.5) In
England sind die reben namentlich von mönchen gepflegt
und zweifelsohne auch von ihnen eingeführt worden;®%) so
lesen wir z.b. von einem weinberg, der im 12. jahrh. zum
kloster Abingdon in Berkshire gehört,’) und Wilhelm von
Malmesbury weiss ums jahr 1125 von verschiedenen abteien
zu berichten, in deren nähe reben gedeihen; die nördlichste
davon ist Thorney in der grafschaft Cambridge. ®) Der beste
wein aber wächst nach ihm im fruchtbaren tale von Glouecester,

1) Lechery loueth none poure, for he hath bote lytel selver, Ne doth
men dyne dylicatliche neyther drynk wyne ofte: Langl., P.P. C, VII 918,
?) Havelok, 1244: Wyn and ale deden pai fete. — K. Horn C. 1105 ff,
siehe oben p. 48, anm. 5. Für weitere beleestellen siehe Hall, anm. zu
King Horn 1107.
?) Biforn hem cam .... Pyment to drinke and god clare, Win whit
and red ful god plente. Was berinne no page so lite yat euere wolde ale
bite: Hay. 1724 ff.
*) Weoren pa bernes iscaengte mid beore and pa drihliche gumen
weoren win drunken: Layamon’s Brut 8123 ff. -— Comaunde to sett bothe
brede and ale to alle men Pat seruet ben in sale; To gentilmen with wyne
[-bake, Ellis fayles po seruice, y under-take: Babees Book p. 312. Vgl. Hall,
anm. zu K. Horn 1107.
5) Heyne, D. Nahrw. p. 103£. ;
%) Vgl. unten p. 55, anm. 2.
°) de domo quam tenet in Wingerde de Bertona: Chron. Mon. de Ab.
Vol. II. p. 330.
®) W. Malm. Gesta Pont. Angl. p. 326: hic praetexitur ager vineis, que
vel per terram repunt, vel per bajulos palos in celsum surgunt.
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        55

ein wein, bei dessen genuss die trinker nicht infolge des
sauren geschmackes das gesicht verzerren, sondern der an
süssigkeit den weinen Frankreichs wenig nachsteht.!) Damit
giebt unser gewährsmann also stillschweigend zu, dass der in
England erzeugte wein in der regel ein saurer tropfen war,
wie wir es auch nicht anders erwarten können. Wahrscheinlich
 werden die trauben auch nur in günstigen jahrgängen
zur reife gelangt sein; denn dass das klima Englands in
jener zeit ein milderes gewesen sei als heute, lässt sich kaum
annehmen. So kam es denn, dass der weinbau in dem masse
abnahm, als der verkehr mit dem festland, besonders aber mit
Frankreich zunahm, und bessere weine als England sie zu
erzeugen vermochte in grösseren mengen eingeführt wurden.
Wilhelm von Malmesbury erzählt uns von einem weinberg,
der am anfang des 11. jahrh. von einem griechischen mönche
bei seiner abtei (Malmesbury) angelegt worden sei, und der
viele jahre bestanden habe;?) der also demnach zur zeit, als
er das niederschrieb, nicht mehr bestanden haben kann.
Daraus folgt, dass es sich vielerorts nur um missglückte versuche
 gehandelt haben kann, den weinbau in England einheimisch
 zu machen. In einigen gegenden finden wir aber
trotzdem im 13, und 14. jahrhundert noch reben, so im besitz
des klosters Gloucester,?) Robert von Gloucester schreibt am
anfang des 14. jahrhunderts in seiner chronik, indem er die
vorzüge der verschiedenen gegenden Englands hervorhebt, in
Winchester finde sich am meisten wein,1) woraus zu schliessen

1) Regio plus quam alie Anglie provintie vinearum frequentia densior,
proventu uberior, sapore jucundior. Vina enim bibentum ora tristi non
torquent acredine, quippe qu® parum debeant Gallieis dulcedine: W. Malın.
Gesta Pont. Angl. p. 292.
?) Eodem tempore (c. 1030) venit ad locum quidam monachus Graecus,
aomine Constantinus. ... Hic primus auctor vinezg fuit, que in colle monasterio
 ad Aquilonem vicino sita, plures duravit annns: W. Mal. Gesta
Pont. Angl. p. 415.
3) Hist. et Cart. Mon. de Gl. I. pp. 48; 50; 55; 333.
‘) In pe contrey of kanterbury mest plente of fiss is and mest chas a
goute salesbury of wilde bestes iwis. At londone ssipes mest and win at
winchestre: Rob. of Gloucester’s Chron. 139 ff. Möglich wäre allerdings, dass
unser chronist durch eine falsche etymologie des namens der stadt [Venta
Belgarum, Wintanceaster, Winchester] oder durch einen versuch zur erklärung
 des namens veranlasst worden wäre, kühn zu behaupten, in Winohester
 finde sich am meisten wein.
        <pb n="60" />
        36

ist, dass zu seiner zeit nicht nur bei Winchester, sondern auch
in anderen teilen Englands wein gepflanzt wurde. Der klosterwein,
 der, wie wir aus Peter dem Pflüger erfahren, so schlecht
war, dass er fünf tage nach dem genuss desselben noch einen
üblen nachgeschmack hinterliess,!) mag wohl auch einheimisches
gewächs gewesen sein.
Bei der einfuhr des weines vom ausland kommen Frankreich
 und namentlich die englischen besitzungen in Südfrankreich,
 Poitou, Guienne und Gascogne naturgemäss in erster
linie in betracht. Es sind dies die gewöhnlicheren, billigen
weine, die sich auch der einfache bürger zu leisten vermag.
So preist der schenkwirt in Peter dem Pflüger den passanten
seine weine vom Elsass [Asey = Elsass nach Skeat, Langland
 Vol. II, 20], von Ruele [dorf bei Bordeaux] und von
Rochelle an und fordert sie anf, einen schluck gratis zu probieren,?)
 und der schiffer in den Canterburygeschichten wird
beschuldigt, auf der heimfahrt von Bordeaux manch einen
becher voll wein abgezapft zu haben, währenddem der kaufmann
 schlief. 3)
In den preisverordnungen Londons werden die französischen
weine, namentlich die von Gascogne, immer am billigsten angesetzt,
 nämlich vier pence die Gallone, während der rheinwein
 doppelt und andere südliche weine vier- bis sechsmal so
viel gelten. *)
Im 14. und 15. jahrh. steigert sich die einfuhr an wein
nicht nur von Frankreich her, sondern auch von anderen
weinbauenden ländern jener zeit; so wird denn eine neue
weinverordnung für London aus dem jahre 1331 damit mobiviert,
 dass „jetzt“ so viele weine in die stadt eingeführt
werden.°) Nebst den verschiedenen französischen weinen jener

*) Ac other while whan wyn cometh, whan I drynke wyn at eue, I
haue a fluxe of foule mouthe wel fyue dayes after: Langl., P. P. B. V. 1788,
?) Tauerners „a tast for nought“ tolden the same. Whit wyn of Osey
and of Gascogne, Of the Ruele and of the Rochel wyn: Langl., P, P. C.
I. 228. Siehe auch anm. v. Skeat.
®) Ful many a draughte of wyn had he y-drawe From Burdeuxward
whyl that the chapman sleep: Ch., C. T. A. 396 £.
*) Lib. Albus p. 171: Riley, Mem. of London p. 181.
°) Also, — by reason of the multitude of the kinds of wines now
brought to the said city, it was agreed and ordered by the same, that the
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        57

zeit finden wir hauptsächlich solche von Spanien,!) von Portugal,?)
 vom Rhein,?) von Italien,*) von Griechenland®) und
von Kreta,®) von denen die letztern drei am geschätztesten
und teuersten sind.
Bei der fremden herkunft des weines ist es selbstverständlich,
 dass man denselben in der regel nicht als most,
d. h. als frisches unvergorenes oder noch nicht ganz yergorenes
getränk genoss, wie denn der most in me. dichtungen auch
selten erwähnt wird. ”)
Die von den Römern herstammende mittelalterliche sitte,
den wein. mit den verschiedensten kräutern und gewürzen,
sowie mit honig schmackhafter und angeblich der gesundheit
zuträglicher zu machen,5) finden wir auch in England. Die
hauptsächlichsten dieser würzweine, über deren zubereitung
wir die verschiedensten angaben finden, sind ‘piment’, °)
‘claret’ !°) und ‘hypocras’.!!) Im 13. jahrhundert noch treten
diese kunstweine in den dichtungen Englands nur spärlich

gallon of best Gascon wine shall be sold from hence-forth ad 4 d., and the
gallon of Rhenish wine at 8 d.: Riley, Mem. of London p. 181.
1) Lib. Albus p. 708.
?) Morte Arthure 1. 1028.
% Beues of Hamptoun A, 2303; Morte Arthure 203; Lib. Albus p. 708,
710; Riley, Mem. of London p. 181.
*) Namentlich Vernage, ein italienischer wein, siehe Morte Arthure
204; Ch., C. T. B. 1261; Lib. Albus p. 711.
5) Hauptsächlich Malvesye, ne. malmsey, Malvasier, Ch., C. T. B. 1260;
Rel. Ant. I. p. 3; Lib. Albus p. 711.
°) Morte Arthure 200 u. 204; Lib. Albus p. 711. Ueber die namen und
herkunft der verschiedenen weine, die im alten England getrunken wurden,
siehe Furnivall (anmerkungen zu Russels Boke of Nurture), Babees Book
p- 202, hauptsächlich nach Henderson, Hist. of Ancient and Modern Wines,
Lond. 1824.
7) per he polede muchelne burst [B: porst], nes per neouper win ne
must: Layamon’s Brut 8720 f.
®) Vgl. Heyne, D. Nahrw. p. 367 ff.; A. Schultz, Höf. Leben, I, 305 ff,;
Wackernagel, Mete, Bier, Win, Lit, Lütertrank, Kleinere Schriften I, 99 ff.
9) Ch., Rosenroman 6026; siehe anm. dazu von Skeat.
») Ch., C. T. A. 1471; siehe anm. dazu von Skeat.
") Ch., C. T. E. 1807; siehe anm. dazu von Skeat; vgl. auch Russ. Boke
of Nurture, wo von vers 121 bis 176 ein sehr kompliziertes verfahren zur
herstellung von hypocras angegeben ist. Ueber verschiedene gewürzweine
Altenglands vgl. auch Furnivall, anmerkungen zu Russels Boke of Nurture,
Babees Book, 202 ff,
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        58

auf: Layamon erwähnt in seinem Brut (c. 1205) wohl häufig
den wein, nicht aber die würzweine;!) desgleichen der dichter
des King Horn (c. 1270), während in dem etwas Jüngeren
Havelok der held an der tafel des grafen Ubbe in Dänemark
mit ‘piment’ und ‘clare’ bewirtet wird. ?) In den versromanen
des 14. und 15. jahrh. aber werden die würzweine viel häufiger
erwähnt als die gewöhnlichen weine, Indessen wurden an der
tafel der vornehmen nicht nur würzweine, sondern auch wein
und gewürze gesondert aufgestellt, ?) sei es zum zweck, dass
der gast sich den wein nach eigenem gutdünken selbst würzen
und versüssen möge, sei es, damit er das gewürz zum trinken
verzehre, um sich dadurch den durst zu erhöhen. 4)
Auch den glühwein®) hat man in Altengland gekannt;
ein allgemein gebräuchliches getränk kann er aber nicht gewesen
 sein, da er nur selten erwähnung findet. %)
Vom glühwein wohl zu unterscheiden ist der feuerwein, 7)
der hergestellt wird, indem man neuen wein zur hälfte oder
mehr über feuer verdampfen lässt. Die Angelsachsen kennen
ihn unter den namen gesottener wein 8) oder auch met, ®) welch

*) Krautwald, Layamon’s Brut, Diss., Breslau 1887, p. 18ff.
*) Havelok 1724 ff., siehe oben p. 54, anm. 3,
*) And with the quene whan that he had sete, And spyces parted,
and the wyn a-agoon: Chaucer, Leg. of Good Women 1109. — The spyces
and the wyn men forth hem fette: Chaucer, Troil. u. Cris. 852. — The
styward bit the spyces for to hye And eek the wyn, in al this melodye.
The usshers and the squyers ben Yy-goon, The spyces and the wyn is come
anoon: Chaue., €, T. F. 291 ff. — Wip pyment and wip spisorie: Beues of
Hampt. A. 3138. — pann were spacli spices spended al a-boute, fulsumli at
the ful to eche freke per-inne, and pe wines perwith, wich hem best liked:
Will. of Palerm, 4324 ff. — chefly bay asken Spycez, bat un-sparely men
speded hom to bryng And pe wynnelych wyne per-with uche tyme: Syr
Gaw. and the gr. Kn. 978. — Thane spyces unsparyly pay spendyde thereaftyre,
 Malvesye and muskadelle, base mervelyous drynkes: Morte Arthure
 235 f.
*) Ueber die gleiche sitte in Deutschland vgl. Wackernagel, a. a. 0,
p. 105 f.
®) Heyne, D. Nahrw. p. 371; Wackernagel, a. a. 0. p. 99.
°) Thys mene whyle the pylgryms ly, And have theyr bowlys fast
heym by, And cry aftyr hote malvesy: Reliquie Antique I, p. 3 [15. jahrh.].
Val. auch Ch., €. T. E. 1807 £.: ipocras, clarree and vernage of spyces hote.
") Wackernagel, a. a. 0. p. 98f.; Heyne, D. Nahrw. p- 368.
®) defrutum vinum, gesoden win, vel passum: Wright-Wülcker I. 128, 34.
?) Medewa, win defruta, decocta vina: Haupt, Glossen 468. 838.
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        50

letztere bezeichnung er wahrscheinlich seinem süssen geschmacke
 verdankt, der vielleicht durch eine beigabe von
honig noch erhöht wurde. Im 14. und 15. jahrhundert haben
wir für den gleichen‘ wein die mit der höfischen kultur von
Frankreich herübergenommene bezeichnung ‘cuit’ oder ‘cute’,
d.h. ‘vin cuit’ oder gekochter wein. !)
Der handel mit wein und der verkauf des weines unterliegt
 gewissen obrigkeitlichen verordnungen, von denen hier
einige folgen mögen. Das „vorwegkaufen“ frisch angekommener
 weine, die noch auf dem schiffe sind, ist in London
verboten oder höchstens dem kellermeister des königs erlaubt,
und auch ihm nur für den gebrauch des hofes, nicht für
wiederverkauf.?) Um den preis der verschiedenen weine festzusetzen
 werden von zeit zu zeit maximaltarife aufgestellt, 3)
nach welchen der wein 5 bis 50 mal teurer ist als das ale.
Der verkauf schlechten oder verdorbenen weines ist verboten
und wird mit geldbusse geahndet.) Eine nicht unwirksame
strafe war wohl, den schuldigen zu zwingen, von seinem
eigenen schlechten wein, den er verkaufen wollte, selbst zu
trinken und den rest über sich giessen zu lassen.°) In einer
und derselben weinschenke Londons durften entweder nur
süsse, oder dann nur zewöhnliche, nicht-süsse weine verkauft

1) Russel, Boke of Nurture, 118. Vgl. Furnivalls anm. dazu.
?) For amendment of the dearness of wines, which of late has been
in the City of London, and now is, more than ever it used to be, for the
honour of ourselves and for the profit of our people, be it ordained, by
yurselves and by our Council, that no person whatsoever, freeman or
stranger, among‘ our customers of wines, or any other person, butler of a
great lord, or any other save our own butler, shall go to meet wines
soming towards the city, by land or by water, to affeer or to buy the
same; but only after they have been unladen and stowed in a cellar of
the City. And that our butler shall buy nothing, save only for our own
ase; nor yet any other person through him: Riley, Mem. of. Lond. p. 81
[3. 3. 1811].
3) Qe vins Renoys ne soit vendu plus chier qe pur VIII deniers; et
yyn Vermaille pur VT deniers; Vernage pur II souldz; Malvezie pur XVI
deniers; Crete et Province pur XII deniers: Liber Albus p. 711. — Also,
— that no vintner shall be so daring as to sell the gallon of wine of
Vernage for more than 2 s., and wine of Crete, wine of the River, Piement,
and Clare, and Malveisin, at 16 d.: Riley, Mem. of London p. 255.
*) Mun. Acad. Oxon. p. 177 [i. j. 1356].
5) Riley, Mem. of London p. 318 Ti. j. 1364].
        <pb n="64" />
        60

werden;!) nur ausnahmsweise wird es gestattet, von dieser
verordnung umgang zu nehmen, wobei dann besonders eingeschärft
 wird, den süssen wein ja nicht mit dem andern zu
mischen und ihn in einem besonderen keller aufzubewahren. ?)
Ueberhaupt ist das mischen verschiedener sorten von wein
oder auch alten weines mit neuem, ?) ja selbst das zusammenstellen
 solcher weine im gleichen keller, verboten,‘) um der
weinpanscherei von grund aus zu steuern. Auch soll neuer
wein nicht verkauft werden, ehe der alte aufgebraucht ist, 5)
woraus wir wohl schliessen müssen, dass, im gegensatz zu
heute, neuer wein geschätzter war als alter. Den inhabern
von weinschenken wird geboten, ihren gästen zutritt zum
keller zu geben, damit sich letztere überzeugen können, ob
man ihnen reine, unverfälschte weine abzapfe oder nicht.‘)
Im jahr 18381 schliessen sämtliche schenkwirte Londons auf

?) Item, ge ceux qi ount vin Douce neyent autre vin en mesme Ia
Taverne: Lib. Albus p. 707.
?) after taking the corporal oatlı of the same Francisco and Panino,
and each of them, that they will not mix their sweet wines with other
their wines, you will permit them to sell their red and white wines by
themselves, and their sweet wines by themselves, in the same tavern, the
same being stowed away in different cellars: Riley, Mem. of London p. 270
[i. j- 18538].
*) Fro this day forward no man with yn pis citee, ne pe liberte per
of, fre ne forein, coloure ne medle no manere Wyn, pat is to sey, no white
wip rede, old with newe, hole with brokyn or currupt, Rochel with Renyssh,
ne none othere wyne of diuers kindes ne growynges to gidir, but selle hem
hole and trewe, evyn as pei growyn, up peyne of juysse of pe pillorye:
Riley, Mem. of Lond. p. 671 [i.j. 1419]. — Item, quod nullus venditioni
exponat vina controfacta aut miscuata, per ipsum facta aut alium: Lib.
Albus p. 711. — Ne Vinetarii misceant nova vina cum veteribus: Lib.
Albus p. 707.
*) Item, qe vin Blanc de Gascoigne, Rochele, d’Espaigne, ne de nul
autre pais, soit en celers ou vyn Renoys est a vendre; Lib. Albus p. 711.
— Item, qe vins novels ne soient mvs en celers ove vins vielx: Lib. Albus
p- 708.
“) Item, apres la venu de novel vin, nul soit vendu avaunt qe le viel
soit ouste: Lib. Albus p. 709.
°) No taverner should forbid that, when any company is drinking
wine in his tavern, one of them, for himself and the rest of the company,
shall enter the cellar where the tuns or pipes are then ]ying, and see that
the measures or vessels into which the wine is poured, are quite empty and
clean within; and in like manner, from what tun or what pipe the wine
is so drawn: Riley, Mem. of Lond. p. 213 [i. J. 1342]; siehe auch p. 255.
        <pb n="65" />
        51

diese verordnung hin, die damals vielleieht zum erstenmal
erlassen wurde, ihre schenken. Dies wird als ein strafbares
vergehen betrachtet und die schenkwirte werden vor gericht
geladen, worauf unsere urkunde abbricht. ')
Dass, wie das bier,?) so auch der wein in der vornehmen
küche vielfache verwendung fand,?%) versteht sich von selbst.
Wie auch heute apfel- und birnwein in England verhältnismässig
 selten getrunken werden, So schon im mittelalterlichen
 England. In den me. dichtungen haben wir nur
spärliche andeutungen über deren genuss; Rosa, die bierbrauerin
 in Peter dem Pflüger schüttet fürs arme, „niedrige
volk“ ‘peni-ale’ und ‘piriwhit’, also geringes ale und birnenwein
 zusammen.‘) Kinen höheren rang als birnenwein scheint
der apfelwein eingenommen zu haben; in Peter dem Pflüger
wird er nämlich unter der bezeichnung ‘pomade’ zusammen
mit ‘piment’ und „köstlichen getränken“ angeführt.®) Schon
anfangs des 14. jahrh. taucht wahrscheinlich infolge biblischen
einflusses im Englischen auch das lehnwort ‘eider, ciser,
sidre’ etc. vom lat. gr. ‘sikera’ auf, das in erster linie den
apfelwein bezeichnete, dann aber auch für fruchtwein überhaupt
 gebraucht wurde. %)

Litteratur.
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Babees Book, ed. F. Furnivall, E. E. T. S. No. 32, London 1868.
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in the XII. and XII. Centuries, ed. W, P. Macray, Public Record
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1) Riley, Mem. of Lond. p. 182.
2) Siehe oben p. 53.
3) Babees Book pp. 53, 60, 142; Two 15. Cent. Cook. Books pp. 7, 10,
15, 20 ete.; Lib. Cure Coc. pp. 8, 16, 26, 27, 29 ete.
*) Peni-ale and piriwhit heo pourede to-gedere For laborers and louh
folk: Langl., P. P. A. V. 134 f.
5) Langl., P. P. C. XXI, 412 £.: May no pyement ne pomade ne presiouse
Irynkes Moyste me to the fulle ne my thurst slake.
6) Murray, New Engl. Diet. 8. y.
        <pb n="66" />
        692

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ed. E. A. Bond, Public Record Series, London 1866—68.
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        Lebenslauf.

Ich, Johann Jakob Dickenmann von Braunau, kanton
Thurgau, wurde am 13. april 1873 daselbst geboren. Sechs
jahre lang besuchte ich die primarschule, drei jahre die
sekundarschule und ebensolange das lehrerseminar in Kreuzingen.
 Nach fünfjährigem aufenthalt in England ging ich
1897 an die universität Zürich, um mich auf das sekundarlehrerexamen
 vorzubereiten, das ich im frühjahr 1899 ablegte.
Daraufhin widmete ich mich wieder an der universität Zürich
namentlich dem studium der englischen und deutschen sprachund
 litteraturgeschichte und der psychologie.
Allen meinen lehrern spreche ich für den mir in den
vorlesungen und den seminarien zu teil gewordenen unterricht
 meinen besten dank aus; besonders verbunden fühle ich
mich herrn professor Vetter gegenüber, der mir die anregung
zu dieser arbeit gab.

TA
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