2. H. Brunner, Quellen und Geschichte des deutschen Rechts. 179 doch wußten sie sich zur gelegenen Zeit davon zu befreien. Die inneren Einrichtungen dieser Reiche knüpften in vielen Punklen an die vorgefundenen römischen Institutionen an, welche freilich, namentlich bei den Westgoten und Buͤrgundern, eine wesentliche Umbildung erfuhren, indem hier u. a. die römische Trennung der Zivil— und Militärverwaltung in der Hauptsache beseitigt wurde. Die römische Bepölkerung behielt Freiheit, Recht und Habe, und nur eine Landteilung wurde vorgenommen, die sich dem römifchen Einquar⸗ tierungssystem ospitalitas) anschloß. Der einzelne römische possessor mußte einen Teil seines Besitztums dem Germanen, dem es durch das Los zugewiesen worden war, abtreten, allerdings dicht zur vorübergehenden Einquartierung, sondern zum Zweck dauernder Nieder⸗ assung. Da diese Art der Ansiedlung die neuen Ankömmlinge räumlich unter die ömischen Provinzialen verteilte, hat sie die rasche Verschmelzung der beiden Nationalitäten wesentlich befßrden .. 8,7. Heerwesen und Rechtspflege. Die Bedürfnisse des Gemeinwesens wurden durch die persönlichen Leistungen der Volksgenossen gedeckt. Allgemein waren Heers, Gerichts⸗ und Polizeipflicht. Jeder freie Mann leistete unentgeltlichen Kriegsdienst. Das Heer war das Volk in Waffen. Wie die Religion der Germanen kriegerischen Zuschnittt hatte, stand hinwiederum das Kriegswesen unter religiösen Vorstellungen. Der Kriegsdienst war ationaler Götterdienst. Der Kriegsgott zog mit dem Heere. Gölterbilver bienten als heerzeichen. Vor Krieg und Schlacht wurde der Wille der Götter erkundet, der Feind urch Speerwurf den Oötlern geweiht. Ruhmvoller Tod im Kampfe galt für das höchste Ziel männlichen Strebens. Das Heer gliederte sich in Tausendschaften und in Hundert⸗ chaften. Die kriegerische Hauptkraft der Germanen beruhte auf dem Fußvolk, das in keilförmiger Schlachtordnung anzugreifen pflegte. Doch waren einzelne Völkerschaften durch vorzügliche Reiterei berühmt. Auch bestand eine auserlesene Sondertruppe, die sich aus Reitern uud leichtbewaffneten Fußsoldaten zusammensetzte. J . HEin durch den Drang nach kriegerischer Taͤtigkeit hervorgerufenes und vorzugsweise für das Kriegswesen berechnetes Diensts und Treuverhältnis war die Gefolgschaft. Freie, wehrhafte Maͤnner begaben sich als Gefolgsleute in den Dienst der Könige, der Fürsten der auch anderer, durch Ansehen und Reichtum hervorragender Persbnlichkeiten. Sie chwuren dem Gefolgsherrn Treue, empfingen von ihm Schutz, Unterhalt und Ausrüstung and bildeten fin⸗ Umgebung im Frieden wie im Kriegẽ. Hauptsächlich die adelige Jugend suchte den Gefolgsdienst als die hohe Schule kriegerischen Heldentums. Nach dem Vorbilde der unter dem Familienvater vereinigten Hausgenossenschaft entwickelte sich in der Gefolgschaft ein Herrschaftsverhältnis, das bestimmt war, in seiner Fortbildung die Srundlagen der germanischen Verfassung zu verändern. Doch darf ihre Bedeutung für * altdeutschen Staat nicht überschätt werden. Da die Gefolgsleute im Hause des —— lebten, so kann ihre Zahl nur verhältnismäßig gering gewesen sein, eine tsahe, die an fich die früher vielverbreitete Ansicht ausschließt, daß die großen anderungen der Germanen im wesentlichen auf Züge abenteuernder Gefolashalten urüchuführen seien. Die Rechtsprechung geschah in öffentlicher Gerichtsversammlung, Ding, Warf, ahd. l, wahal (nallus) Jeber Freie war verpflichtel zu erscheinen und an der Rechts- e teilzunehmen Die Eröffnung erfolgte durch feierliche Hegung, die in sakralen rmlichteiten bestand und in der Verkündigung des heiligen Dingfriedens gipfelte. dns das Ding zu Ende, so wurde es durch rechtsförmliche Enthegung geschlossen. —F Waen wurde nicht vom Richter, der nur „Frager des Rechtes“ war, sondern von d 3 sammellen Dinggemeinde gefallt auf einen Urteilsvorschlag hin, den ursnrunalich Wnn jedem der anwesenden Dinggenossen abzuverlangen befugt war. ereee , Arteilsvorschlag bei den Oberdeutschen und Friesen einem ständigen Rechtsprecher eg Asoga), be den Franken einem durch den Richter ernannten Ausschuß der Gerichts⸗ einde, den sogenannten Rachimburgen, anheim. Hatte der Vorschlag die Zustimmung, Vollwort der Gerichtsgemeinde gefunden, das in der Form des Waffenschlags (nord. pnatak) gegeben rre erging ein dem Urteil entsprechendes Rechtsgebot des Richters.