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1I. Zivilrecht.

3. Literatur. Eine besondere Literatur des Seerechts hat sich neben der des
Handelsrechts entwickelt; sie wahrte besonders lange einen gemeineuropäischen Charakter,
schließt sich aber seit dem Erlaß der Handelsgesetzbücher an das nationale Recht an. Von
den allgemeinen Darstellungen des Handelsrechts umfassen nur wenige zugleich das
Seerecht.
Sammlungen älterer Quellen: Pardessus, Collection des lois maritimes, b Bände,
1828/45. Twiss, Monumenta juridica, the black book of admiralty, 4 Bände, 1871 ff.
Fremde Seerechte: Die oben zu 8 7 angef. Handelsgesetzbücher Frankreichs, Griechenlands,
Rumäniens, der Türkei, Aghplens, der Niederlande, Spaniens, Portugals, der mittel- und südameri—
kanischen Staaten, Italiens/ Japans und Rußlands. Belg. Ges. v. 21. Aug. 1879. Finnisches See⸗
recht v. 9. Juni 1378. Im wefentlichen übereinstimmende Seerechtsges. s. Schweden v. 12. Juni
1881, Dänemark v. 1. April 1892, Norwegen v. 20. Juli 1893 (überseßt v. Pappenheim im Bei—
lageheft zur Z. f. H.R. Bd. XLIII). — In England, und den Vereinigten Staaten ist das Seerecht
nicht kodifiziert; einzelne Teile des Seeprivatrechts indes regelt die enalische Merchant shipping aët
. I80 uαι ä———
Geschichtliche Überficht: M. Pappenheim, Die geshitliche Entwickelung des See—
handels und seines Rechts, 1903 (Schriften des Vereins f. Sozialpolitik CIII 2 S. 120 ffy.
AÄltere Literatur: Héinécecius, Scriptorum de jure nautico et maritimo fasciculus,
1740. Jacobsen, Seexrecht des Friedens und Kriegs in Bezug auf die Kauffahrteischiffahrt, 1815.
Pardessus, Cours de droit commercial, Tome 1II. M. Pöhls, Darstellung des Seerechts,
4 Tle., 1830/83; Seeassekuranzrecht, 2 Tle. 18382,/34. A. Miruß, Das Seerecht und die Flußschiff⸗
fahrt, 2 Bde., 1888. v. Kaltenborn, Grundsätze des prakt. europäischen Seerechts, 2 Bde., 1851.
Literatur auf Grund des deutschen H.G.B.: Lewis, Schroeder u. Reatz in Ende—
manns Handb. des Handelsr. Bd. IV, 1884. R. Wagner, Handbuch des Seexrechts Bd. J, 1884
in Bindings Handbuch. W. Lewis, Das deutsche Seerecht, 2 Bde. (Komm. zu H.G.B. V) 1877/78,
2. Aufl. 1884. E. Boyens, Das deutsche Seerecht auf Grund des Kommentars von Lewis bearbeitet,
bisher 2 Bde., 1897 u. 1901. Schaps, Komm. zu H.G.B. IV, 1897 ff. — Dazu die oben zu 86
angef. Komm. zum H.G.B. v. Makower u. v. Gareis u. Fuchsperger, Lehrb. des HR.
v. Gareis u. v. Cosack, Lehrb. des deutsch. Privatr. v. Beseler u. v. Gerber. — Abriß v. H. O.
Lehmann in Birkmeyers Encyklop. S. o
Kommentare zum B.Sch.G. u. Flößereiges.: Fortsch, 1896; Landgraf, 1896:
Mittelstein, 1886, Makower, 1896; Loewe, 2. Aufl. 1898.
Auskänd. Literatur: Lyon-Caen et Renault, Traité de droit maritime, 1894/96.
Desjardin, Traité de droit commercial maritime, 2 Vol., 1890. Jacobs, Droit maritime
belge, 2 Vol., 1889. Parsons, Treatise on the law of shipping, 2 Vol., 1869. J. Lée, Laws
of british shipping and of marine assurance, 1896.
Literatur des bffentlichen Seerechts: F. Perels, Das internationale öffentliche See—
recht der Gegenwart, 1882; Handbuch des allgemeinen öffentlichen Seerechts im Deutschen Reich, 1884,
neue Ausg. 1901, Ergänzungsband (Seemannsordnung) von L. Perels 1902. Stoerk, Studien
zum See⸗ u. Binnenschiffahrtsrecht, 1897.

—89. Die Schiffe.
2. Seeschiffe. Das Seerecht knüpft seine Normen an die Seeschiffe an. Dem
Seehandelsrecht unterliegen aber nur die zum Erwerbe durch die Seefahrt bestimmten
Schiffe („Kauffahrteischiffe“'). Zu ihnen gehören neben den der Güter- und Personen—
beförderung dienenden Schiffen auch Lotsens, Hochseefischerei, Bergungs- und Schlepp—
fahrzeuge, nicht dagegen Kriegsschiffe, Zollkutter und Vergnügungsjachten. Die Schiffe
find bewegliche Sachen und als solche dem Fahrnisrecht unterworfen. Doch gelten für
sie sonderrechtliche Vorschriften. In einzelnen Beziehungen werden sie schon seit dem
Mittelalter den Liegenschaften gleichgestellt („schwimmende Gebäude“).
Jedes Schiff ist ein besonderes Sachindividuum. Als solches hat es seinen
Namen und sein Unterscheidungssignal. Es hat ferner seine örtliche Heimat im „Heimatshafen“,
 d. h. dem Hafen, von dem aus die Seefahrt mit ihm betrieben wird (H. G. B.
3480). Auch hat es seine Nationalität, die durch die Staatsangehörigkeit des Eigen—
lümers bestimmt wird. Deutsch ist ein Schiff nur, wenn es im ausschließlichen Eigen—
tum von Reichsangehörigen steht; offene Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschasten,
deren persönlich haftende Gesellschafter sämtlich Reichsangehörige sind, Handelsgesellschaften
mit juristischer Persönlichkeit, eingetragene Genossenschaften und andere juristische Per—
sonen, die im Inlande ihren Sitz haben (Aktienkommanditgesellschaften jedoch nur, wenn
alle persönlich haftenden Gesellschafter Deutsche sind), stehen den Reichsangehörigen gleich.