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84. Literatur.

II. Zivilrecht.

1. Wohl der erste, der sich mit dem Wechsel eingehend, und zwar um des Wucher—
verdachts willen, beschäftigte, war der Kanonist Kaspar Calderinus (um 1380)1, dem aus
gleichen Grunde eine lange Reihe von Theologen folgt, aus denen besonders Kardinal
Cajetanus (Thomas de Vio) mit seinem Traktat de cambiis (1499) hervorragt?.
Die weltliche Literatur beginnt im 14. Jahrhundert mit den Gutachten des Post—
glossatars Baldus, dessen consilium J 848 als ein wirkliches Kompendium des
damaligen Wechselrechts bezeichnet wirde, und seines Schülers Romanus.
2. Eine wirklich wissenschaftliche Behandlung erfährt das Wechselrecht erst im
17. Jahrhundert durch die beiden Genueser Sigism. Scaccia, Tract. de cora. et
eambio, 1618, und Raphael de Turri, Tract. de cambiis, 1641. Beide berücksichtigen
noch das kanonische Zinsverbot; beide zitieren als hohe Autorität die Entscheidungen der
Rota Genuae aus dem 16. Jahrhundert.
Zu großem Ansehen gelangte das (auf Grund praktischer Erfahrungen in einem
Amsterdamer Bankhause) 1677 veröffentlichte, mehrfach übersetzte und fortgesetzte Werk
des Buchhalters Phoonsen: „Wissel Styl tot Amsterdam“, das neben einer fystemati—
schen Darstellung des Wechselrechts den Kaufleuten nützliche Ratschläge in Wecselsachen
gibt. Ziemlich zu derselben Zeit geht die literarische Füuhrung von den Italienern auf
die Franzosen über, insbesondere auf Jacques Savary, den Hauptredakteur der Ordonnance
du commeres, dessen Gutachten und dessen Werk: „Le parfait négociant“, 1675, weit
äber Frankreich hinaus Geltung fanden, sowie auf Jacques du Puy de la Serra,
dessen „L'art des lettres de change“, 16938, die erste systematische Darstellung des Wechsel⸗
rechts in Frankreich war.
3. Aus zahlreichen Schriften des 18. Jahrhunderts ragen hervor des Genuesen Casa—
regis Werk „Il cambista instruito“, 1729, des aus dem Kaufmannsstande hervorgegangenen
J. C. Franck Institutiones juris eambialis, 1721, des bekannten Pandekuisten Aug.
veyser Meditationes ad Pand., Specimen 128 u. 202, 1721, des eleganten Zivilisten
und Germanisten J. G. Heineccius Elementa juris eambialis, 1742, die 1775 zur
ubfidiären Rechtsquelle im Königreich Polen erhoben wurden, Siegels Corpus jur. eamb.,
1742, und Pothiers berühmter, selbst in englischen Gerichtshöfen als Entscheidungsquelle
betrachteter Praité du contrat de change, 17683.
4. Aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind von deutschen Werken hervor—
zuheben die Lehrbücher des Handelsrechts von v. Martens (8. Aufl. 1820), Bender,
1828 und Poehls, 1829, das „Deutsche Privatrecht“ von Mittermaier (7. Aufl.
1847), Treitschkes tüchtige „Encyklopädie der Wechselrechte und Wechselgesetze“, 1831,
sowie das bahnbrechende Werk Carl Einerts, „Das Wechselrecht nach dem Bedürfnisse
des Wechselgeschäfts im 19. Jahrhundert“, 18389.
5. Die Deutsche Wechselordnung ist vielfach kommentiert worden, insbesondere von
Liebe (anonym erschienen, Leipzig 1848), Volkmar u. Loewy 1862, Rehbein,
ö. Aufl. 1900, H. Staub, 1895, 4. Aufl. 1901, und W. Bernstein, 1888.
Unter den systematischen Darstellungen des neueren deutschen Wechselrechts
ragen hervor: H. Thöls meisterhaftes Handelsrecht, Bd. II, 1848, 4. Aufl. 1878, die
Darstellung von Kuntze, 1862 und (in Verbindung mit Brachmann) in Ende—
manns Handbuch des Handelsrechts Bd. IV (1884), H. O. Lehmann, 1886 und in
Birkmeyers Encykl. S. 687 ff., v. Canstein, Lehrb. des W.R., 1879 u. (verkürzt)
Das Wechselrecht Oesterreichs u. s. w., 2. Aufl., 1903; Dernburg, Das buͤrgerliche
Recht des Deutschen Reichs und Preußens Bd. I. 2. Abt. 1901. S. 225 -337: Cosack.

1Er starb 1399, nicht 1309, wie Endemann, Studien J S. 121 annimmt; vgl. Biener,
Wechselrechtliche Abhandlungen S. 58 u. 80 N. 2. — Über Rolandinus, Durantis u. Pegoletti vgl.
Kuntze iß Endemanns Handb. des H.KR. IV S. 18 u. 48.
2 Über den Franziskanermönch, Luca Pacioli und seinen Traktat de cambiis vgl. Gold⸗
schmidt ĩcS. A6 N B6, sowie die beiden Schriften Faͤgers 1878 is
3 Freundtk, Vorwort S. IV.