L, Titel: Berpfligtung zur Leiftung,. 8 248. Borbemerfungen zu den 55 249—255. 37 Schaben im weitejten Sinne ijtjede Vernichtung oder Minderung eine3 RechiS» gut3, nicht bloß eineS wirtfdhaftlihen (am wenigiten in Sinne reiner Geldwirtihaft). „Schaden ift Verminderung der LebenZhedingungen, Schwächung, Beeinträgtigung der DafjeinS- fraft eines Necht3fubjekt8“ (Kuhlenbeck, Bon den Band. z. BGH. II S. 114). ZebenzZbedingung, Erijtenzbedingung ift nicht nur eine Bedingung der nadten Exiftenz, fondern umfaßt jedes bon der Recht&ordnung anerkannte (gefhüßte) Interefie. Auf feinen Fall Hat das BGB. mit dem an bie Spike geftellten Grundfaß der fog. Naturalreftitution eine Minderung der Schadens: erfaßpflicht bezwedt, vielmehr wejentlich nur, unter VorausjeBung freilih des Kaufalzufanımen hang8 (val. II, die grundjäglide Anerkennung der Nechtapflicht eines mö gli ft bolllommenen AuSgleich3 jeglicher als Schaden zu bezeidhnenden Minderung der Lebens: ftellung eineS Kechtajubjekt8 (der Minderung von Werten im weiteften Sinne) al? Leitgrundidk an die Spige fielen wollen. Im einzelnen val. Bem. 2 zu 8 249. Bon Bedeutung wird diejer Leitgrundfjaß der Naturalherftellung gegenüber der früher Dorherrichenden Jdentifizierung des SchadenZbegriffes mit demjenigen des Sntereffes a3 des rein vermögenZrecdhtlihen Interefjes d. h. des Unterfhiede8, der Differenz zwilchen dem wirtichaftlihen Bermögen der von dem jhädigenden Sreignis betroffenen Perfon vor und nad diefem Ereignis. Diejes Intereffe {fl eine rechneri{dhe Größe, „glei den Betrage, um den die Gejamtjumme de8 betroffenen Vermögens infolge de8 Sreignifjes geringer lit, al8 fie oHnedie3 zurzeit fein würde“ (Dertmann, Recht der Schuldvyerh., 2. Aufl. S. 21). Vgl. Ripb-Windicheid, Pand. II 8 257, Degenkolb im Arc, f. d. zivilijt. Praxis Bd. 76 €. 1f. Wenn die Berpflihtung zum Schadenderfaß nur auf Er{aß de8 InterefjeS in diefem öfonomifden Sinne beichränft wäre, fo mürde fih filr das Recht8gefilhl eine empfindliche Nüde ergeben in joldjen Fällen, in denen eine Naturalheritelung möglich, eine Reduktion des Schaden auf Geldintereffe aber unmöglich ift. Unmöglich 3. GB. ift die Reduktion des Schaden? int weitelten Sinne auf eine Geldfumme bei Verlegung og. idealer RechtZgüter, z. B. der Ehre, der Körberliden Integrität, foweit die Verlegung diefer LebenZgülter fich nicht auch wirt/chaftlich fühlbar macht. Das Geld kann in foldhen Fällen lediglich in feiner [0g. SatisjaktionSfunktion, zum Zwede der Genugtuung, nad Analogie der Buße (Privatfirafe) in Frage fommen, nicht in jeiner Nequivalentfunktion. Daz BGB. Hat nun leider, abweichend von mandjen auZländijhen Rechten, z. B. dem franzöjiidghen (dommage moral) und englifchen, die Berechtigung, Geld entichädigung bei diejem fog. idealen Schaden zu fordern, in 8 253 auf die durch das Gejeb beftimmten Fälle eingeidhräntt (88 847, 1300 ff.; unberührt bleiben jedoch die Vorfhriften des StGB, bei Körperverlegungen, Beleidigungen, ferner des Urheberrecht8)., Darnach kann denn jreilig feine Geldentichädigung gefordert werden wegen Ehrverlegung, fofern nicht etwa mit diefer ein öfonomticher Soaden verbunden ijft (S 188 St@OB.). Soweit jedoch eine Wieder: herftellung (Rehabilitation) 3. B. durdh Widerruf möglich erfheint, ergibt fih aus $ 249 Sa8 1, daß eine Mage aus $ 823 möglich if. Vgl. Dernburg, Jur. Wichr, 1905 €. 161 ff., Kuhlenbed, Recht 1907 S. 482—486. Ferner wird der Saß 1 des 8 249 erhebli in allen Fällen, in denen ein bloße Alfektionsintereffe verlegt {it und dur NMaturalherftelung wieder ausgeglichen werden fan. Bol. v. Thur, in der Rezenfion zu Fijher, Krit. Vierteljidhr. 1906 S, 66 f. Beijpiel: A Hat eine Sache de8 B, die bisher grüne Sarbe trug, rot angeftriden. DYert- mann, Yecht d. Schuldverh., 2. Aufl. S. 21 f. bezeichnet den tedhnert{chen, Blonomiihen Schaden alS abftratten im Gegenfjaß zum Ffonfreten Schaden, worunter er den Schaden im meiteljten Sinne mit Ginichluk des nicht Sfonomifchen verfteht; er jelbft gibt ZU, daß diefe Bezeich: Hültnis der Herftellung zum SGelderfag im BSH. 1901; v. Zhur, Naturalherftelung und Selderfaß in Ihering8 Jahrb. Bd 46 S. 39 ff.; Nümelin, Die Verwendung der Kaufal- begriffe im Straf= und Zivilrecht, Archiv f. d. zivtlift. Praxis Bd. 906. 171 ff.; Dertmann, Der Schadenserfaganiprucd de3 obligatoriih Berechtigten 1900; v. Tdhur, VBeiprechung von Sicher, Der Schaden nad dem BGG. in Krit. Bierteljicht. 1906 S. 683—96; CEhrenberg, Berficherungswert und Schadenzerfaß in Btichr. f. Bert Wilfenih. Bd. 6 S. 369 f.; Mat- thiejfen, Zur Nechtiprechung des RG, Über Schadenzerjaß bei araliftiger Täufgung, Iur. Wichr. 1908 S. 60—64; Stephan, Die Unterlaffungsflage S. 154 f.; Zuld, Schadens eriaßbilicht obne Verichulden in Kıuchelt3 Atichr. 1905 S. 616—8623.