1668 VIL Abfnitt: Einzelne Sculdverhältnife. (3. B. Beißen, Ausichlagen, Socdhfteigen) aus (Urt. d. Meichsger. vom 4. Mürz 1909 Kur. Wichr. 1909 S. 218). | , Ob der Lenker des Tieres vorjäglich, fahrlälfig oder überhaupt nicht fehuldhaft gehandelt hat, kommt nur für defjen Haftung (aus $& 823 oder 834), nicht aber für diejenige des Tierhalters in Betracht (and. MAnf. ohne überzeugende Begründung Goslich a. a. ©. S. 19 ff). Abweichend zu beurteilen find die Fälle, in denen die Tätigkeit des Tieres zwar durch men]hlihes Handeln veranlaßt oder ermöglicht worden i{t, troßdem aber al8 willkürlich erachtet werden muß; 10 3. B. wenn ein Dritter das Tier von der Kette gelölt ober aus inch Bwinger gelafjen hat, wenn ein auf einen Menichen geheßter Hund diefen gebifien hat oder wenn Bugtiere, fei e8, daß fie überhaupt ohne Auflicht find oder daß fie fchewen und fich der Leitung ihres Venker8 entziehen, mit dem Wagen durchgehen und fo Schaden anrichten (Urt. d. RMeichsger. vom 20. HKebruar_ 1902 und vom 26. Februar 1903, ROSE Bd. 50 S. 219 ff., Bd. 54 S. 74, Urt. d. OL@. Naumburg vom 26. Februar 1904 Senff. Urch. Bd. 59 Nr. 258, Sleiflhauer in Iur. Wichr. 1901 S. 880 Ff., Goslich a. a. D. S. 17 ff., Crome S. 1062 ff). Much hier {ft e8 für die Haftung des Tierhalters ohne Belang, ob und inwieweit derjenige haftet, der Das Tier zu feinem fOhäbigenden Tun veranlaßt (3. B. den Hund gehebt) oder durch feine NMachkäjfigkeit ermöglicht hat, daß ich daS Tier der menfOhlichen Leitung entzogen hat (ebenjo Urt. d. NReichsger. vom 27. November 1902 Oruchot, Beitr. 1903 S, 404 ff, Urt. d. OLG, Stuttgart vom 17. Januar 1902 Se A aa S. 204; and. Anf. v. Liypmann in Bl. 1, RA. Bd. 72 . ff). Von einem willfürlidhen Handeln des Tieres kann nicht gefprochen, die Erfaßpflicht des Tierhalters daher nicht in Anipruch genommen werden, wenn ein äußereS Ereignis auf den Körper oder die Sinne be3 Tieres mit einer Gewalt eingewirkt hat, welcher Tiere der in Zrage kommenden Urt nach phyliologifchen Gefeken nicht mwiderftehen fönnen, und wenn e8 im BZujtande eines folchen Zmwanges Schaden anrichtet. Der Schaden Hit in einem folchen alle nicht durch das Tier, fondern durch das mit unwiderftehlicher Gewalt über das Tier Pe äußere Ereignis verurfacht morden (fo mit Recht Urt d. Reichsger. vom 26. Februar 1903 RSS. BD. 54 S. 74 ff.; and. Anf. Goldmann-Lilienthal S. 914 Anm. 12, land Bem. 2, b). AUS derartige unmider ftehliche äußere Ereignijfe erfcheinen aber nicht alle plößlichen Einwirkungen, die ein Tier zu gewaltfamer Keaktion zu veranlafien geeignet find; denn e8 liegt in ber tierifhen Natur namentlich der Pferde, daß fie durch plögliche Einwirkungen auf ihre Sinne erichrecit und fchew gemacht werden und daß joldhe Erregung fich zu jähen, gewaltiamen Bewegungen ver- anlafien fann, zu einen Verhalten, daß zwar durch den äußeren Yn- reiz gewecdt und von dem NMatıurtrieb beherricht, aber — von bloßen Neflerbewegungen abgejeben — immerhin al8 ein willfürlidhes an- zufeben ift; gerade darin, daß das Ichew gewordene Tier die Bande des Gehorfam8 und der Dreffur durchbricht und Jelbftändig feine nach Richtung und Wirkung underechenbare Energie entfaltet, zeigt iQ eine A Tiergefahr“ (Urt. d. Reichsger. vom 31. Sanuar 1905 ROGE. Bd. 60 S. 65 ff). Die Haftung des Tierhalters wird daher nur ausgefchloffen bei Einwirkungen von außergemwöhn- lider Art und bejonderer Gewalt, durch die das tierifche Tun ausgefchaltet mird, nicht dagegen bei Häufig eintretenden und vom Tierhalter zu gewüärtigenden Borkommnifien des gewöhnlichen KA $ 833 bleibt demgemäß anwendbar, menn Pferde jcheuen Durch das Vorüberfliegen von Bögelnm (Urt. d. NeichSger. vom 11. Januar 1906 Mecht 1906 S. 244 ff.), durch den Anblik von Wälche, die durch einen plößliden Winditoß aufgebläht wird (Urt. d. Meichsger. vom 30. Januar 1905 ROES. Bd. 60 S. 65 ff.) oder durch den Pfiff einer Lokomotive Urt, d. Reichager. vom 6. Juli 1905 Kur. Widhr. 1905 S. 531 und vom 11. Juni 1906 Recht 1906 S. 860 oder dadurch, daß ihnen beim BZiehen eines Wagens8 ftändig Eisitücke auf die Hacken fallen (Urt. d. Yreichsaer. vom 30. März 1905 Sur, MWichr. 1905