EINLEITUNG

IE SCHWEIZ ist auf einen relativ großen Außenhandel und eine intensive
 Außenwirtschaft angewiesen, daher haben in ihrem Außendienst
 die Wirtschaftsbeziehungen entschieden das Primat vor den
politischen. Tatsache ist auch, daß die außenpolitischen Fragen zugleich
innenpolitische sind und es wohl kaum internationale Probleme losgelöst
von den nationalen gibt — zur Begründung sei auf das Versagen des
Völkerbundes, die Ohnmacht der Vereinten Nationen oder auf das Scheitern
 der Bemühungen um die Charta von Havanna hingewiesen. Weiter
steht fest, daß die international gewichtigen Staaten heute Wohlfahrtsstaaten
 sind, soweit zumindest, als sie eine Wirtschafts- und Finanzpolitik
 befolgen, die dort, wo die Privatwirtschaft versagt, zur Sicherung
der Vollbeschäftigung beitragen soll und die notgedrungen auch auf die
Außenwirtschaft übergreift. Nicht zu bestreiten ist ferner, daß diese
Entwicklung der vergangenen drei, vier Jahrzehnte beeinflußt und beschleunigt
 worden ist durch die sich erst spät formenden, gesellschaftlich
stets wirksamer werdenden politischen Kräfte der Arbeiter und Angestellten-Organisationen,
 die heute nicht mehr übersehen werden dürfen
und die in steigendem Maß selbst die zwischenstaatlichen Beziehungen
berühren. In all den sogenannten Industriestaaten sind die Gewerkschaften
 ein Teil der Oeffentlichkeit geworden.

Solange die Weltwirtschaft sich mehr oder weniger frei entfalten konnte
ınd die für die Schweiz und ihre Volkswirtschaft wichtigen Staaten sich
auf ihre rein politischen und fiskalischen Aufgaben beschränkt hatten,
genügte ein schweizerischer Außendienst in bescheidenem Umfange,
denn die außenpolitische Staatsmaxime immerwährender Neutralität verbot
 ihm das Betreten des weltpolitischen Parketts. Vor dem Ersten Weltkrieg
 kam daher die Schweiz mit sechs Gesandten in Europa, vier in
Übersee und mit den Konsulaten aus.

Die Notwendigkeit, nach dem Ersten Weltkrieg die wirtschaftlichen Beziehungen
 der Schweiz mit dem Ausland neu aufzubauen, und die zunehmenden
 Schwierigkeiten in der Weltwirtschaft lösten dann die erste
Welle eines Ausbaues des schweizerischen Außendienstes aus, der nach
1945 eine zweite folgte. Heute ist die Schweiz in 37 Ländern durch Gesandte
 und in weitern 12 durch ständige Geschäftsträger vertreten, daneben
 verteilt sich ein ganzes Netz von Konsulaten auf fast alle Länder