IX. Stellungnahme
der organisierten Arbeiter zum
politischen Außendienst

Das Politische Departement und
sein Außendienst hatten schon vor
und während des Zweiten Weltkrieges
 die Oeffentlichkeit beschäftigt.
 Sehr eingehend setzten sich
die Instanzen des Schweizerischen
Gewerkschaftsbundes mit diesen
Problemen auseinander, als gegen
Kriegsende immer klarer wurde,
daß der bestehende diplomatische
Apparat in der Nachkriegszeit
kaum genügen könnte, um die diplomatischen
 Beziehungen zwischen
der Schweiz und dem Ausland zu
normalisieren und neben der politischen
 auch die wirtschaftlichen
und handelspolitischen Fragen zu
lösen. Die Diskussion in den Reihen
ler Arbeiterorganisationen führte
dann zur Eingabe des Schweizerischen
 Gewerkschaftsbundes und
der Sozialdemokratischen Partei
der Schweiz vom 13. Juni 1945 an
den Bundesrat, die sich sehr einläßlich
 über die Probleme des politischen
 Außendienstes der Schweiz
aussprach und konkrete Anregungen
 unterbreitete.
Auf Grund der damals schon vorliegenden
 Erfahrungen in andern
Ländern stellt die Eingabe fest,
daß die Zeiten jener Außenpolitik
endgültig vorbei seien, da sich der
politische Außendienst vorwiegend
auf die Pflege und Aufrechterhaltung
 der sogenannten «diplomatischen
 Beziehungen» beschränken
könne. Ferner müsse in Betracht
gezogen werden, daß im Sektor

Wirtschaftspolitik Außenpolitik und
Innenpolitik nicht mehr scharf auseinanderzuhalten
 seien und daß die
Schweiz wegen ihrer wirtschaftlichen
 Weltverbundenheit innenwie
 außenpolitisch und vor allem
binnen- wie außenwirtschaftlich
die zu jenem Zeitpunkt schon auf
internationalem Boden eingeleiteten
 Bestrebungen der führenden
Staaten in Rechnung zu setzen und
im Rahmen schweizerischer Eigenheit
 zu berücksichtigen habe. Daraus
 wird in der Eingabe gefolgert,
daß gestützt auf die sich dabei geltend
 machenden neuen politischen
und wirtschaftlichen Kräfte eine
allgemeine innen- und außenpolitische
 Umstellung zu erfolgen habe
und wobei u. a.

«aus dem formalpolitischen und
formaldiplomatischen außenpolitischen
 Apparat ein wirtschaftspolitischer
 Apparat»

werden müsse. Mit der neuen Konzeption
 der schweizerischen Diplomatie
 habe eine zweckentsprechende
 Reorganisation des Politischen
 Departements und der auswärtigen
 Vertretungen wie auch
der Rekrutierung des Personals,
das nicht länger sozusagen ein geschlossener
 Kreis vertreten dürfe,
einherzugehen. Im Zuge dieser
Neuordnung sei der diplomatischen
Mission in den wichtigsten Ländern
 ein Sozialattache beizugeben
 und Vertreter der Gewerkschaften
 zu Handelsvertragsverhandlungen
 heranzuziehen.
Die Eingabe, die als Grundlage
einer Diskussion dienen und einen