teien haben diesen Gegensatz gewöhnlich
 in den Mittelpunkt ihrer
Programme gestellt, während die
einen die Tätigkeit auf seine Milderung
 ausrichten, sehen die andern
 seine Ueberwindung nur durch
einen gesellschaftlichen Umbau als
möglich. Die Gewerkschaften fühlen
 sich in erster Linie dazu berufen,
 dieses Verhältnis für den
Arbeitnehmer tragbarer zu gestalten.
 Und selbst der Weltkonflikt
West-Ost mit all seinen Ausstrahlungen
 ist in seiner ideologischen
Gegensätzlichkeit letztlich auf dieselbe
 Grundfrage zurückzuführen.
Fragen des Verhältnisses zwischen
Kapital und Arbeit haben heute
eine solche Zuspitzung erfahren
und wirken in einer Art und Weise
auf fast jede der gesellschaftlichen
Beziehungen ein, daß ihnen einfach
nicht mehr ausgewichen werden
kann. Und seit geraumer Zeit muß
sich selbst die internationale Politik
 und damit die Auslandvertretung
 eines jeden Staates mehr oder
minder, unmittelbarer oder mittelbarer
 mit ihnen befassen, und darüber
 hinaus -— weil die klassische
Diplomatie hiezu nicht mehr ausreicht
 — müssen besondere, ständige
 internationale Einrichtungen
geschaffen werden. Solche Organisationen
 sind die Internationale
Arbeitsorganisation, der VWirtschafts-
 und Sozialrat der Vereinten
 Nationen und in loserer Verbindung
 damit die Weltgesundheitsorganisation,
 die Weltorganisation
 für Ernährung und Landwirtschaft,
 die Organisation der
Vereinten Nationen für Erziehung,

Wissenschaft und Kultur usw. Die
Schweiz ist Mitglied einiger dieser
Organisationen.
Der gleichen Sache haben mit oder
ohne Erfolg zahlreiche ad-hoc-Konferenzen
 gedient.
Es dürfte daher auf der Hand liegen,
 daß der auswärtige Dienst
nicht nur im sozialpolitischen Interessenschutz
 auf konsularischer
Ebene, sondern auch in der höhern
Politik innerhalb der diplomatischen
 Sphäre die soziale Frage mit
ihren vielverzweigten Wirkungen
zu berücksichtigen und die notwendigen
 Fachleute und Sachbearbeiter
einzusetzen hat. Was gestern noch
nicht für notwendig gehalten worden
 ist, ist heute unumgänglich,
und Zwar in ganz konkreten Angelegenheiten
 wie zum Beispiel der
Schaffung von Mindestarbeitsnormen
 oder der Sicherung von Konjunktur
 und Wohlstand.

XI. Sozialattache und
Internationale Arbeitsorganisation

Hier dürfte sich die Frage stellen,
ob nicht ein wesentlicher Teil der
Aufgaben des Sozialattaches durch
die Internationale Arbeitsorganisation
 mit ihrem sehr leistungsfähigen
 Apparat, dem Internationalen
 Arbeitsamt, und durch die
andern im Gefolge des Zweiten
Weltkrieges entstandenen internationalen
 Institutionen geleistet
werde und ob nicht der Sozialattach6-Dienst
 da nur eine Doppelspurigkeit
 bedeute.
Kenner der Verhältnisse verneinen
die Frage.