erforscht, und weil dem so ist, besteht
 die Neigung, die Gewerkschaften
 zu unterschätzen.
In Großbritannien hatten die Gewerkschaften
 — als maßgebliche
Mitglieder der Labour-Party — Vertreter
 in der Labour-Regierung,
und heute üben sie als wichtiger
wirtschaftspolitischer Faktor einen
deutlich wahrnehmbaren, mehr
mittelbaren als unmittelbaren Einfluß
 auf die Regierungspolitik aus.
Auch in Westdeutschland wirken
die Gewerkschaften weniger direkt
als indirekt auf die Politik der
Bundesregierung ein, obwohl sie in
keiner organisatorischen Bindung
mit einer der politischen Parteien
stehen.
In den USA wiederum wissen die
Gewerkschaften als Organisation
der Arbeit und als Machtfaktor der
Millionenverbände auf das soziale
und wirtschaftliche Geschehen einzuwirken..
 Sie nehmen außerdem
zu den politischen Problemen Stellung
 und spielen dabei eine durchaus
 aktive Rolle. Es ist ein Kennzeichen
 der Regierungen Roosevelt
und Truman, daß sie die Gewerkschaften
 zur politischen Mitarbeit
herangezogen und diese ihre Vertreter
 in wichtige Instanzen abgeordnet
 haben. Die überraschende
Ernennung des Gewerkschaftsfunktionärs
 und Demokraten . Martin
P. Durkin zum Regierungsmitglied
darf zumindest dahin gedeutet werden,
 daß Eisenhower die Gewerkschaften
 nicht im feindlichen Lager
 sehen will und befriedigende
Beziehungen zu ihnen sucht.
Die politische Einflußnahme amerikanischer

 Gewerkschaften ist
mannigfaltig. Der Congress of Industrial
 Organizations (CIO) hat
1944 das Political Action Committee
(Politisches Aktions-Komitee) geschaffen
 und der American Federation
 of Labor (AFL) 1948 die
Labor’s League for Political Education
 (Arbeiterliga für politische
Erziehung), die unter systematischer
 Anwendung der «publierelations»-Methoden
 — in Benennung
 ihrer Kampagnen als Aktionen
 der Gewerkschaften —- Politiker
beider Parteien, die mit der Arbeiterbewegung
 sympathisieren,
fördern und für ihre Wahl eintreten.
 Beide Gewerkschaftsbünde
unterhalten in Washington Organisationen,
 die in der Art der Lobbyisten
 * — jedoch nicht durch Einsatz
 von Geldern — in den Wandelgängen
 des Kongresses den Abgeordneten
 die gewerkschaftliche
Haltung in politischen, wirtschaftlichen
 und sozialen Fragen darlegen
 und sie für die gewerkschaftlichen
 Forderungen zu gewinnen

* Lobby und Lobbyist sind Jargons des
amerikanischen Parlaments, die unübersetzbar
 sind. Interessengruppen
unterhalten beim Kongreß und den
Parlamenten der Einzelstaaten ständige
 Vertreter (Lobbyisten), welche
versuchen, die Abgeordneten für bestimmte
 Fragen zu interessieren und
für eine bestimmte Stimmabgabe zu
gewinnen. Diese Institution (Lobby)
ist deswegen anrüchig geworden, weil
solche Agenten sich heute vielfach
nicht scheuen, diese Dienste mit schwerem
 Geld oder sonstwie zu vergüten.

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