sten Nachkriegsjahren durchaus
nicht einer «Modeströmung» entsprungen
 ist, sondern daß damals,
gegenwärtig und künftig in der
Schweiz dafür ein sehr reales und
großes Bedürfnis besteht, und zwar
auf sozialpolitischem wie auf wirtschaftlichem
 Gebiet. Der sachgerechte
 Einsatz des Sozialattaches
wird aber erst dann möglich sein,
wenn das Politische Departement
und die Gesandten sich Rechenschaft
 über seine eigentlichen Funktionen
 geben, ihn folgerichtig im
auswärtigen Dienst verwenden und
die allem Anschein nach vorhandenen
 Vorurteile und Widerstände
gegen diesen neuen Dienst endlich
brechen. Zuständigenorts sollte eigentlich
 erkannt sein, daß in Zeiten
wirtschaftlicher und sozialer Spannungen,
 denen die politischen Gefahren
 folgen, die diplomatische
Vertretung einer Erweiterung bedarf,
 daß neue Machtfaktoren zu
beobachten sind und mit ihnen Fühlung
 zu nehmen ist, wozu aber der
Diplomat des allgemeinen Dienstes
nicht die notwendigen Voraussetzungen
 mitbringt und auch nicht
die vertrauensvolle, tragbare Verbindung
 herzustellen vermag.

XIV. Und die Schlußfolgerung?
Ob Weltmachtstaat, der in die hohe
Politik eingreift, oder Kleinstaat,
der die hohe Politik meidet und
dem selbstgewählten Grundsatz der
Neutralität getreu seine lebensnotwendigen
 Beziehungen mit allen
Staaten pflegt und ausbaut, sie
beide haben für ihren Zweck den

auswärtigen Dienst den heutigen
Verhältnissen anzupassen, der klassischen
 Diplomatie das Antlitz der
Zeit — das des century of the common
 man — zu geben und sie auch
zur Erfassung der wirtschaftlichen
und sozialen Vorgänge mit ihren
Auswirkungen zu befähigen. Nicht
mehr ausschließlich in politischen
Salons wird Politik gemacht; neue,
machtvolle Faktoren sind in der
Arbeiterbewegung und in den Gewerkschaften
 insbesondere, die
heute mehr denn nur Interessenvertretungen
 sind, erschienen, und
mit ihnen hat sich die diplomatische
 Mission als Beobachtungsposten
 und Vertretung ebenfalls zu
befassen. Reale Erfordernisse und
keine «Modeströmungen» verlangen
den Sozialattache. Sein Wissen und
seine Verbindungen mit der Arbeiterbewegung
 wie mit den Unternehmerverbänden
 bereichern die
diplomatischen Berichte und schärfen
 das Urteil.
Auch die Schweiz hat dem Sozialattache
 den ihm gebührenden Platz
in ihrer diplomatischen Vertretung
einzuräumen. Entgegen früherer
Erklärungen des Bundesrates ist
ihre Zahl zu vermehren. Aber im
Augenblick ist fast noch dringlicher,
 daß man sich zuständigenorts
 auf die wirklichen Aufgaben
des Sozialattaches besinnt, sie nicht
mit Funktionen, die dem Konsul]
zustehen, belastet, sie dort, wo notwendig,
 anhält, Beziehungen mit
Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen
 und sozialen Institutionen
 im beschickten Land aufzunehmen
 und zu pflegen.