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Erster Abschnitt,

geschehene Überschreitung der Befugnisse vorzugehen und Abhilfe
zu schaffen. Solange die Kaperei besteht, ist der innere Grund und
der letzte Zweck der Prisengerichtsbarkeit das Inschrankenhalten
der Kaper 1).
C. F. WURM gebührt das Verdienst, für. die Geschichte der
Kaperei und der Prisengerichtsbarkeit auf das friesische Urkundenbuch
 von SCHWARTZENBERG 2) aufmerksam gemacht zu haben. In den
langen Kriegen der Grafen von Holland mit den Ostfriesen spielte
die Kaperei eine große Rolle%. Schon in dem ersten Kaperbrief
vom 21. Dezember 1327, den der Graf WILHELM VON HOLLAND einer
genannten Person und ihren Gesellen auf Widerruf erteilt, finden
sich Einschränkungen, an die der Inhaber des: Kaperbriefs sich zu
halten angewiesen wird. Die Urkunde lautet, „Wi WILLEM, Grave
enz. maken cond enz. dat wi oirlof ghegheven hebben, ende gheven
met desen brieve LEMMEKYN ToP, ende zinen ghesellen te panden,
ende scade te doene op die Vriesen, die onse viande zien, zonder
yemand doit te slane, ende wat goid dat si hem winnen in ’t water,
dat willen wi, dat si behouden; ende waer dat zake, dat zize jagheden
in ’t water, alzo dat zi hem upt land ontfloghen, zoe willen wi,
dat zize dair ter steden besetten moghen, ende wat vanghen, dat
sie vaen, die zullen zie in levenden live brenghen onder onzen
Bailiu, jof onder onzen Rechter, onder wes bedryf dat zize vaen.
Dit zal gheduren t’ onzen wederzegghen. Ghegheven tote Binch,
des Manendaghes na Sinte Lucien dach, in ’t jaer ons Heren
MCCCXXVII“ %. Die Mißbräuche, welche das „Auslegen“ auf die
Friesen ‚zur Folge hatte, wurden schließlich derart, daß im Jahre
1397 der Graf ALBRECHT einen Admiral einsetzte, ohne dessen rechte
Wissenschaft und Befehl keiner bei Strafe an Leib und Gut wider
des Grafen Feinde „auslegen“ sollte 5).
Das Institut der Prisengerichtsbarkeit hat viel von seiner
Bedeutung verloren, seitdem zwischen den Signatarmächten der
Pariser Seerechtsdeklaration vom 16. April 1856 und den ihr beigetretenen.
 Staaten die Kaperei „abgeschafft ist und bleibt“ ©). Doch
sind die Maschen der Deklaration so weit, daß es jedem Staate ein

1) Vgl. die vorzüglichen Ausführungen von RUGGIERO LANzA, Istituzioni di
diritto giudiziario marittimo, Napoli, 1899, S. 522—525; außerdem PERELS, Das
internationale öffentliche Seerecht der Gegenwart. 2. Aufl. Berlin 1903, S. 301.
2) Groot Placaat en Charter-Boek van Vriesland. 1768, S. 180 ff.
3) WURM in voN ROTTECK und WELCKER’S Staats-Lexikon Bd. 13, 1842, S. 138ff.
4) p. 180.
5) p. 267: „.... Ende verbieden eenen yegelikken op syn lyf ende op syn
goet, dat nyemant voirtaen, wie hi sy, wt en legge up onse vianden voirn. buten
rechter wetenthede ende bevelinge Heeren JAnNs ende Heeren GHERYTS onse Admiralen
voirgenoemt . . .“
6) Vgl. A. TRENDELENBURG, Lücken im Völkerrecht. Betrachtungen und Vorschläge
 aus dem Jahre 1870. Leipzig 1870, S. 45.